Der Mensch steht wieder im Zentrum
Das Baselbieter Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsforum in Münchenstein stand unter dem Motto «Leadership in Zeiten des Wandels». Doch was ist gute Führung überhaupt?

«Die Welt ist aktuell besonders schnell im Wandel. Sachen, die man für selbstverständlich hielt, sind infrage gestellt.» Thomas Kübler, Leiter der Baselbieter Standortförderung, nannte als Beispiel den Welthandel, den US-Präsident Donald Trump mit seinen Zöllen ins Wanken bringt. Nach den Themen künstliche Intelligenz (KI), Digitalisierung und Bildung stellte die kantonale Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) als Organisatorin des Forums in Netzwerkpartnerschaft mit der Handelskammer beider Basel (HKBB) wieder den Menschen ins Zentrum. «Leadership in Zeiten des Wandels» lautete der Titel des diesjährigen Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsforums in der Walzhalle in Münchenstein. Wandel habe es immer schon gegeben, betonte Kübler. Aktuell verlaufe dieser aber besonders schnell.
Tipps für gutes Leadership
«Wie führt man Unternehmen in ein neues Zeitalter?», fragte Moderatorin Désirée Lehmann zu Beginn. Das Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsforum wollte diese Frage aus wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Perspektive beantworten. Für das Publikum stehen die Begriffe Vorbild, Vertrauen, Haltung und Verantwortung für gute Führung. Dies zeigte sich beim Mentimeter, einer Art Abstimmung mit dem Handy.
Ruedi Nützi, Experte für Leadership und Unternehmenskultur an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), nannte in seinem Inputreferat acht Empfehlungen für gutes Leadership. «Fokus auf Zusammenarbeit und Resultate» lautete seine erste Empfehlung. «Mitarbeitende sollen sich auf ihre Arbeit konzentrieren können. Gute Führung bringt die Leistungen der Mitarbeitenden zusammen», sagte Nützi. Gute Führung wirke sich positiv auf die Zufriedenheit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeitenden aus. Dies sei die zentrale Aufgabe einer guten Führung.
«Leadership heisst frische Luft», führte Nützi fort. Die Führung sei für die Energie, Stimmung und Atmosphäre in einem Unternehmen verantwortlich. Der beste Motivator für Mitarbeitende sei die Freude an der eigenen Arbeit, erinnerte Nützi. Als die wichtigste Aufgabe guter Führung nannte der FHNW-Professor die Rekrutierung der Teamleiter. «Sie sind zwischen allen Fronten und nah bei den Mitarbeitenden.»
Akzeptanz bei Mitarbeitenden
Im Anschluss blickten Tina Müller, CEO Weleda, Miriam Baumann, CEO Läckerli Huus, und Nora Fehlbaum, Chairwoman of the Board of Directors bei Vitra, auf gute Führung in der Wirtschaft. Ob das «Schema F» in puncto Führung über einen längeren Zeitraum funktioniere, wollte Moderatorin Lehmann wissen. Baumann ist überzeugt, dass sich Führung nicht allzu stark dem Zeitgeist anpassen muss. «Natürlich muss man in der Führung täglich adaptieren. Aber der Grundsatz der Führung ändert sich nicht.» Führung bedeute für sie, erklärte Müller, «dem Unternehmen eine Perspektive zu geben». Führung sei unterschiedlich je nach Phase und Situation, in der sich das Unternehmen befinde, bekräftigte Müller. Wichtig sei gerade in einer Phase der Transformation, dass die Mitarbeitenden spürten, wohin man möchte.
Die Forumsteilnehmenden waren sich bei der Umfrage, was bei einem Veränderungsprozess am allerwichtigsten sei, fast gänzlich einig, dass die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden unerlässlich ist.
«Ich alleine kann keinen Veränderungsprozess machen. Ich muss die Leute mitnehmen», betonte Baumann auf dem Podium. Trotzdem sei für sie klar: «Die Führung muss den Wandel vorwärtsbringen.» Aber auch das Tempo sei relevant, meinte Fehlbaum: «Eine Transformation, die ewig dauert, wird nichts.»
Thomi Jourdan: Verantwortung ist nicht delegierbar
Den Abschluss machte der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektor Thomi Jourdan (EVP). Aufgrund eines Zugausfalls kam der Regierungsrat mit leichter Verspätung in Münchenstein an. Entsprechend hatte er die erste Umfrage nach den Begriffen einer guten Führung nicht mitbekommen.
Auf Nachfrage von Moderatorin Lehmann nannte Jourdan «Authentizität», «Raum geben für Wirksamkeit» und «Leistungskultur schaffen» als Begrifflichkeiten einer guten Führung. Verantwortung sei nicht delegierbar, sagte Jourdan. «Gleichzeitig sollte man auf Augenhöhe arbeiten.» Es gehe darum, Asymmetrien zwischen Führungspersonen und Mitarbeitenden aufzuheben. Wenn die ersten beiden Punkte – Authentizität und Raum geben für Wirksamkeit – passten, sei die Leistungsbereitschaft das Resultat daraus, ist Jourdan überzeugt.


