«Das ist ein fertiger Witz» – die Entlastungszügeim Birstal werfen Fragen auf

Die Kritik am Bahnangebot im Laufental spitzt sich zu: Jan Kirchmayr (SP) verlangt Antworten zu den ausgefallenen S-Bahn-Verbindungen und reicht einen parlamentarischen Vorstoss ein.

Beliebt: ein Zug der Linie S3 beim Bahnhof in Aesch. Foto: Kenneth Nars
Beliebt: ein Zug der Linie S3 beim Bahnhof in Aesch. Foto: Kenneth Nars

Noch nie war das ÖV-Angebot im oberen Birstal besser als während der 22 bahnlosen Wochen im vergangenen Jahr. Auslöser war der Doppelspurausbau der Gleisanlage zwischen Aesch und Laufen, der eine Totalsperrung zur Folge hatte. Für das Laufental bedeutete der Ersatzbusverkehr ein deutlich breiteres Angebot: Die Sperrung brachte acht Ersatzbusse pro Stunde, welche die halbstündige S-Bahn-Frequenz ersetzten.

So dicht getaktet kamen Passagiere noch nie durch das Laufental. Auf der Strecke zwischen Aesch und Basel verkehrte die Bahn zudem im Viertelstundentakt. «Das haben wir alle sehr genossen», sagt der Dornacher Gemeindepräsident Daniel Urech (FWD/Grüne). Nach Abschluss der Bauarbeiten mussten sich die Gemeinden zwischen Laufen und Basel jedoch vom eng getakteten Fahrplan verabschieden. Laut dem Regierungsrat wird diese Frequenz frühestens 2035 wieder Tatsache.

Jan Kirchmayr (SP) ist enttäuscht: «Ich bin nicht zufrieden. Es ist bisher nicht mal klar, wann genau die Entlastung kommt.» In der kürzlich eingereichten Interpellation verlangt er, dass die Baselbieter Regierung aufzeigt, wie das ÖV-Angebot im Birstal künftig ausgestaltet wird.

«Eine Lösung, welche die Situation eher verschlechtert als verbessert»

Vor dem Fahrplanwechsel Ende 2025 fuhren jeweils zu den Hauptverkehrszeiten zusätzliche S-Bahnen. So ergab sich zu Spitzenzeiten ein Viertelstundentakt. Seit dem Fahrplanwechsel ist jedoch auch damit Schluss. Als Kompromiss verkehren mittlerweile zwischen Basel und Aesch Entlastungszüge. «Eine Lösung, welche die Situation eher verschlechtert als verbessert», kritisiert der SP-Landrat.

Die Entlastung bleibe weitestgehend aus, da der Zug morgens nur einmal pro Stunde verkehrt. «Absurd ist dabei, dass diese Entlastungszüge nur sieben Minuten vor der regulären S-Bahn verkehren», schreibt Kirchmayr in seiner Interpellation.

«Die Situation ist zu Stosszeiten unbefriedigend», findet auch Urech. «Der 15-Minuten-Takt ist sehr wertvoll und wir wünschen uns nach wie vor einen Ausbau des S-Bahn-Taktes.» Ein zusätzlicher Schlag für die Dornacher S-Bahn-Nutzenden kam nur wenige Monate später. Die Zukunft der geplanten Haltestelle Apfelsee bleibt nach der Weidmann-Studie – obwohl bereits durch das Parlament beschlossen – offen.

Kirchmayr wird durch die Reisenden bestärkt

Kirchmayr hat bereits mit mehreren Vorstössen Druck erzeugt, um ein besseres S-Bahn-Angebot für das Birstal zu erreichen. Er sagt: «Wir haben Anspruch auf regelmässige Verbindungen.» Dass es hierfür nicht bereits eine Lösung gibt, befindet Kirchmayr als «ein fertiger Witz». Briefe von Reisenden würden ihn bestärken, weiter für den Viertelstundentakt zu kämpfen.

Den Vorstoss reicht er bewusst jetzt ein: Die Frist, innerhalb derer die Regierung anmelden muss, auf welchen Strecken sie einen Viertelstundentakt will, läuft ab. Dies geschieht im Rahmen der regionalen Bahnnetzentwicklung und in Abstimmung mit dem Bundesamt für Verkehr (BAV). Nur so lässt sich eine optimale Koordination mit dem bestehenden Bahnbetrieb sicherstellen.

Schon seit Jahren wirbt Kirchmayr für bessere Bahnverbindungen im Birstal. 2019 postete er ein Bild von sich auf Instagram mit der Bildunterschrift: «Waiting for the train».

Das Wendegleis in Aesch soll als Lösungsansatz dienen

Bis im Jahr 2028 wird in Aesch südlich des Bahnhofs ein Wendegleis realisiert. Dieses soll den Viertelstundentakt zwischen Basel und Aesch ermöglichen. «Wir kämpfen mit der Birsstadt darum, dass wir den 15-Minuten-Takt noch vor 2031 bekommen», sagt die Aescher Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher (SP).

Der 15-Minuten-Takt sei nicht nur eine Komfortfrage, auch soll der öffentliche Verkehr gegenüber dem motorisierten Individualverkehr (MIV) attraktiver werden. «Der MIV soll im Verhältnis zur Bevölkerung nicht weiter ansteigen», meint Sprecher und führt aus: «Das würde auch zusätzliche Belastung auf der A18 entgegenwirken.»

«Wir kämpfen mit der Birsstadt darum, dass wir den 15-Minuten-Takt noch vor 2031 bekommen.»

«Ich bin nicht zufrieden. Es ist bisher nicht mal klar, wann genau die Entlastung kommt.»

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