Bus 58 macht immer noch niemanden glücklich
Zum wiederholten Mal hat der Kanton die Route der Buslinie geändert, sie führt nun durchMünchenstein undReinach. Doch auch jetzt hagelt es Kritik.
Von Anfang an war nicht klar, welche Rolle der Bus 58 einnehmen sollte. Eingerichtet wurde die Linie 2009 als Verbindung zwischen den beiden Tramlinien 10 und 11 in Münchenstein sowie dem Bruderholzspital. Eingesetzt wurden grosse Busse. Diese brauchten aber in den engen Kurven Rückwärtskameras, als der 58er zusätzlich die Münchensteiner Wohngebiete am Hang bediente. Bald deckten andere Linien das Bruderholzspital besser ab, die Passagiere blieben aus. Deshalb gab der Kanton die Linie 2013 auf. Die Gemeinde Münchenstein rettete sie und betrieb sie auf eigene Kosten weiter, allerdings als reinen Ortsbus zwischen Schlossmatt und Klinik Birseck. Dafür reichte ein Kleinbus.
Vor dem Fahrplanwechsel 2025 entdeckte dann der Kanton die Linie neu. Er sah die Möglichkeit, arbeitsplatzintensive Entwicklungsgebiete wie das Kägen oder Uptown Basel besser an S‑Bahn und Tram anzubinden. Seit dem 14. Dezember fährt der 58er nun eine neue, deutlich längere Route als bisher, nicht mehr nur durch Münchenstein, sondern auch durch Reinach: Von der Schlossmatt über das Walzwerk und den Bahnhof Münchenstein nach Reinach, dort durchs Mischeli- und Rebbergquartier zum Ortszentrum und weiter zum Gewerbegebiet Kägen zur Endhaltestelle Bruggrain. Eingesetzt wird ein grosser Bus, der jede halbe Stunde verkehrt.
Unattraktiv für Pendelnde
Doch bereits kommt das neue Konzept in den beiden durchfahrenen Gemeinden nicht gut an. Im Wochenblatt vom 8. Januar hagelte es Leserbriefe, die insbesondere die neue Routenführung kritisieren. Der Bus kurve umständlich durch Wohnquartiere und sei deshalb nicht attraktiv, etwa für Pendelnde ins Kägen. Und die Fahrzeuge seien zu gross, müssten Trottoirs befahren und würden deshalb Kinder auf ihrem Schulweg gefährden, so ein weiterer Vorwurf. Dem hält die Gemeinde Reinach auf Anfrage entgegen, der Zweck der Buslinie sei nicht primär eine schnelle Verbindung vom Bahnhof Münchenstein ins Kägen. Hingegen sei sie attraktiv für Teilstrecken, etwa vom Bahnhof Münchenstein zur International School oder vom Reinacher Ortszentrum zum Gartenbad.
Und in den Quartierstrassen seien bereits kritische Engpässe, die sich in der Testphase gezeigt hätten, baulich angepasst worden. «Der Bus fährt langsam und umsichtig», schreibt die Gemeinde, das Kreuzen mit Autos sei ohne Ausweichen aufs Trottoir möglich. Denn ein weiterer Kritikpunkt war, dass die Busse in den engen Quartierstrassen ständig vom Gegenverkehr ausgebremst würden. Deswegen entstünden Verspätungen, die das Umsteigen auf Tram und S‑Bahn erschwerten.
Änderung der Route?
Die Baselland Transport AG (BLT), die die Linie betreibt, möchte dennoch an den grossen Bussen festhalten, denn: «Durch die Erschliessung neuer Gebiete wie dem Kägen stossen die Kleinbusse an ihre Kapazitätsgrenzen.» Ob und in welcher Form die Buslinie 58 beibehalten wird, zeigt sich 2028. Nach drei Jahren müssen die Ticketeinnahmen mindestens 30 Prozent der Kosten decken, und auf dem am stärksten belasteten Teilstück müssen im Schnitt mindestens 10 Prozent der Sitz- und Stehplätze besetzt sein. Ansonsten gilt die Linie für den Kanton nicht als erfolgreich.
Bis dahin ist «nicht vorgesehen, die Route anzupassen», schreibt die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) auf Anfrage – ausser es sprechen für BLT, BUD und die Standortgemeinden «zwingende Gründe» dafür. Aus Reinach heisst es, das sei «durchaus möglich». Entsprechend hat die Gemeinde die Haltestellen erst provisorisch erstellt. Derzeit gibt es zum neuen 58er allerdings noch keine Benutzerzahlen, auf denen man Änderungen abstützen könnte.


