Bund streicht neue S‑Bahn-Stationen: Ärger in Dornach und Allschwil
Die Planungen für die Haltestellen laufen bereits seit Jahren. Nun macht der Bundesrat den Gemeinden einen Strich durch die Rechnung.

Es ist ein grosser Wermutstropfen für die Region Basel: Zwar will der Bundesrat die Durchmesserlinie zwischen dem Bahnhof SBB und dem Badischen Bahnhof sowie den Rheintunnel realisieren. Gleichzeitig sollen die drei geplanten S‑Bahn-Haltestellen Basel-Neuallschwil, Basel-Solitude und Dornach-Apfelsee nicht gebaut werden. In den betroffenen Gemeinden sorgt die Nachricht aus Bern für Kopfschütteln.
Am vergangenen Freitag hat der Bundesrat die Vernehmlassungsvorlage zur Verkehrsplanung «Verkehr 45» veröffentlicht. Darin zeigt er auf, welche Projekte auf Strasse und Schiene er bis zum Jahr 2045 in der Schweiz realisieren möchte. Die Planungen in der Region und bei den SBB für die nun überraschend infrage gestellten Haltestellen laufen seit Jahren. Die S‑Bahn-Station Basel-Neuallschwil hätte auf Höhe der Tramhaltestelle Morgartenring in Basel zu stehen kommen sollen. Mit der Haltestelle sollten Grossbasel West und die Baselbieter Gemeinde Allschwil besser erschlossen werden. Bei Letzterer handelt es sich um die schweizweit grösste Ortschaft ohne Bahnhof.
Arealentwicklerin Hiag zeigt sich erstaunt
Die S‑Bahn-Haltestelle Dornach-Apfelsee würde zwischen den Dornacher Gebieten Apfelsee und Wydeneck gebaut. 2019 hatte das Bundesparlament die Haltestelle bereits in den Ausbauschritt 2035 aufgenommen. Dass der Bundesrat den Beschluss nun rückgängig machen will, enttäuscht den Dornacher Gemeindepräsidenten Daniel Urech (Grüne). Er sagt: «Wir haben unsere Planungen seither vorangetrieben, ebenso die SBB.» Die Station befinde sich genau am richtigen Ort, um zu verdichten. Sie käme Dornach und Aesch direkt zugute und würde rund 4000 Menschen bedienen, die rund um die Haltestellen leben. Ausserdem entlaste sie den Bahnhof Dornach-Arlesheim.
Die Arealentwicklerin Hiag will in Dornach auf dem Gebiet der ehemaligen Swissmetal in den kommenden Jahren ein neues Quartier mit rund 2000 Bewohnenden entstehen lassen. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen immer wieder die Bedeutung der S‑Bahn-Haltestelle Dornach-Apfelsee für das Transformationsareal Wydeneck betont. «Wir nehmen diesen Entscheid mit Erstaunen zur Kenntnis», schreibt Hiag-Sprecherin Laura Roth auf Anfrage. Die Depriorisierung der S‑Bahn-Haltestelle Dornach-Apfelsee habe unmittelbare und weitreichende Auswirkungen auf die Entwicklung des Wydeneck-Areals sowie auf den gesamten südlichen Wirtschafts- und Transformationsraum des Birstals. Hiag sei vom Standort weiterhin überzeugt und bereit, das Wydeneck-Areal langfristig und nachhaltig zu entwickeln, erklärt Roth. Man benötige jedoch Planungssicherheit. Deshalb ersucht die Hiag die Regierungen der Kantone Solothurn und Baselland sowie die Standortgemeinden, sich gegenüber dem Bund, dem Bundesamt für Verkehr und den SBB für eine unterbruchsfreie Weiterführung der Haltestelle einzusetzen.
Für beide Basel ist Streichung «nicht hinnehmbar»
Die in der Vernehmlassungsvorlage enthaltene Zustimmung zu den beiden grossen regionalen Verkehrsprojekten Durchmesserlinie und Rheintunnel war erwartbar. Die Streichung der S‑Bahn-Stationen führte hingegen kurz nach der Ankündigung zu harschen Reaktionen. Das Aus der Haltestelle Basel-Neuallschwil sei «nicht hinnehmbar», wurde der Baselbieter Verkehrsdirektor Isaac Reber (Grüne) in einer Mitteilung zitiert. Beide Basel fordern eine rasche Realisierung. Finanziert hatten sie bereits das Vorprojekt.
Der Verein Agglo Basel begrüsst die Stossrichtung der Vorlage, betonte in einer Mitteilung aber, dass Druck nötig sei, um die Bahnhöfe Basel-Neuallschwil und Dornach-Apfelsee zu bauen. Die Vernehmlassung dauert bis zum 9. Oktober. Die Kantone wie auch die betroffenen Gemeinden und Agglo Basel haben vor, sich aktiv einzubringen, damit die S‑Bahn in der Region Basel doch noch weitere Haltestellen erhält.


