A18-Zubringer: «Variante Süd» ist machbar
Über die Birs soll eine neue Autobrücke führen. Eine Machbarkeitsstudie zeigt: Eine Querung beim Tenniscenter an der Birs ist umsetzbar. Dennoch bleiben einige Punkte offen.
Sie war schon lange erwartet worden, nun liegt sie vor: die Machbarkeitsstudie, die sich mit dem Verlauf einer zusätzlichen Brücke über die Birs befasst. Sie kommt zum Schluss: Die sogenannte «Variante Süd», also die Realisierung einer Brücke beim Tenniscenter an der Birs, ist machbar.
Zur Rekapitulation: Seit Jahren ringen Baselland und Solothurn sowie die beiden Gemeinden Aesch und Dornach um eine Lösung für den geplanten Autobahnzubringer zur A18. Dafür muss die Birs überquert werden. Wo dies geschehen soll, das ist das Streitthema: Bürgerliche Kräfte aus beiden Gemeinden setzen sich für «Variante Mitte» beim ehemaligen Metalli-Gelände, das heute der Hiag gehört, ein. 2023 hatten sich die Kantone und die Gemeinden nach Workshops mit 40 Delegierten aus Aesch und Dornach allerdings darauf geeinigt, «Variante Süd» weiterzuverfolgen. Dies, weil es für die «Variante Mitte» keinen Konsens gab, so Regierungsrat und Baudirektor Isaac Reber (Grüne).
Am Montag informierten die beiden Kantone Solothurn und Baselland sowie die Gemeinden Aesch und Dornach an einer öffentlichen Veranstaltung über die Ergebnisse der Studie für die «Variante Süd» – beziehungsweise «Birsquerung Wyden», wie das Projekt neu heisst. Bei Kantons- und Gemeindevertretenden herrschte in der Löhrenackerhalle viel Einigkeit. Der Tenor: «Keine Brücke ist keine Lösung.» Die Aescher Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher (SP) erklärte: «Es ist mehr als eine Diskussion über Verkehr. Es ist ein Versuch, unseren gemeinsamen Lebensraum ganzheitlich zu betrachten.» Und ihr Dornacher Amtskollege Daniel Urech (FWD/Grüne) freute sich, dass das Projekt mit der Machbarkeitsstudie einen grossen Schritt weitergekommen sei.
Nun folgt die Beurteilung der «Zweckmässigkeit»
Die Machbarkeitsstudie untersuchte verschiedene Routenführungen auf Höhe des Tenniscenters. Dort soll die Brücke über die Birs ins Aescher Gewerbegebiet führen. Von da aus soll der Verkehr weiter über die Weidenstrasse über den Vollanschluss Aesch auf die Autobahn geleitet werden.
Der 69 Seiten lange Studienbericht kommt zum Schluss, dass eine solche Brücke realisiert werden könnte. Allerdings listet die Studie zahlreiche Punkte auf, die weiter untersucht werden müssen, so etwa Bedürfnisse der Umwelt oder der betroffenen Parzellenbesitzer. Nicht Teil der Studie ist überdies die Beurteilung der geografischen Lage betreffend Nutzen und Zweck. Bis Ende Jahr soll eine solche «Beurteilung der Zweckmässigkeit» erfolgen. Die Kostenschätzung für die Realisierung der Birsbrücke liegt bei 13 Millionen Franken – dabei könne es zu Abweichungen um plus oder minus 30 Prozent kommen. Martin Schaffer, Projektleiter der Machbarkeitsstudie beim Tiefbauamt Baselland, erklärte, das Projekt stünde ganz am Anfang, die Kostenschätzung sei daher noch sehr grob.
Enttäuschung bei Bürgerlichen
An der Veranstaltung am Montag konnten die Anwesenden aufschreiben, wo sie Vorteile und Nachteile erkennen. Die Ergebnisse aus den Workshops würden in die weitere Prüfung einfliessen, versprachen die Organisatoren. Die Bevölkerung soll auch künftig miteinbezogen werden.
Die Birsquerung steht in Zusammenhang mit der gesamten Raumplanung an der Birs. Auch der Masterplan für den Bahnhof Aesch und das Gebiet Birsmatt werde mit Beteiligung der Bevölkerung erarbeitet.
Enttäuscht über den gesamten Prozess zeigte sich Rolf Blatter. Der Aescher FDP-Landrat setzt sich seit Jahren für die Umsetzung von «Variante Mitte» ein und kritisierte, dass diese nun komplett vom Tisch sei. Unterstützt wurde er vom Dornacher Gemeinderat Daniel Müller (FDP), der anmerkte, «Variante Süd» und «Variante Mitte» seien einander nicht gegenübergestellt worden. Die Solothurner Regierungsrätin Sandra Kolly (Die Mitte) betonte – wie ihr Amtskollege Reber –, «Variante Mitte» fände keine Mehrheiten. «Und wir hätten keine Genehmigungsfähigkeit für diese Variante. Umweltverbände würden wohl dagegen vorgehen», sagte sie und verwies auf die Verkehrsanbindung im solothurnischen Thal, die vor nach einem Gang vor Bundesgericht gescheitert war.
Dämpfer für das Wydeneck-Areal in Dornach
Für die Frage der Birsquerung essenziell ist auch die Entwicklung des Wydeneck-Areals auf Dornacher Boden. Dort will die Arealentwicklerin Hiag ein Wohn- und Arbeitsgebiet für rund 2000 Menschen schaffen. Allerdings hat der Bund diesen Plänen in seiner Vernehmlassungsvorlage zur Verkehrsplanung «Verkehr ’45» (siehe Text oben) einen jähen Dämpfer verpasst.
Denn sollte die S-Bahn-Haltestelle Dornach Apfelsee tatsächlich nicht realisiert werden, würde die Hiag mit der geplanten Bebauung der Areals wohl abwarten, sagt Hiag-CEO Marco Feusi gegenüber dem Wochenblatt. Die Haltestelle sei für die Transformation des Areals von grosser Bedeutung. Sprich: Dass die Hiag die geplanten Hunderten Wohnungen überhaupt so realisiert, wie geplant, ist ohne S-Bahn-Haltestelle fraglich.
Der definitive Entscheid über die Haltestelle wird wohl Ende 2027 im Parlament gefällt. Er wird in der Planung der neuen Birsbrücke eine gewichtige Rolle spielen.






