Britische Ehrenmedaille für Hoblerin

Marlene Vögtli wird von König Charles III. mit der «British Empire Medal» geehrt. Die Hoblerin hat über Jahrzehnte Kontakt zu Überlebenden und Angehörigen des Flugunglücks von 1973 gepflegt.

Feierliche Übergabe: Marlene Vögtli erhält die Medaille vom britischen Botschafter James Squire. Foto: Fabia Maieroni
Feierliche Übergabe: Marlene Vögtli erhält die Medaille vom britischen Botschafter James Squire. Foto: Fabia Maieroni

«Wer würde eine so grosse Ehre ablehnen?», fragt Marlene Vögtli rhetorisch und strahlt. Gerade hat sie die «British Empire Medal» vom britischen Botschafter James Squire in seiner Residenz in Bern entgegengenommen. «Ihr Beitrag für das Vereinigte Königreich ist sowohl herausragend als auch von bemerkenswerter Beständigkeit», sagt Squire. Die Medaille wird für zivile oder militärische Leistungen vergeben – Vögtli erhält sie für «ihr Engagement für britische Staatsangehörige in besonders herausfordernden und schwierigen Situationen». Während mehr als 50 Jahren hat sich die Hoblerin für Überlebende sowie Angehörige des Flugzeugabsturzes von 1973 gekümmert. Das bisher schwerste Flugzeugunglück in der Geschichte der Schweiz ereignete sich in Hochwald – eine Maschine aus dem englischen Bristol, die auf dem Weg nach Basel war, stürzte in der Solothurner Gemeinde ab. 108 Menschen starben, 37 überlebten. 55 Kinder verloren bei diesem Unglück ihre Mutter.

Der Kontakt nach England brach über Jahrzehnte nie ab

Dabei war Marlene Vögtli gar nicht in Hochwald, als sich das Unglück ereignete; sie weilte am anderen Ende der Welt in Australien. Ihr Zwillingsbruder Willi war einer der ersten Helfer vor Ort. «Er war Sanitäter der Feuerwehr und lernte zu Hause für sein medizinisches Staatsexamen, als die Maschine abstürzte. Er leistete Erste Hilfe», sagt Vögtli.

1974 kehrte sie zurück nach Hochwald. Am ersten Jahrestag des Unglücks holte sie der damalige Gemeindepräsident persönlich aus dem Geschäft, erinnert sie sich: «Sie brauchten eine Übersetzerin. Damals hatte Hochwald etwa 500 Einwohnende und ich war die Einzige, die Englisch sprach», sagt sie schmunzelnd.

Doch dabei blieb es nicht. Vögtli pflegte über Jahre den Kontakt weiter zu den betroffenen Familien in Grossbritannien. Ende der 70er-Jahre organisierte sie etwa eine Austauschwoche zwischen Schülern aus Hochwald und England mit. Bei einigen Reisen und Besuchen in der Schweiz unterstützte und begleitete sie die Briten. 1981 wurde sie Gemeindepräsidentin und organisierte auch noch nach ihrem Rücktritt die Gedenkfeiern, pflegte das Denkmal und hielt weiterhin Kontakt mit den Angehörigen. «Ich sah es immer als unsere Aufgabe, die Engländer zu empfangen.»

Der Kontakt nach Grossbritannien brach über die Jahrzehnte nie ab: «Ich spaziere regelmässig am Denkmal vorbei und schicke ihnen ein Foto. Sie freuen sich immer sehr darüber.»

«Man ist einfach für die Menschen da, wenn sie einen brauchen»

Es ist dieser bescheidene «Geist der Freundschaft», der Botschafter James Squire beeindruckt hatte, als er vor zwei Jahren an der 50-Jahr-Gedenkfeier in Hochwald teilnahm. Er sei sehr bewegt gewesen, mit welchem Engagement sich Hochwald um die Briten kümmerte. «Die Person, die alle immer wieder erwähnten, war Marlene.» Deshalb startet der Botschafter den Prozess, der in der Verleihung der Medaille am Dienstag gipfelte.

«Marlene ist eine Frau der Tat. Sie versucht stets, einen Unterschied zu machen. In einer Welt, in der wir mit so vielen schwierigen Situationen konfrontiert sind, ist sie ein wunderbares Beispiel für jemanden, der Menschen zusammenbringt», sagt der Botschafter zum Wochenblatt. Marlene Vögtli freut sich über die Anerkennung. Doch die Bescheidenheit bleibt auch mit Medaille: «Diese Menschen sind in Hochwald verunglückt. Man ist einfach für sie da, wenn sie einen brauchen.»

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