Auf der Suche nach den Kultfiguren

Seit 26 Jahren befinden sich in den Dreikönigskuchen der Bäckerei Kübler Fasnachtsfiguren aus Porzellan. An der Tauschbörse in Aesch ging es emsig zu und her – die Kritik an den diesjährigen Figuren können die Sammlerinnen und Sammler nicht verstehen.

Generationen vereint: Andrin aus Reinach (links) und Kari aus Pfeffingen teilen die Leidenschaft für die Fasnachtsfigürchen. Foto: Tobias Gfeller
Generationen vereint: Andrin aus Reinach (links) und Kari aus Pfeffingen teilen die Leidenschaft für die Fasnachtsfigürchen. Foto: Tobias Gfeller

Eine alte Tante gehöre zu den seltenen und deshalb begehrtesten Figuren, heisst es an der Tauschbörse in der Kübler-Filiale Vivo in Aesch mehrfach. Besonders gefragt sind Figuren von alten Serien. Dass die Bäckerei Kübler an diesem Samstag in der Filiale Vivo in Aesch Figuren der ersten Serie aus dem Jahr 2000 versteigert, macht die seit Jahren gut besuchte Tauschbörse für die Sammlerinnen und Sammler heuer besonders interessant.

Die Begeisterung für die Fasnachtsfiguren in den Dreikönigskuchen der Bäckerei Kübler trifft in der Region Basel alle Generationen. An der Tauschbörse verhandeln Primarschüler mit Senioren, langjährige Sammler mit solchen, die erst gerade damit angefangen haben. Man ist unter sich zumeist per Du. Zu den bekanntesten unter ihnen gehört Dominik aus Allschwil. Als er im Jahr 2000 in einem Dreikönigskuchen eine Waggisfigur entdeckte, hat es ihm den Ärmel reingezogen. «Ich mache selber aktiv Fasnacht. Ich finde die Figuren einfach wunderschön.» Als Erster habe er einen Katalog für die Fasnachtsfiguren erstellt, berichtet Dominik nicht ohne Stolz.

Tauschen oder bezahlen

An der Tauschbörse zeigt sich der erfahrene Sammler grosszügig. Wenn jemand bei seinen «Doppelten» eine Figur entdeckt, die sie oder er selber noch nicht hat, tauscht Dominik auch mal gegen eine Figur, die er schon besitzt. Obwohl viele der Sammlerinnen und Sammler mit grossem Engagement bei der Sache sind, ist der Umgangston an der Tauschbörse stets freundlich. Es wird nicht nur getauscht, sondern auch bezahlt. Gerade im Internet gehen die Preise für die Fasnachtsfiguren teilweise in den zwei- und dreistelligen Bereich.

Stefan Hügli und Sohn Andrin aus Reinach haben die Sammlung bis auf eine Sonderfigur aus Gold komplett. Trotzdem nehmen sie an der Tauschbörse teil, damit sie alle Figuren zumindest doppelt haben. Die Börse begann für sie erfolgreich. «Wir konnten eine Figur, die wir sechsmal doppelt haben, tauschen», berichtet Andrin zufrieden. Der Bub geht von Tisch zu Tisch und fragt bei den Erwachsenen nach ihren Figuren nach. «Ich habe die Begeisterung für die Fasnachtsfiguren vom Vater mitbekommen», erzählt Andrin. Stefan Hügli hat 2006 mit dem Sammeln begonnen. «Als aktiver Fasnächtler bin ich fasziniert ab den Figuren.» Man spüre bei der Bäckerei Kübler viel Herzblut dafür. Bei den Hüglis ist die ganze Familie im Sammelfieber. Die Sammlung sei dank Verwandten, Freunden und Bekannten laufend gewachsen.

«Die Fasnachtsfiguren sind Kult»

Kari aus Pfeffingen ist mit seiner Frau mit einer ganzen Palette an Fasnachtsfiguren an die Tauschbörse gekommen. Als er am 6. Januar gegen 6 Uhr morgens bei der Kübler-Filiale Aesch Dorf ankam, war die Schlange für die Dreikönigskuchen bereits 300 Meter lang, erinnert sich Kari. Auch bei der neuen Filiale Vivo standen rund 50 Personen an. «Die Fasnachtsfiguren sind Kult», findet der Sammler aus Pfeffingen. Tauschkollegin Rita geht es ähnlich. «Wir haben gleich zehn Kuchen gekauft, die wir dann verteilt haben. Die Figuren daraus haben wir zurückerhalten. Die Fasnachtsfiguren der Bäckerei Kübler heben sich von anderen ab», erklärt sie. Auch die Kuchen seien lecker. In diesem Jahr ehrte die Bäckerei mit Figuren den Schnitzelbangg «Doggter FMH» und die Guggen «Sonate-Schlyffer» und «Basler Amazonen». Letztere gaben an der Tauschbörse ein kurzes Ständchen. Vereinspräsidentin Nadine sprach von einer «grossen Ehre», eine der Fasnachtsfiguren zu sein. Die Frauen-Gugge feiert heuer ihr 20-jähriges Bestehen. Die Amazonen bestellten bei Kübler kurzerhand zehn Dreikönigskuchen und machten einen Neujahrsevent daraus. Mittlerweile hätten alle 36 Mitglieder eine Figur zu Hause. «Natürlich schön aufgestellt», verraten Nadine, Viviane, Géraldine und Claudia nach dem Ständchen.

Teils heftige Kritik an den diesjährigen Figuren

«Die ‹Basler Amazonen› empfinden einen grossen Stolz, nun Teil dieser Fasnachtstradition zu sein», sagt Claudia. «Die Kuchen und Figuren haben Kultstatus.» Von der vor allem in den sozialen Medien aufgekommenen Kritik am Aussehen der diesjährigen Figuren lassen sich die Geehrten und die Sammlerinnen und Sammler die Freude nicht nehmen. Die Kritik sei völlig übertrieben, meinten mehrere Personen an der Tauschbörse. «Mal gefällt einem eine Figur, mal weniger», findet der erfahrene Sammler Dominik. Einzelne Sammlerinnen und Sammler gaben zu, dass ihnen die Figuren in diesem Jahr weniger gefallen. Mit dem Standard der früheren Figuren können sie nicht mithalten. Dies sei aber kein Grund, derart heftig zu reagieren, wie es einzelne Sammlerinnen und Sammler im Internet getan hätten. An der Tauschbörse dominierte die Freude an den kultigen Fasnachtsfiguren.

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