A18-Zubringer: Kantone wollen von Variante Mitte «Abstand nehmen»

Variante Nord ist die favorisierte Lösung – zu diesem Schluss kommt eine Studie, die vom Verein Birsstadt in Auftrag gegeben wurde. Solothurn und Baselland wollen den Korridor Mitte deshalb aus der Planung streichen.

Wo soll der Autobahnzubringer die Birs queren? Noch vor wenigen Wochen war der Aescher Landrat Rolf Blatter (FDP) überzeugt, «dass nur der Korridor Mitte machbar ist» («Wochenblatt» vom 21.9.21). Die Regierungen der Kantone Solothurn und Basel-Landschaft sehen das anders. Die Variante Mitte, bei welcher die Birs auf Höhe der Metalli und am breitesten Stück der Birs-Auenlandschaft gequert werden soll, ist für die beiden Kantone «wegen veränderter Rahmenbedingungen und damit verbundener Risiken nicht mehr realistisch», wie die Regierungen den Gemeinden Aesch und Dornach in einem Schreiben, das dem «Wochenblatt» vorliegt, mitteilten. Grund für diese neue Einschätzung ist ein vom Verein Birsstadt in Auftrag gegebener Zusatzbericht, der die Bedeutung des A18-Zubringers für die Region und insbesondere für Dornach und Aesch untersuchte. Analysiert wurden unter anderem die Birsquerungsvarianten Nord, Mitte und Süd. Auch die Frage, ob eine Birsbrücke per se überhaupt notwendig ist und welchen Mehrwert sie regional und lokal bringt, wurde untersucht.

Kein Zubringer auch eine Option?

Der 89 Seiten umfassende Bericht des Raumplanungsbüros Kontextplan kommt zum Schluss, dass eine Birsbrücke aus regionaler Sicht nicht zwingend notwendig ist – allerdings nur dann nicht, wenn Alternativen zum motorisierten Individualverkehr geschaffen würden. Ein Ausbau der ÖV-Verbindungen sowie der Fuss- und Velowege wäre unabdingbar. Der Bericht relativiert jedoch: «Sollte sich aber zeigen, dass dieses Potenzial nicht genügt [...] ist zwingend eine Rückfallebene im Sinne einer neuen Birsquerung zu realisieren, um langfristig die Nutzbarkeit der Bruggstrasse (insb. als ÖV-Achse) zu gewährleisten.» Die Studie kommt in diesem Zusammenhang auch zum Schluss, dass die Variante Nord die favorisierte Lösung darstellt, da sie die notwendige Nutzbarkeit der Bruggstrasse und die «Erschliessung mehrerer Entwicklungsgebiete sicherstellt».

Gemeinden sollen Stellung nehmen

Dass statt der Mitte-Variante nun die Variante Nord bevorzugt wird, hat seine Gründe offenbar in der veränderten Ausgangslage: Ursprünglich gingen die Planungen von einer industriellen Nutzung des Widen-Areals aus. Da diese voraussichtlich ab 2025 jedoch eingestellt wird und das Areal zu einem gemischt genutzten Wohn- und Arbeitsquartier transformiert werden soll (siehe Artikel unten), hat sich das Projekt verändert. Der Uferbereich der Birs ist eine wichtige Naherholungszone. Das Schreiben der Regierungen hält fest, dass der starke Eingriff in den Naturraum und die damit verbundenen «hohen Prozessrisiken» zum Ergebnis geführt hätten, die Birsquerungsvariante Nord anzustreben.

Bis Ende November sollen die Gemeinden Aesch und Dornach sowie der Verein Birsstadt nun ihre Stellungnahme zu den Ergebnissen des Zusatzberichts sowie zu den Ausführungen der Kantone abgeben können. Erst danach werden die Kantone definitiv über die Streichung des Korridors Mitte und die Aufnahme eines ­Korridors Nord entscheiden. Das entsprechende Richtplanverfahren zur Bereinigung der Linienführung soll anschliessend angestossen werden.

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