Region
15.06.2022

Chefinnen unter sich

Teilen ihre Erfahrungen: Die Gemeindepräsidentinnen Claudia Carruzzo (l., Bättwil), Eleonora Grimbichler (2.v.l., Gempen), Franziska Stadelmann (3.v.l., Muttenz) und Eveline Sprecher (r., Aesch) mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Foto: Fabia Maieroni

Teilen ihre Erfahrungen: Die Gemeindepräsidentinnen Claudia Carruzzo (l., Bättwil), Eleonora Grimbichler (2.v.l., Gempen), Franziska Stadelmann (3.v.l., Muttenz) und Eveline Sprecher (r., Aesch) mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Foto: Fabia Maieroni

Rund 160 Gemeinde- und Stadtpräsidentinnen sind der Einladung von ­Simonetta Sommaruga nach Bern gefolgt. Das Wochenblatt hat eine Delegation aus dem Birs­eck und dem Schwarz­bubenland begleitet.

Von: Fabia Maieroni

«Endlich!», rief Bundesrätin Simonetta Sommaruga zu Beginn ihrer Rede. «Endlich darf ich Sie zum nationalen Treffen der Gemeindepräsidentinnen begrüssen.» Bereits 2020 hatte die Bundesrätin die Ge­meindepräsidentinnen aus der ganzen Schweiz anlässlich des Internationalen Weltfrauentags nach Bern eingeladen. Dieses Treffen musste aus bekannten Gründen jedoch mehrfach verschoben werden. Am Samstag konnte es nun nachgeholt werden. Sommaruga zeigte sich «überwältigt» und «zutiefst berührt», dass so viele gekommen waren. Der Anlass sei eine Möglichkeit, sich mit anderen Amtsträgerinnen auszutauschen und zu vernetzen. Denn eines hätten die Anwesenden alle gemeinsam, so die Bundesrätin: «Sie sind die Chefinnen! Sie haben die Macht, aber eben auch die Verantwortung.»

Keine Frauenquote, dafür gezielte Förderung

Auf dem Podium diskutierten vier Frauen aus kleinen und grossen Gemeinden und allen Landesteilen über ihre Aufgaben und Erfahrungen. Auch Sommaruga beteiligte sich am Gespräch – die Vorsteherin des Eid­genössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) sass von 1997 bis 2005 im Gemeinderat von Köniz. Diese Zeit sei die lehrreichste ihrer gesamten politischen Karriere gewesen, so die Bundesrätin.

Nur 16 Prozent der knapp 2150 Gemeinden in der Schweiz werden von Frauen präsidiert. Gemäss einer Erhebung des Gemeindeverbands aus dem Jahr 2020 sitzt in rund 350 Schweizer Gemeinden eine Frau an der Spitze. Sommaruga fragte in die Runde: «Wie sähe die Schweiz aus, wenn 84 Prozent der Gemeinden von Frauen präsidiert würden?» Der Saal ­applaudierte. Allerdings waren sich die meisten Teilnehmerinnen am Ende der Veranstaltung einig: Eine Gemeindeexekutive, die nur aus Frauen besteht, das wolle man nicht. Vielmehr müsse eine ausgewogene Mischung, sowohl bezüglich Geschlecht als auch bezüglich Alter und Herkunft erreicht werden. ­Einigkeit herrschte unter den Gemeindepräsidentinnen aus der Wochenblatt-Region auch beim Thema Frauenquote: Diese sei nicht nötig, viel wichtiger sei es, junge Frauen früh zu fördern und ihnen die Politik näherzubringen. «Ich habe mich immer schon in der Männerwelt behauptet, für mich war das ganz normal. Vielleicht liegt es daran, wie ich aufgewachsen bin. Es war bei uns selbstverständlich, dass Frauen sich ein­bringen», erzählt die Aescher Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher. Grösstenteils herrschte der Konsens, dass die erfolgreiche Arbeit in der Exekutive nur möglich sei, wenn wirklich alle zusammenarbeiten. Was nach einem abgedroschenen Satz klingt, sei in der Umsetzung jedoch nicht immer einfach.

Der Vernetzungsanlass in Bern kam bei der Delegation aus dem Birseck und dem Schwarzbubenland gut an. «Es war eine bereichernde Erfahrung», sagt Eleonora Grimbichler, Gemeindepräsidentin von Gempen. «Es braucht diese Vernetzung. Der Anlass hat mich bestärkt, an meinem Weg festzuhalten.»

Die Basis der Schweiz

Bundesrätin Simonetta Sommaruga zeigte an jenem Samstag, dass ihr der persönliche Kontakt zu den Gemeindechefinnen wichtig ist. Geduldig posierte sie mit ihnen für die Fotografinnen, immer mit einem warmen Lächeln und stets bereit zu einem freundlichen Gespräch. Was in Städten und Gemeinden gut gedeihe, wirke sich auf das ganze Land aus, denn sie seien die Basis der Schweiz, ist Sommaruga überzeugt. «Umso wichtiger ist es, dass auch dort Frauen aktiv mitgestalten.»