Lizenz zum «Klauen»

Die Dornacher Künstlerin Dawn Nilo hat für die Museumsnacht das ­Projekt «Art for People» ins Leben gerufen: Wer Kunst von ihr findet, darf sie behalten.

«In jedem von uns steckt ein Narr»: Dieses Bild von Dawn Nilo in der Rolle des «Fools» wird in den Trams zu sehen sein – und darf eingepackt werden. Foto: Dawn Nilo/zVg
«In jedem von uns steckt ein Narr»: Dieses Bild von Dawn Nilo in der Rolle des «Fools» wird in den Trams zu sehen sein – und darf eingepackt werden. Foto: Dawn Nilo/zVg

Sie hängen zwischen dem 16. und 22. Januar in den Trams der Region und sollen mitgenommen werden – Poster mit Drucken von Dawn Nilo. Wer eines findet, darf es behalten und zu Hause ausstellen. Die Künstlerin erteilt damit quasi die «Erlaubnis zum Klauen» ihrer Kunst.

Die Idee zum Projekt «Art for People» hatte die Dornacher Performance- und Konzeptkünstlerin Dawn Nilo schon länger. Eine Aktion auf den digitalen Werbeanzeigen in den öffentlichen Verkehrsmitteln hat sie dann dazu bewegt, das Projekt innert kurzer Zeit auf die Beine zu stellen.

Die zwei verschiedenen Bilder, auf denen Nilo selbst in der Rolle des «Narren» zu sehen ist, wurden je 100-mal gedruckt und von ihr persönlich nummeriert und signiert. Die Aktion stehe in keinem Zusammenhang mit der Museumsnacht, jedoch nutze sie die Gunst der Stunde, um möglichst viele Kunstbegeisterte anzusprechen, so Nilo.

Plötzlich steht die Figur da

Nebst den Plakaten hat die Künstlerin am 20. Januar auch zwei je 10 Sekunden dauernde Clips auf den digitalen Werbeanzeigen gebucht, die ähnlich wie bei einer Slide-Show verschiedene Bilder in kurzen Abständen zeigen. «Man kann bei den Spots fast nichts erkennen.» Die Videos seien wie Wimmelbücher: «Wenn man sie mehrmals anschaut, kann man auch mehr erkennen. Einige Orte auf den Fotos sind bekannt, andere kennt man in Basel nicht», erklärt Nilo.

Die Künstlerin wird während der Museumsnacht unterwegs sein und spontan performen. Sie wird dabei ihr Narrenkostüm und die rote Nase tragen. Ihr Auftritt richtet sich insbesondere auch an Kinder. «Ich will ein lebendiges Bild sein. Vielleicht haben die Kinder meine Bilder oder Videos im Tram gesehen und plötzlich steht die echte Figur vor ihnen. Ich werde aber niemanden ansprechen», sagt sie.

Die Figur des Narrs, oder des «Fools», wie sie präzisiert, begleitet Nilo schon länger. Für sie verkörpert die Rolle des Narrs die Freiheit. «Der Narr ist eine ikonische Figur. Die meisten denken beim Wort Narr an die Vergangenheit und die Tätigkeit von Hofnarren», sagt sie. «Narren waren oft lustig und absurd und sie konnten die Wahrheit aussprechen.» Und sie ist sich sicher: «In jedem von uns steckt zum Teil ein Narr.» Deswegen ist es ihr auch wichtig, dass der Narr als Mensch ohne Geschlecht, Nationalität oder Religion dargestellt wird.

Werbung verkauft «nichts»

Mit dem Projekt spielt Nilo mit den Begriffen «Kunst» und «Werbung» – denn mit den Werbeplakaten verkauft sie «nichts». Obwohl die Drucke kostenlos mit nach Hause genommen werden dürfen, könnte sich ihr Wert durch die Aktion tatsächlich steigern. Denn so werde es interessant für Konzeptsammler: «Gibt es zu einem Konzept eine gute Geschichte, erhöht sich der Wert der Kunst», erklärt sie. Wer kein Poster entdeckt, kann die Kunst von Dawn Nilo noch bis zum 22. Januar in der Kunsthalle Basel erleben. Neben Werken von über 50 Künstlerinnen und Künstlern hat sie im Rahmen der «Regionalen 23» ein Kunstwerk ausgestellt. Die Ausstellung «We are so many here» in der Kunsthalle Basel ist auch in der Museumsnacht am 20. Januar geöffnet.

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