Fit werden fürs Berufsleben

Mit der Teilnahme am Jugendprojekt LIFT wollen die Sekundarschulen Reinach und Münchenstein-Arlesheim ihren Schülern den Übergang ins Berufsleben erleichtern.

Erste Erfahrungen im Berufsleben sammeln: Jannik Schneider mit Eleftherios Empreisoglou bei der Arbeit im Recyclingpark Jost.  Foto: Isabelle Hitz
Erste Erfahrungen im Berufsleben sammeln: Jannik Schneider mit Eleftherios Empreisoglou bei der Arbeit im Recyclingpark Jost. Foto: Isabelle Hitz

Isabelle Hitz

Jannik Schneider aus einer siebten Klasse der Sekundarschule Reinach arbeitet seit März jeden Mittwochnachmittag im Recyclingpark von Jost AG in Reinach. Er kennt sich bestens aus auf dem Gelände, weiss genau, was in welche Mulde gehört und hilft mit seinem Team den Kunden beim Ausladen und Entsorgen. Die Arbeit während seiner Freizeit macht ihm Spass, betont der 14-Jährige. «Ich kann viel Neues entdecken und mehr über das Recycling erfahren. Schon nach wenigen Einsätzen fand ich mich gut zurecht in meiner Arbeit. Ich fühle mich wohl und wenn nötig, wird mir auch geholfen», erzählt er.

Jannik ist einer von fünf Jugendlichen aus Reinach, die zu Beginn dieses Jahres als dritte Jahrgangsgruppe mit dem Jugendprojekt LIFT begonnen haben. Die Teilnahme am Projekt ist freiwillig, wer sich aber einmal angemeldet hat, ist vertraglich verpflichtet, dabeizubleiben. «Dann geht es ums Durchhalten», betont Thomas Wenger, Lehrer an der Sek Reinach und verantwortlich für die Wochenarbeitsplätze.

Frühzeitige Integration in die Arbeitswelt
LIFT ist ein Integrations- und Präventionsprogramm, das Jugendlichen den Übergang von der Volksschule in die Berufsbildung erleichtern soll. Kernelement sind die Wochenarbeitsplätze während der schulfreien Zeit. Das Projekt will die Sozial- und Selbstkompetenz stärken, die Berufswahlbereitschaft fördern und die Jugendlichen frühzeitig für die Arbeitswelt sensibilisieren. Erfolgserlebnisse bei der praktischen Arbeit sollen den Selbstwert stärken. Ziel von LIFT ist es, allen Jugendlichen eine direkte Anschlusslösung nach der Schulzeit zu ermöglichen und Lehrabbrüche, Jugendarbeitslosigkeit und Sozialhilfeabhängigkeit zu vermeiden. Die Kosten für LIFT werden von den Schulen selber getragen. Für den Stundenlohn des Schülers am Wochenarbeitsplatz von 5 bis 8 Franken kommt das Unternehmen auf.
Neben den Arbeitseinsätzen in unterschiedlichen Betrieben trägt auch der wöchentlich stattfindende Modulkurs dazu bei, die Jugendlichen fit für die Wirtschaft zu machen. An der Sekundarschule Reinach wurden Jannik und seine Mitschüler ab Januar von Schulsozialarbeiterin Sonja Stuber und Thomas Wenger auf ihre Arbeitseinsätze vorbereitet: «Wir schauten uns unter anderem an, wie man einen Arbeitsplatz kontaktiert und wie man sich vorstellt», erklärt Stuber.

In den Modulkursen gibt es auch genügend Raum, eventuell auftretende Probleme am Arbeitsplatz zu besprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wie Wenger betont, habe sich LIFT als Riesenerfolg erwiesen. Von den zwölf Schülern, die sich vor zwei Jahren für LIFT angemeldet hatten, haben alle eine Anschlusslösung nach den Sommerferien. Zwei von ihnen schafften sogar die Aufnahmeprüfung in weiterführende Schulen. Auch Marc Weber, Geschäftsführer von Jost, ist begeistert von dem Projekt. Mit seiner Teilnahme an LIFT möchte er dazu beitragen, dass sich Jugendliche durch praktische Arbeit weiterentwickeln können. «Als Unternehmer sind wir schliesslich auch auf gute Fachkräfte angewiesen», so Weber.

Auch an der Sek Münchenstein-Arlesheim ein Erfolg
LIFT hat erst vor kurzem in der Nordwestschweiz Fuss gefasst: Neben der Sek Reinach und der Waldschule Pfeffingen bietet auch die Sekundarschule Münchenstein-Arlesheim seit drei Jahren ihren Schülern die Teilnahme an LIFT an. Wie Philipp Studer, Lehrer und Projektleiter an der Sek Münchenstein-Arlesheim, betont, hat man bis jetzt auch dort sehr gute Erfahrungen mit dem Projekt gemacht. Die Teilnahme an LIFT stehe nicht nur Schülern mit einer erschwerten Ausgangslage wie Migrationshintergrund, ungenügenden Schulleistungen oder wenig Selbstwertgefühl offen. Dadurch seien die Jahrgänge gut durchmischt und die Jugendlichen würden sich gegenseitig motivieren, so Studer.
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