125-Jahre-Jubiläum: Alles beginnt mit dem Strom für die Glühbirne

Mit dem Ziel der ­elek­trischen Beleuchtung des unteren Birstals ­wurde die Genossenschaft ­Elektra Birseck 1897 ­gegründet. Vor drei Jahren wurde das Traditionsunternehmen in Primeo Energie umbenannt.

1907: Die «Dampfzentrale» fällt besonders durch den hohen Kamin auf. Foto: Primeo Energie
1907: Die «Dampfzentrale» fällt besonders durch den hohen Kamin auf. Foto: Primeo Energie

Die Genossenschaft habe den Zweck, den Bewohnern des Birsecks elektrisches Licht und Kraft abzugeben. So umreisst der damalige SP-Landrat Stephan Gschwind den Statutenentwurf für die Gründung der Genossenschaft Elektra Birseck. Die eigentliche Idee, im unteren Birstal die elektrische Beleuchtung einzuführen, geht auf den Maschineningenieur Friedrich Eckinger zurück. Am 19. April 1897 schreiten die Gründungsmitglieder im Gasthof Löwen in Arlesheim zur Tat und heben die ­Genossenschaft aus der Taufe, wie aus der Festschrift zum 100-Jahr-Jubiläum hervorgeht.

Noch im gleichen Jahr erhält das Unternehmen die Konzession des Kantons Basel-Landschaft, um eine Leitung für elektrischen Strom im Bezirk Arlesheim zu bauen. In den Anfangsjahren verfügen die wenigsten Privathäuser über elektrisches Licht. Die grossen Abnehmer sind etwa Restaurants und Gewerbebetriebe. Auch erste Fabriken beziehen Strom, so etwa ein Schuhhersteller, eine Brauerei oder eine Ziegelei.

Eine ständige Aufgabe der Elektra Birs­eck ist die Suche nach Stromquellen. Schon zwei Jahre nach der Gründung pachtet die Genossenschaft ein Fabrikgelände in Münchenstein am St.-Alban-Teich. Mit der dortigen Dampfmaschine und dem Wasserkraftwerk lässt sich die verfügbare Strommenge verdoppeln. Zu diesem Zeitpunkt sind 3000 Glühlampen und 9 Elektromotoren am Netz. Grössere Gesuche von Kunden müssen wiederholt abgelehnt werden, weil nicht genügend Strom vorhanden ist.

Neben dem Kraftwerk Rheinfelden bezieht das Unternehmen bereits 1904 Strom aus dem Mittelland. Dazu ist die erste grosse Hochspannungsleitung über den Jura nötig, um den Strom vom Aarewerk Bannwil in der Nähe von ­Langenthal ins Baselbiet zu leiten. Zwei Jahre später folgt ein eigenes Kohlekraftwerk an der Weidenstrasse in Münchenstein, wo sich noch heute der Hauptsitz der Firma befindet.

Weltkriege belasten Elektra Birseck

Schon früh beginnt die Expansion ins benachbarte Elsass. Zwischen 1906 und 1914 werden zwölf Gemeinden ans Netz angeschlossen, darunter St. Louis, Burgfelden, Hégenheim oder Leymen. Stolz notiert die Festschrift, dass diese zwölf Gemeinden teils Jahrzehnte früher als ihre Nachbargemeinden an ein Stromnetz angeschlossen werden.

Die beiden Weltkriege belasten die Elektra Birseck wie die meisten Firmen stark. Dennoch verkauft die Genossenschaft am Ende der beiden Kriege mehr Strom als zu Beginn. Während des Ersten Weltkriegs werden vermehrt Glühbirnen eingesetzt, da es an Öl und Gas mangelte. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs werden Neubauten der Chemiefirma Geigy, die Hafenanlagen in Birsfelden und die Werke der Säurefabrik Schweizerhalle ans Netz der Elektra Birseck angeschlossen.

Die Boomjahre nach dem Zweiten Weltkrieg gehen mit einem grossen Strombedarf einher. Damit beginnt die grosse Zeit des Kraftwerkbaus in den Alpen. Die in den Jahren 1940 bis 1958 neu erstellten Kraftwerke erzeugen genau gleich viel Strom wie alle Werke, die vor 1940 entstanden sind. Neben den Projekten im Alpenraum kommt in der Region 1954 das Rheinkraftwerk Birsfelden dazu, an dem sich die Elektra Birseck beteiligt.

Frühe Förderung von erneuerbaren Energien

Über die Beteiligung an der Aare-Tessin AG für Elektrizität (Atel), heute bekannt als Alpiq, ist die Elektra Birseck mehrfach in Atomkraftprojekte involviert. Die damalige Atel beteiligt sich an den AKW Gösgen und Leibstadt. Atel ­gehört auch zu den Firmen, die ein AKW in Kaiseraugst bauen wollen. Nachdem der Bundesrat 1981 die Rahmenbewilligung erteilt, zieht das Parlament nach massiven Protesten sieben Jahre später den Stecker. Im Jahr 1979 beginnt die Genossenschaft als eines der ersten Unternehmen in der Schweiz mit der Förderung erneuerbarer Energien. Allerdings befinden sich 18 Jahre später nur 45 Fotovoltaikanlagen im Netzverbund. Vom gesamten Stromverbrauch decken die 45 Anlagen erst 0,02 Prozent.

Heute bezieht die Genossenschaft CO2-freien und auf erneuerbaren Energien basierenden Strom. Dazu gehört auch Atomstrom von Alpiq. Zudem hält die Genossenschaft wesentliche Anteile an der Firma Aventron. Letztere investiert ausschliesslich in Kleinwasser-, Wind- und Sonnenkraft. Seit 2019 tritt die Genossenschaft Elektra Birseck unter dem Namen Primeo Energie auf. Das Unternehmen beschäftigt 615 Mitarbeitende.

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