11er-Verlängerung ist erst ein Planspiel

Die mögliche Tramverlängerung macht ganz Aesch nervös – dabei wird sie noch gar nicht umgesetzt.

Der Plan klingt gut und wird auch von der Baselbieter Regierung als machbar, wirtschaftlich sinnvoll und – mit einem aktuellen Preisschild von 57 Millionen Franken – als bezahlbar betrachtet: Die Endstation des 11er-Trams der BLT in Aesch soll ­dereinst an den Bahnhof der ­Gemeinde verlegt und entsprechend die Tramlinie verlängert werden. Seit der Bericht der Regierung zu einem Vorstoss von SP-Landrat Jan Kirchmayr am 22. August publiziert wurde, ist die ­Nervosität in der Gemeinde allerdings gewachsen. «Ich habe sehr viele Rückmeldungen erhalten», sagt Landrat Jan Kirchmayr gegenüber der bz. Der Grund: Der ­Bericht der Regierung war so gut und detailliert ausgearbeitet, dass der Eindruck entstand, die Tramver­längerung werde baldmöglichst auch umgesetzt. «Dem ist nicht so», stellt Kirchmayr klar. «Wir haben jetzt erst einmal die Grundlagen vor­liegen, um das Projekt überhaupt mal in die Hände zu ­nehmen.»

Aesch arbeitet an mehreren Entwicklungsprojekten

Der Hintergrund ist, dass die Wachstumsgemeinde Aesch ­ohnehin einige planerische Massnahmen am Laufen hat. Zum einen wird der Zonenplan überprüft, gleichzeitig wird an der ­Birsraum-Planung mit einer Querung über die Birs nach Dornach gearbeitet, und zum anderen wurde erst vor wenigen ­Wochen der Vollanschluss Aesch an die A18 eröffnet. Entsprechend ist eine konkrete ­Klärung der Ausgangslage zur Verbesserung der ÖV-Situation vor allem planerischer Natur.

Dass die Regierung so gründlich berichten konnte, liegt auch daran, dass sich die ­Verlängerung der Tramlinie 11 von Aesch Dorf bis Aesch Bahnhof im so­genannten Projektspeicher der Tramnetzstudie 2040 befindet. Dazu schrieb die Regierung bereits: «Das heisst, das Infrastruktur­element wurde geprüft und für vertiefungswürdig eingeschätzt, beispielsweise in einem Horizont nach 2040 oder bei sich ändernden Rahmenbedingungen.» Umgesetzt wird also vorderhand einmal gar nichts. Das kommt auch Jan Kirchmayr entgegen: «Stand heute ist es ohnehin nicht realistisch, dass eine Tramverlängerung umgesetzt wird, das wäre auch nicht ­opportun. Dafür ­haben wir ­immer noch zu viel Verkehr im Dorf. Dies zu ändern hat nun oberste Priorität.» Entsprechend werde er sich im Moment auch nicht ­politisch ­intensiver für die Umsetzung der Tram­verlängerung einsetzen. «Es braucht zuerst bessere Rahmenbedingungen.» Gut sei aber, dass die ­Gemeinde nun über diese gründliche ­Vorarbeit der ­Planer verfügt.

Gute Grundlagenarbeit

Dem stimmt auch die ­Aescher Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher (SP) zu: «Wir sind sehr froh über die profes­sionellen Abklärungen und die positi-ven ­Resultate in den ­beiden Studien zur Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit einer möglichen Tramverlängerung an den Bahnhof Aesch.» Damit be­stehe nun zum ersten Mal ­Klarheit über diese oft diskutierten Punkte. Schliesslich bekomme die Gemeinde auch immer wieder «Rückmeldungen und Wünsche zum Mobilitätsangebot in Aesch».

«Dazu gehören die Tram­linie 11 und vor allem auch die Gestaltung des Dorfplatzes bei der Tramwendeschlaufe. Die Machbarkeit – auch unter Berücksichtigung aller anderen Verkehrsteilnehmenden – und Wirtschaftlichkeit ist mit diesen beiden Studien klar ­gegeben», sagt Eveline Sprecher. Nun gelte es für Aesch, diese Möglich­keiten für die zukünftige Entwicklung gemeinsam mit dem Kanton und der Bevölkerung sorgfältig zu prüfen und die notwendigen Schritte an­zugehen.

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