Ein «Haus des Sports» für die Region?

In der Region Baselbesteht ein Bedürfnis nach einer mittelgrossen Publikumssporthalle. In Basel-Stadt passiert trotz politischer Aufforderung wenig. Nun wird dieBaselbieter Politik aktiv.

Hier soll die Publikumshalle entstehen: Roman Brunner (SP) vor dem Parkhaus neben der  St. Jakobshalle. Foto: Tobias Gfeller
Hier soll die Publikumshalle entstehen: Roman Brunner (SP) vor dem Parkhaus neben der St. Jakobshalle. Foto: Tobias Gfeller

Sm’Aesch Pfeffingen, die Birstal Starwings, der RTV Basel und Unihockey Basel Regio: In den beiden Basel gibt es neben dem grossen FC Basel vier weitere Vereine in Teamsportarten, die seit Jahren in den obersten Schweizer Ligen spielen. Ihre Infrastruktur für die Spiele ist aber alles andere als erstligawürdig: Sm’Aesch Pfeffingen spielt in der Mehrzweckhalle auf dem Löhrenacker in Aesch, die Birstal Starwings in der Sporthalle Birsfelden, der RTV Basel in der Sporthalle Rankhof in Basel und Unihockey Basel Regio in der Sporthalle Pfaffenholz auf französischem Boden. Mit grossem Aufwand verwandeln die vier Vereine ihre Heimstätten an den Spieltagen jeweils in Sportarenen.

Die Möglichkeiten dafür sind begrenzt. Der Wunsch nach einer festen Publikumssporthalle mit einer Kapazität von bis zu rund 4000 Zuschauerinnen und Zuschauern ist deshalb gross. Dies wurde vor drei Jahren im Rahmen des Sportanlagenkonzepts des Kantons Basel-Stadt bestätigt. Der Basler Grosse Rat überwies 2021 einen Vorstoss von Alex Ebi (LDP), mit dem der ehemalige Präsident des RTV Basel die Prüfung einer solchen Halle gefordert hatte. Der Auftrag an den Regierungsrat war eigentlich klar. Passiert ist seitdem trotzdem wenig. Erst gerade im Oktober bat der Regierungsrat um eine Fristverlängerung für die Beantwortung des Vorstosses. Selbst eine speziell dafür eingesetzte Findungskommission konnte bisher keine Resultate liefern.

Standortfrage als grosse Herausforderung

Was die baselstädtische Politik scheinbar nicht liefern kann, soll jetzt die Baselbieter Politik besorgen. Der Muttenzer SP-Landrat Roman Brunner wünscht sich eine Unterstützung von Seiten der Baselbieter Regierung und hat deshalb im Landrat ein Postulat eingereicht. Der Regierungsrat soll prüfen und berichten, wie er den Bedarf für eine solche Publikumssporthalle einschätzt, wo in stadtnahen Gemeinden eine solche Halle erstellt werden kann, wie eine entsprechende Verkehrserschliessung möglich ist und ob der Regierungsrat das St.-Jakob-Areal als geeignet dafür einschätzt. Roman Brunner will mit seinem Vorstoss der Thematik neuen Schub verleihen.

Für Brunner wäre der «Sport-Cluster» St. Jakob für eine Publikumssporthalle ideal. Als möglichen Standort nennt der SP-Landrat das bestehende Parkhaus neben der St. Jakobshalle inklusive des Rasenfelds westlich davon. Beide Parzellen liegen auf Münchensteiner Boden. «Bei jedem FCB-Match beweist das Areal, dass es auch bei grösserem Publikumsaufmarsch verkehrstechnisch funktioniert», sagt Brunner. Die durch den Abriss des Parkhauses verloren gehenden Parkfelder würde Brunner unterirdisch unter der neuen Halle ersetzen.

Parkhaus und Rasenfeldsind gut ausgelastet

Roman Brunner schwebt eine Vision mit einem «Haus des Sports» vor. Sportvereine und Sportverbände könnten in einem solchen Multisportkomplex ihre Geschäftsstellen einrichten. Je nach Grössenordnung denkt Brunner auch an zusätzliche Sporthallen und womöglich sogar an eine Indoor-Leichtathletikbahn. «Das sind natürlich nur Ideen. Im Zentrum steht für mich die Publikumssporthalle. Damit muss es endlich vorwärtsgehen.»

Beim von Brunner vorgeschlagenen Standort gibt es aber Fragezeichen: Das Rasenfeld Nummer 17 verfügt über eine Beleuchtung und wird entsprechend im Winter von mehreren Vereinen abends im Schichtbetrieb genutzt. «Die Auslastung ist hoch», betont Sandra Eichenberger, Leiterin Kommunikation des Erziehungsdepartements. Das Parkhaus ist gerade bei grösseren Events im St. Jakob-Park, in der St. Jakobshalle oder im Eisstadion «nahezu voll» ausgelastet, heisst es bei Eigentümerin Immobilien Basel-Stadt. Das Parkhaus bietet 1054 Parkplätze und sei für Basel «wichtig», unterstreicht Mediensprecherin Alena Kress. Ausserhalb von Grossanlässen ist das Parkhaus weniger stark frequentiert.

Professionelle Infrastruktur

Bei den angesprochenen Vereinen stösst Brunners Vorstoss auf viel Wohlwollen, weil das Bedürfnis nach einer solchen Halle gross ist. «Unsere Mehrzweckhalle stösst für unsere Veranstaltungen langsam aber sicher an ihre Grenzen. Mit enormem Engagement bauen wir jeweils mit ehrenamtlicher Power den ganzen Tag Tribünen auf, schleppen Tische aus dem Geräteraum, installieren eine Lichtshow oder gestalten den VIP-Bereich auf der Theaterbühne», erklärt Fabio Back, Geschäftsführer von Sm’Aesch Pfeffingen.

Eine Herausforderung sei, dass die Volleyballerinnen die Mehrzweckhalle Löhrenacker mit anderen Vereinen teilen müssen. «Dies sorgt für Terminkollisionen und auch Frust, wenn eine Veranstaltung nicht stattfinden kann. Eine neue Halle wäre deshalb für alle Vereine aus Sport und Kultur ein Mehrwert.» Sm’Aesch Pfeffingen würde sich über eine Sport-Eventhalle mit Tribünen, Sound-Anlage, LED-Banden und VIP-Loge freuen, betont Back. Das St. Jakob-Areal wäre dafür prädestiniert, findet der Geschäftsführer der NLA-Volleyballerinnen.

Für Patrick Mendelin, Spieler und Leiter Vereinsentwicklung bei Unihockey Basel Regio, sieht vor allem einen «massiven Mangel» an geeigneten Sporthallen mit hochwertigen Böden für den sensiblen Unihockeysport. Unihockey auf veralteter Infrastruktur, wie es sie in Basel gäbe, fühle sich an wie Fussball auf einem 20 Zentimeter hohen Rasen, beschreibt Mendelin. Der langjährige Nationalspieler nennt ähnliche Eckwerte für eine multifunktional nutzbare Publikumssporthalle wie Fabio Back. Das St. Jakob-Areal wäre dafür eine gute Option.

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