Zertifikatsgegner überzeugen Gymi- und FMS-Schüler nur mässig

An einer Podiumsdis­kussion im Gymnasium ­Münchenstein disku­tierten Politiker und Massnahmenkritiker über das Covid-Gesetz.

Podium zum Covid-Gesetz (v.l.): Florian Kapitza, Markus Häni, Lucio Sansano (Moderator), Saskia Schenker, Sarah Wyss. Foto: Tobias Gfeller
Podium zum Covid-Gesetz (v.l.): Florian Kapitza, Markus Häni, Lucio Sansano (Moderator), Saskia Schenker, Sarah Wyss. Foto: Tobias Gfeller

In der Schlussabstimmung votierte nur gerade ein Viertel der anwesenden Schülerinnen und Schüler in der vollen Aula des Gymnasiums Münchenstein gegen das Covid-Gesetz, über das die Schweizer Stimmbevölkerung am 28. November abstimmt. 75 Prozent sahen die vom Bundesparlament im vergangenen März beschlossenen Verschärfungen als nötig und sinnvoll. Abstimmen konnten die Schülerinnen und Schüler per Handy.

Vorangegangen war eine emotionale ­Debatte über die Notwendigkeit des Covid-Zertifikats, die Spaltung der Gesellschaft und volle oder eben doch nicht volle Spitäler.

Auf dem Podium diskutierten auf der Pro-Seite die Basler SP-Nationalrätin und Gesundheitspolitikerin Sarah Wyss und die Itinger FDP-Landrätin und Direktorin des Basler Arbeitgeberverbands, Saskia Schenker. Gegen das Covid-Zertifikat und allgemein gegen die Massnahmen des Bundesrats äusserten sich der ehemalige Gymnasiallehrer Markus Häni, Gründungs- und Vorstandsmitglied der Freunde der Verfassung und selbst ernannter «Massnahmenkritiker der ersten Stunde», und Zellbiologe und Unternehmer Florian Kapitza.

Als «Kantilehrer» an Corona-Demos

Die Fronten auf dem Podium unter der Moderation von Lucio Sansano, Vizepräsident des Jugendrats Baselland und FDP-Einwohnerrat in Reinach, waren von Beginn weg klar abgesteckt. Saskia Schenker unterstrich die Bedeutung des Covid-Gesetzes zur Wahrung der Rechtssicherheit, auf die vor allem Unternehmen angewiesen seien. Sarah Wyss erinnerte an die Belastung des Gesundheitspersonals. Schenker und Wyss machten klar, dass sie keine Fans des Zertifikats seien, mit diesem aber weitere Schliessungen verhindert werden könnten. Das Zertifikat würde «eine gewisse Normalität» zurückbringen, so Wyss, die klarmachte, dezidiert gegen eine mögliche 2G-Regelung einzustehen.

Markus Häni und Florian Kapitza liessen diese Argumente nicht gelten. Kritisierten sie zu Beginn vor allem das Zertifikat und dessen ihrer Meinung nach vorhandenes Spaltungspotenzial der Gesellschaft, so kritisierten sie im Verlaufe der Debatte grundsätzlich die Massnahmen des Bundesrats. Sie würden diese aufheben und auf Eigenverantwortung ­setzen. «Wer eine Maske tragen möchte, kann dies ja tun», bekräftigte Häni. Das vorliegende Covid-Gesetz diskriminiere einen Teil der Gesellschaft, wie es zuvor noch nie ein Gesetz in der Schweiz getan habe, schimpfte der ehemalige Gym­nasiallehrer, der als «Kantilehrer» von Beginn weg an Corona-Demonstrationen auftrat, Kinder zum Ablegen der Masken anregte und auch deshalb im vergangenen Februar von der Kantonsschule in Wohlen entlassen wurde. Häni und Kapitza suchten die Schuld des «angeblich» überlasteten Gesundheitssystems nicht beim Virus, sondern bei der schlechten Gesundheitsversorgung in der Schweiz.

Ein Raunen ging durch die Aula, als Markus Häni andeutete, dass gar keine Pandemie und auch kein Virus existieren würden und Covid-19 vergleichbar mit einer Grippe sei.

Grippevergleich sorgt für Kritik

Als Moderator Lucio Sansano die Diskussion öffnete und die Schülerinnen und Schüler im Plenum zu Wort kommen liess, mussten Markus Häni und Florian Kapitza viel Kritik einstecken. Mehrfach wurden sie gefragt, was denn ihre Alternativen zu den Massnahmen und insbesondere zum Zertifikat seien. «Eigen­verantwortung und gesunder Menschenverstand», lautete eine ihrer Antworten. Eine Schülerin warf den beiden vor, «wenig Ahnung» vom Gesundheitsberuf zu haben. Eine weitere Schülerin kritisierte die Aussage von Markus Häni, nur das Gesundheitssystem sei das Problem. «Nur weil die Probleme hausgemacht sind, kann man die Probleme nicht einfach ignorieren.» Es gab auch einen Aufruf eines Schülers, sich impfen zu lassen. Florian Kapitza meinte darauf, dass Wirkung und Nebenwirkungen der Impfung wissenschaftlich noch nicht klar seien. Keine Schülerin und auch kein Schüler stellte sich klar hinter die Covid-Gesetz-Gegner, obwohl am Ende 25 Prozent ihre Meinung vertraten.

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