Sorgen mit dem Lastenvelo abholen

Die Koordinationsstelle für das Alter Münchenstein feiert ihr 10‑jähriges Bestehen und war in den vergangenen zwei Wochen im Rahmen des Projekts «Mobile Altersarbeit» auf der Strasse anzutreffen.

Möchte Sichtbarkeit schaffen: Lisa Kaufmann, Leiterin Koordinationsstelle für das Alter, mit dem mobilen Büro in der Gartenstadt. Foto: Florin Bürgler
Möchte Sichtbarkeit schaffen: Lisa Kaufmann, Leiterin Koordinationsstelle für das Alter, mit dem mobilen Büro in der Gartenstadt. Foto: Florin Bürgler

Mit einem Lastenvelo oder Cargo Bike, wie ein Fahrrad mit Ladefläche genannt wird, verbindet man auf den ersten Blick wahrscheinlich Kurierdienste oder junge Familien, die ihre Kinder darin transportieren. Im Rahmen eines Projekts, das die Koordinationsstelle für das Alter (KFDA) Münchenstein gemeinsam mit den Gemeinden Birsfelden, Muttenz, Reinach sowie den Versorgungsregionen ABS und BPA Leimental mit der Gesundheitsförderung des Kantons Basel-Landschaft umgesetzt hat, fungiert das Lastenvelo aktuell aber originellerweise als mobiles Büro.

Lisa Kaufmann, Leiterin der KFDA Münchenstein, war damit in den letzten zwei Wochen bei der Gartenstadt, Zollweiden und in der Grün80 unterwegs, um auf Seniorinnen und Senioren zuzugehen und über das Angebot ihrer Fachstelle zu informieren. Mit dem Lastenvelo als Blickfänger und einem Vorrat an «Schoggihärzli» als Eisbrecher stellte sich Kaufmann so auch am vergangenen Donnerstagmorgen gleich nach Ladenöffnung bei der Gartenstadt hin. Das Ziel: «Wir möchten mehr Präsenz markieren und vor allem Sichtbarkeit schaffen. Das gilt für die Themen, die mit dem Älterwerden zusammenhängen, wie auch für die Fachstelle an sich», sagt Kaufmann mit einem Stapel Flyer in der Hand, die über die bevorstehen Anlässe und laufenden Projekte informieren.

Der Schritt aus dem Büro hinaus, um proaktiv auf die ältere Bevölkerung zuzugehen, sei aus verschiedenen Gründen wichtig, meint Kaufmann. Der Standort im Alters- und Pflegezentrum Stiftung Hofmatt mache die Anlaufstelle schon einigermassen niederschwellig, und trotzdem schwinge bei einigen Seniorinnen und Senioren der behördliche Charakter mit, der die Kontaktaufnahme erschwere. Dem möchte Kaufmann unter anderem mit der Lastenvelo-Aktion entgegenwirken. «Eine weitere Motivation ist, dass wir auch zugezogene und migrantische Seniorinnen und Senioren besser erreichen möchten, die unser Angebot vielleicht noch nicht kennen.»

Dazu käme die allgemeine Hürde, dass sich viele Ältere schwertäten, fremde Hilfe anzunehmen – nicht nur wegen der vermeintlichen Aufgabe der Selbstständigkeit, sondern auch, weil es ungewohnt sei, etwas anzunehmen, ohne eine Gegenleistung erbringen zu können. Und ganz grundsätzlich: «Niemand fühlt sich alt, damit ist auch nach wie vor ein Stigma verbunden. Das schafft eine Barriere, die man durchbrechen muss», sagt Kaufmann.

Auch Angehörige können sich melden

Die KFDA der Gemeinde Münchenstein ist die Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Alter und Älterwerden. Doch mit welchen Anliegen kommen die Leute aus der Bevölkerung häufig auf Kaufmann zu? «Der grösste Punkt ist sicher die Wohnsituation, aber auch bei der Organisation von Fahrdiensten und Einkaufshilfen können wir helfen und koordinieren.» Wichtig zu betonen sei, dass sich auch die Angehörigen von Hochbetagten bei ihr melden können, um Beratung und Unterstützung zu erhalten. Aber auch bei Herausforderungen im Bereich der Digitalisierung, bei administrativen Dingen oder bei der Vermittlung und Vernetzung werde Hilfe angeboten.

Münchenstein in der Vorreiterrolle

Gegründet wurde die KFDA Münchenstein im Jahr 2016 und somit zwei Jahre vor dem Inkrafttreten des kantonalen Altersbetreuungs- und Pflegegesetzes (APG), welches schrittweise die Umsetzung oder Delegation einer solchen Beratungsstelle vorschreibt. Damit könne man Münchenstein durchaus als Vorreiterin in diesem Bereich bezeichnen. Zu den seit Jahren beliebten Veranstaltungen, die von der Münchensteiner KFDA angeboten werden, gehören die sogenannten Dienstagsveranstaltungen, bei denen rund sechs- bis siebenmal pro Jahr jemand eingeladen wird, um bei einem Vortrag über ein für die ältere Bevölkerung relevantes Thema zu erzählen.

Weitere Informationen und Kontakt:

lisa.kaufmann@muenchenstein.ch /

061 411 57 78

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