Jetzt wird gebaggert: Nächsten Sommersoll der Gleispool auf dem Dreispitz-Areal fertig sein

Die Bauarbeiten für das längste Naturschwimmbad haben begonnen. Die Gleise werden rückgebaut, verschwinden aber nicht.

Hier wird kommendes Jahr gebadet: Die Eisenbahnrampe auf dem Dreispitz.Foto: Tobias Gfeller
Hier wird kommendes Jahr gebadet: Die Eisenbahnrampe auf dem Dreispitz.Foto: Tobias Gfeller

Scheinbar mühelos greift der Bagger das Gleis und zieht es rückwärts aus der Rampe. Zuvor haben Bauarbeiter in Handarbeit mit dem Schweissgerät und dem Pickel das Gleis Abschnitt für Abschnitt getrennt. Mit dem Rückbau der Gleise hinter dem Freilager-Platz verschwindet ein weiteres Stück Industriegeschichte auf dem Dreispitzareal. Nach 30 Jahren in Betrieb – ursprünglich waren dafür 100 Jahre vorgesehen – wird aus der Eisenbahnrampe das mit 170 Metern längste Naturbad der Schweiz.

Knapp zehn Monate nach der Präsentation der Idee lud die Christoph Merian Stiftung (CMS) am Montag zum symbolischen Baustart. Der Gleispool, wie die CMS die neue Badi nennt, soll im Sommer 2027 eröffnet werden. Nach der erfolgten Rückbaubewilligung wird die CMS in der kommenden Woche das Baugesuch auflegen.

Gleise werden wiederverwendet

Aus der Eisenbahnrampe werden rund 800 Meter Schiene mit einem Gesamtgewicht von rund 18 Tonnen und 105 Stahlschwellen mit einem Gesamtgewicht von rund 10 Tonnen entnommen. Die ausgebauten Bahnschienen bleiben Teil der Geschichte des Ortes: Sie werden entlang der Rampe als Träger des Holzstegs wiederverwendet.

Auf das Wiederverwenden von Material und Infrastruktur werde beim Bau des Gleispools grosser Wert gelegt, sagt Lukas Stadelmann, einer von zwei Architekten vom Büro Malheur&Fortuna, die die Idee für den Gleispool hatten. Gleise, Schwellen und Schrauben würden nicht einfach nur entsorgt.

Für Matthias Sigrist, Projektleiter vonseiten CMS, ist der Gleispool «ein Vorzeigeprojekt, wie man mit ausgedienter Infrastruktur umgehen kann». Sigrist erhofft sich vom Gleispool eine Signalwirkung an die öffentliche Hand und Private, die in Besitz von ausgedienter Infrastruktur sind.

Der CMS sei es nie darum gegangen, einfach eine Badi zu bauen, betonte Sigrist. «Meta-Themen» wie der Klimawandel, die Erhitzung der Städte, der soziale Austausch in der Gesellschaft, in der die Individualisierung zunimmt, und eben das Wiederverwenden von Material und Infrastruktur stünden für die Stiftung im Vordergrund. «Der Gleispool soll ein identitätsstiftender Ort werden, ein Motor und Innovator zur Entwicklung auf dem Dreispitz.» CMS-Direktor Baschi Dürr ist die Freude am ungewöhnlichen Schwimmbad-Projekt anzumerken. «Vieles auf dem Dreispitz ist noch abstrakt. Aber der Gleispool ist für die Menschen greifbar», sagt er.

4,8 Millionen kostet der Naturpool

4,8 Millionen Franken lässt sich die CMS als Grundeigentümerin das Projekt kosten. Drei Millionen Franken steuert die Frank und Alma Probst Stiftung bei, eine von 36 unselbstständigen Stiftungen unter dem Dach der CMS. Der Kanton Baselland trägt aus dem Swisslos Sportfonds 480 000 Franken bei. Der Gemeinderat Münchenstein hat für den Gleispool aus dem Mehrwertabgabefonds 250 000 Franken ins Budget 2027 eingestellt. Das Budget muss noch von der Gemeindeversammlung abgesegnet werden.

Münchenstein erhält mit dem Gleispool fast zum Nulltarif ein neues Schwimmbad auf eigenem Boden. «Ein grossartiges Projekt», schwärmte Gemeindepräsidentin Jeanne Locher (SP) beim Beobachten der Bauarbeiten. «Hier entsteht etwas Geniales, das für Münchenstein und das Quartier eine grosse Bereicherung darstellt.» Nun müsse es gelingen, dass auch die Nachbarschaft hinter dem Projekt steht. Ein gut besuchtes Gartenbad verursacht auch Lärm. Neben Freizeitgestaltung soll das Dreispitzareal der Zukunft auch mehr Wohnraum und Platz fürs Gewerbe bieten.

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