Eine ungewöhnliche «Charmeoffensive»
Die Halter AG als Entwicklerin des vanBaerle-Areals lanciert eine Informationskampagne und lädt die Bevölkerung zum Dialog ein. Der Gemeinderat wurde über das Vorgehen und mögliche neue Pläne nicht informiert.
Seit kurzem steht an der Tramstrasse am Rande des vanBaerle-Areals ein grüner Container, der Raum für Dialog über die Zukunft der Parzelle bieten soll. Auf mehreren Plakaten daneben wird in blumigen Worten und schönen Visualisierungen auf das Potenzial des 22000 Quadratmeter grossen Areals aufmerksam gemacht. Hinter der Dialogoffensive steht die Halter AG, die im Auftrag der Landeigentümerin, der Rietpark Immobilien AG aus Zürich, das Areal baulich entwickeln soll.
Auf den Plakaten sind Visualisierungen des durch die Münchensteiner Stimmbevölkerung 2021 abgelehnten Quartierplans zu sehen. Die Bilder sind exakt die gleichen, mit denen das neue Quartier damals der Öffentlichkeit schmackhaft gemacht werden sollte. Auch die Erklärungen auf den Plakaten handeln noch vom alten Quartierplan. «E Gwartier fir alli» heisst es auf dem einen Plakat. Schlagwörter wie «offen, verbunden, vernetzt» und «Alltag, Begegnung, Identität» sind zu lesen. Auch eine attraktiv gestaltete Website wurde aufgeschaltet.
Noch kein neuer Quartierplan
Die Halter AG verstehe den Dialogcontainer als Gesprächsangebot, erklärt Mediensprecherin Anna Domagala. «Wir möchten die Qualitäten und Potenziale des Areals sichtbar machen und den Dialog über seine zukünftige Entwicklung wieder aufnehmen. Uns interessiert dabei auch, welche Bedürfnisse und Erwartungen die Bevölkerung heute an das Areal hat.» Es liege zwar noch kein neuer Quartierplan vor, betont Domagala auf Anfrage, das «sorgfältig erarbeitete Projekt» solle aber die Grundlage für die weitere Entwicklung des Areals bilden. «Viele seiner Qualitäten überzeugen aus unserer Sicht nach wie vor.» Die Qualitäten des abgelehnten Quartierplans will die Halter AG bewahren, gezielt weiterentwickeln und dort anpassen, wo dies sinnvoll ist, schreibt die Mediensprecherin. Einen Zeitplan für einen neuen Quarterplan gebe es noch nicht.
Die Gemeinde Münchenstein wurde bisher von der Halter AG über die Informationsoffensive nicht informiert, geschweige denn in die Pläne involviert, sagt der für das Departement Raum und Umwelt verantwortliche Gemeinderat Daniel Altermatt (GLP). «Es scheint, als versuche es die Halter AG mit einer ‹Charmeoffensive›.» Mittlerweile sei ein Kontakt zustande gekommen, und der Gemeinderat habe die Zuständigen der Halter AG zum Gespräch eingeladen, räumt Altermatt ein. «Wir lassen uns überraschen, was auf uns zukommt.» Auf den Plakaten beim Dialogcontainer werde nur das alte Projekt «aufgewärmt», kritisiert Altermatt. Der Gemeinderat sei weiterhin daran interessiert, dass das Areal überbaut wird.
Wegen zehn Stimmen abgelehnt
Die geplante Überbauung des einstigen Industrieareals bewegte die Gemüter in Münchenstein. Unvergessen ist die Gemeindeversammlung vom 21. März 2021. Während vier Stunden wurde über den Quartierplan vanBaerle diskutiert. Zwischenzeitlich übernahm der Vertreter der Halter AG das Zepter auf dem Podium neben dem Gemeinderat. Am Ende stimmte eine deutliche Mehrheit der Versammlung dem Quartierplan zu.
Ein halbes Jahr später lehnte eine knappe Mehrheit (zehn Stimmen machten den Unterschied) nach dem erfolgreich ergriffenen Referendum den Quartierplan an der Urne ab. Geplant waren rund 400 Wohneinheiten für gegen 800 Personen. Dazu kamen in den Erdgeschossen der elf Baukörper Flächen für Ateliers, Kleingewerbe, Detailhandel und Gastronomie. Hauptkritikpunkt war die vorgesehene starke Verdichtung des Areals. Ob es der Halter AG mit dem ungewöhnlichen Vorgehen und dem scheinbar teilweise Festhalten am alten Quartierplan gelingt, die Münchensteiner Bevölkerung zu überzeugen, muss sich erst noch zeigen. Seit der Abstimmung ist ausser dem Rückbau der noch bestehenden Gebäude der Firma vanBaerle und dem Abtragen und Reinigen des durch Chemikalien verunreinigten Untergrunds auf dem Areal nichts passiert.
«Wir möchtendie Qualitäten und Potenziale des Areals sichtbar machen und den Dialog über seine zukünftige Entwicklung wiederaufnehmen.»






