Viel Kritik, aber noch mehr Zustimmung

Die Gemeindeversammlung Münchenstein stimmte der Überbauung vanBaerle mit überraschend grossem Mehr zu. Die Kritik an der starken Verdichtung verblasste.

Quartierplan ja – Passerelle nein: Die Gemeindeversammlung lehnte die geplante Verbindungsbrücke an der Fortsetzungs­sitzung von Dienstag ab. Visualisierung: ZVG
Quartierplan ja – Passerelle nein: Die Gemeindeversammlung lehnte die geplante Verbindungsbrücke an der Fortsetzungs­sitzung von Dienstag ab. Visualisierung: ZVG

Es war eine denkwürdige Gemeindeversammlung am Montagabend. Während vier Stunden wurde nur gerade über ein Traktandum diskutiert – den Quartierplan vanBaerle auf dem einstigen Industrieareal beim Bahnhof zwischen Bahn- und Tramgleis. 415 Wohnungen für 930 Personen sollen dort entstehen. Der höchste Baukörper wird knapp 50 Meter hoch. Die finale Abstimmung fiel mit 176 Ja- gegen 42 Nein-Stimmen überaus deutlich aus. Das war aufgrund der Debatte so nicht zu erwarten. Nicht eine Person aus dem Plenum äusserte sich vorbehaltlos positiv zum Projekt. Ein Referendum ist nicht ausgeschlossen.

Zu 36 Prozent soll das rund 22000 Quadratmeter grosse Areal – das entspricht der Fläche von drei Fussballfeldern – überbaut werden. Votantinnen und Votanten der Grünen und der SP war die Ausnützungsziffer von 2,26 viel zu hoch. «Das ist eine beispiellose Verdichtung», kritisierte Christof Flück von den Grünen. David Huggel (SP) warnte davor, dass die höchsten Baukörper die Sicht auf die Hangkante in Richtung alten Dorfkern versperren würden. Seine beiden Anträge, die maximale Höhe der Baukörper auf 36 Meter zu begrenzen oder das höchste Gebäude gleich ganz aus dem Quartierplan zu streichen, wurden abgelehnt. Ebenfalls abgelehnt – aber nur gerade mit 124 zu 110 Stimmen – wurde ein zwischenzeitlicher Rückweisungsantrag des ganzen Traktandums.

Gemeinderat Daniel Altermatt (GLP) verglich die Überbauung mit einem Vorstadtquartier von Basel, wo man ja gerne wohnen würde. Dem widersprach Sergio Viva (Grüne) vehement. «Wir sind hier nicht in Basel, wir sind in der ­Agglomeration von Basel.»

FDP kritisiert Sozialwohnungen

Dass sogar FDP-Sprecher Sven Mathis die hohe Verdichtung der Überbauung erwähnte, liess aufhorchen. Er störte sich aber viel mehr an der seiner ­Meinung nach zu geringen Wirtschaftlichkeit des Projekts. Mit den angedachten 22 Prozent Anteil an Sozialwohnungen, die rund 15 Prozent günstiger sein sollen als die aktuellen Marktmieten, ­werde Münchenstein nicht genügend Steuereinnahmen aus dem Quartier ­generieren. Im Rahmen einer Mehrwertabgabe erhält die Gemeinde ­Münchenstein von den Investoren In­frastrukturbeiträge in der Höhe von 6,2 Millionen Franken.

Die Debatte verlief teilweise chaotisch. Dass Silvan Bohnet als Vertreter des Generalplaners Halter AG auf dem Podium des Gemeinderats Platz nehmen konnte und mehr Auskunft gab als der zuständige Gemeinderat, war aussergewöhnlich. Bohnet nahm in der Debatte gefühlt die Rolle eines Gemeinderats ein, was in dieser Form speziell ist und viele der 268 Anwesenden im Kuspo – auch die Turnhalle unten war gut besetzt – erstaunt haben dürfte.

Passerelle verworfen

An der Fortsetzungssitzung am Dienstag, an der auch über das neue Sport- und Freizeitanlagenkonzept und die Spielplätze diskutiert wurde (siehe ­Artikel auf Seite 19 in dieser Zeitung), versenkte die Versammlung mit 91 zu 65 Stimmen die angedachte Passerelle von der neuen Überbauung aus über die Bahngleise und die Talstrasse ins Gewerbeareal gegenüber. Die Passerelle hätte eine attraktive Fussgängerverbindung auch in Richtung Birs schaffen sollen. Doch die Mehrheit sah darin keinen genügend grossen Nutzen für die Allgemeinheit. Vorwiegend das neue Wohnquartier hätte davon profitiert.

Dass noch nicht garantiert ist, dass sich der Bund am 3,5 Millionen teuren Bauprojekt tatsächlich finanziell beteiligt, dürfte die Skepsis zusätzlich verstärkt haben. Die Passerelle war auch ein expliziter Wunsch des Kantons. Die Gemeinde muss nun eine Alternative suchen, weil eine Querung der Bahngleise und der Talstrasse so im Strassennetzplan festgeschrieben wurde.

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