Verzögerung wegen Fehlplanung

In den kommenden Wochen sollten die alten Birsbrücken mit Hilfe eines Raupenkrans aus­gehoben werden. Da die nötige Bewilligung fehlt, verzögert sich das Bauvorhaben nun auf unbestimmte Zeit.

Aus umweltrechtlichen Gründen: Die alten Birsbrücken bleiben vorerst auf ihrem Platz. Foto: Mirjam Sinniger
Aus umweltrechtlichen Gründen: Die alten Birsbrücken bleiben vorerst auf ihrem Platz. Foto: Mirjam Sinniger

Die beiden Birsbrücken wenige hundert Meter nördlich des Bahnhofs Münchenstein sind in die Jahre gekommen. Die untere Brücke – in Fliessrichtung Birs gesehen – wurde 1892 erstellt, ein Jahr nach dem tragischen Einsturz ihrer Vorgängerin. Die obere Brücke wurde 17 Jahre später, im Jahr 1909, in Betrieb genommen. Die beiden Birsbrücken sollen nun durch zwei neue Stahlfachwerkbrücken ersetzt werden. Zudem erneuern die SBB im Rahmen des Projekts die Gleise. Geplant war, die Brücken mittels eines Krans auszuheben. Wie sich nun her­ausstellt, wurde mit den Vorbereitungen begonnen, bevor die Bewilligung des Kantons für das Bauvorhaben vorlag.

«Die SBB waren zu zuversichtlich»

Die neuen Elemente auf einem separaten Platz vorzufertigen und diese dann ­mittels eines Raupenkrans einzuheben, war nicht der ursprüngliche Plan der SBB. Zunächst war vorgesehen, die alten Stahlbrücken über der Birs abzubrechen und die neuen Brücken über der Birs herzustellen. Die SBB gingen davon aus, dass die Lösung mit Raupenkran effizienter und kostengünstiger würde. Die Planänderung machte aber auch ein neues Bewilligungsverfahren nötig. Inzwischen ist klar, dass die SBB die erforderliche Bewilligung vom Kanton allerdings nicht erhalten. Der schwere Kran hätte auf dem birsnahen Hauptinstallationsplatz mit Bohrpfählen abgestützt werden ­müssen. Das sei jedoch gemäss den Stellungnahmen der zuständigen Behörden aus umweltrechtlichen Gründen nicht möglich, «denn die Pfähle würden den Grundwasserfluss übermässig beeinträchtigen», heisst es in einer Mitteilung. «Die SBB waren – im Nachhinein gesehen – zu zuversichtlich, dass das Projektänderungsdossier bewilligt würde», räumt SBB-Mediensprecher Moritz Weisskopf auf Nachfrage ein. Um den straffen Zeitplan einhalten zu können, habe der bewilligte Teil der Arbeiten deshalb plangemäss Mitte August 2023 begonnen. Dieser Zeitplan sei eng mit den reser­vierten Gleissperren verknüpft, führt Weisskopf weiter aus.

Zeitplan ist noch ungewiss

Eben diese Gleissperren fallen nun grösstenteils weg: Von den ursprünglich geplanten vier Wochenendtotalsperrungen im September und im Oktober findet nur eine am Wochenende von 23. und 24. September statt. Dann ist die Strecke Basel–Münchenstein für den Zugverkehr von Samstag, 1 Uhr nachts, bis zum Betriebsbeginn am Montag vollständig gesperrt. Es verkehren Bahnersatzbusse. Die anderen drei geplanten Totalsperren würden hingegen nicht mehr benötigt.

Für die SBB bedeutet die fehlende Bewilligung, dass eine neue Projektvariante erarbeitet werden muss. Denn ein Rückgriff auf das erste bereits bewilligte Bauvorhaben ist laut den SBB nicht möglich: «Das ganze bestehende Bauprogramm ist auf das Ein- und Ausheben der Brücken mit einem schweren Baukran ausgerichtet. Das sind beispielsweise die diversen bis 2025 geplanten Gleissperren, die Logistik, die Maschinen, das Material, die Einsätze der Bauleute und vieles mehr», veranschaulicht Weisskopf. «Für ein an­deres Bauverfahren – sei es nun das alte Verfahren oder ein anderes – müssen wir das Bauprogramm darum so oder so überarbeiten.»

Einen konkreten Zeitplan können die SBB daher noch nicht nennen. Auch zu den Mehrkosten seien im Moment noch keine Aussagen möglich.

Grund zur Sorge besteht in Bezug auf die Sicherheit der Brücken aufgrund der Verzögerung jedoch nicht: Fachleute der SBB hätten die Brücken Mitte September nochmals inspiziert, versichert Moritz Weisskopf. Gemäss den ersten Einschätzungen aus dieser Inspektion würden die Brücken erst in mehreren Jahren das Ende ihrer Lebensdauer erreichen.

Einen positiven Nebeneffekt könnte die Fehlplanung doch noch haben: Ein Vorstoss von Mitte-Landrat Simon Oberbeck fordert die Regierung auf, Möglichkeiten zur Weiterverwendung der Brücken zu prüfen. Die Verzögerung kommt diesem Anliegen nun entgegen. Genügend zeitlicher Vorlauf, um den vom Kanton als schützenswert eingeschätzten Brücken ein zweites Leben zu ermöglichen, scheint nun gegeben.

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