Über das lokale Kleine das grosse Internationale erkennen

Gym-Lehrer Fabio Bianchi bietet unter anderem in Aesch und Arlesheim historische Rundgänge an und zeigt damit auch, wie Geschichte heute an der Schule vermittelt wird.

Möchte den Wert von Objekten aus der Vergangenheit aufzeigen: Lehrer Fabio Bianchi. Foto: Tobias Gfeller

Seit 28 Jahren unterrichtet der Prattler Fabio Bianchi Geschichte und Italienisch am Gymnasium Münchenstein. Er ist Lehrer mit Leib und Seele. Sein Engagement geht weit über das Klassenzimmer hinaus. Mit seinen Schülerinnen und Schülern besucht er regelmässig Stätten, die für die Themen des Geschichtsunterrichts bedeutsam sind. Und in unregelmässigen Abständen bietet der 56-Jäh-rige zwischen Fasnachts- und Osterferien auch Rundgänge zu verschiedenen historischen Themen in der Region Basel an. In diesem Jahr führen seine Rundgänge durch die Aescher Klus, die Arlesheimer Ermitage, durch das Prattler Ortszentrum und die Römerstadt Augusta Raurica. Bianchi gehört damit zu einer Gruppe Lehrpersonen vom Gymnasium Münchenstein aus unterschiedlichen Fachschaften, die im Rahmen der Erwachsenenbildung in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule beider Basel spezielle Kurse und ebensolche Führungen anbietet.

Mit seinen Rundgängen verfolgt Fabio Bianchi die Idee, an kleinen lokalen Beispielen grössere historische Zusammenhänge zu beleuchten. «Man muss nicht immer zu den weltweit bekannten Orten und Objekten reisen, um kulturgeschichtlich bedeutsame Entwicklungen nachzeichnen zu können. Es gibt sie auch im Kleinen vor der eigenen Haustüre oder auf Spaziergängen, die man regelmässig unternimmt.» Grosse Themen aus dem Geschichtsunterricht sollen so veranschaulicht werden.

In der Ermitage etwa zeigt der Geschichtslehrer die gesellschaftliche Entwicklung von der Barockzeit zur Aufklärung auf, vom symmetrischen Garten zur inszenierten Wildnis aus dem Englischen Landschaftsgarten. Man könnte auch ­sagen: weg von der Hierarchie, hin zu etwas Gleichstellung. «In der Aufklärung wurde die Natur als etwas Schönes und Wertvolles wahrgenommen, im Mittelalter war die Natur eine Bedrohung», erklärt Bianchi.

Historische Zeugnisse auf engstem Raum

In der Aescher Klus, in die am Samstag, 22. März, der erste Rundgang führt, fänden sich mit der Schalberghöhle, dem Dolmengrab, den Reben und den Burgen auf engstem Raum gut erhaltene Zeugnisse aus der Steinzeit, der Römerzeit und dem Mittelalter. Die Verbindung über den Blattenpass sei eine wichtige Handelsroute der Römer gewesen, erinnert Bianchi. Möglich sei dies nur, weil die Klus als Seitental von der wirtschaftlichen Entwicklung entlang der Birs «abgeklemmt» war und so diese Zeugnisse gut erhalten blieben.

Bianchi möchte zeigen, dass es im heutigen Geschichtsunterricht nicht mehr bloss darum gehe, Jahreszahlen von wichtigen Ereignissen auswendig zu lernen, sondern darum, Wissen so zu vermitteln, dass die Schülerinnen und Schüler selbst Zusammenhänge erkennen und Antworten auf wichtige Fragen der Geschichte geben können. Darüber hinaus geht es dem Lehrer mit den Rundgängen auch darum, den Wert von erhaltenen Objekten aus der Vergangenheit darzulegen. «Es hilft am Ende auch dem Schutz der erhaltenen Objekte, wenn die Menschen dahinter einen Wert erkennen.»

Den Wert des Geschichts-unterrichts aufzeigen

Bianchi möchte auch den Wert des Geschichtsunterrichts für Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterstreichen. Dieser komme an den Schulen immer wieder unter Druck, dass sogar ein Lektionenabbau drohe. Für den Geschichtslehrer des Gymnasiums Münchenstein eine heikle Entwicklung, der er mit seinem zusätzlichen Engagement entgegenzuhalten versucht.

Mit diesen Rundgängen und Kursen wollen die Lehrpersonen des Gymnasiums Münchenstein die Türen zum Schulhaus symbolisch und praktisch öffnen. Damit wollen sie interessierten Personen Einblicke in Themen und Inhalte ermöglichen, welche am Gymnasium vermittelt werden, und auch Öffentlichkeitsarbeit für die Bildungsinstitution leisten.

Kurse und Anmeldungen unter: www.vhsbb.ch

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