«Sinnliches Erlebnis»: Fantastische Welten in den Merian Gärten

Der Audiowalk «Unter freiem Himmel – eine Tonspur durch die Merian Gärten» feiert am kommenden Wochenende seine Premiere. Regisseurin Isabelle Stoffel verspricht ein einzigartiges Erlebnis.

Kein botanischer Rundgang: Besucherinnen und Besucher werden auf dem Spaziergang von Geschichten begleitet. Foto: ZVG / Kathrin Schultheiss

Mit Kopfhörern und kleiner Umhängetasche wird auf den Weg geschickt, wer sich auf den Audiowalk «Unter freiem Himmel – eine Tonspur durch die Merian Gärten» einlässt. «Besucherinnen und Besucher werden von einer Stimme begleitet. Dabei ist es wichtig, den Weg allein zu gehen, da die Erfahrung dadurch tiefer geht», sagt Regisseurin Isabelle Stoffel. Durch ein Biaurales Tonsystem ist es möglich, Besucherinnen und Besucher über akustische Reize den vorgesehenen Pfad entlang durch die Merian Gärten zu leiten.

Während im Theater der Blick des Zuschauers auf die Bühne gelenkt werde, sei der Gast bei Audiowalks selbst Protagonist, der durch die Szenerie wandelt, veranschaulicht Stoffel, die als Schauspielerin auf zahlreichen Bühnen im deutschen und spanischen Sprachraum wirkt und im Theater-Kollektiv «Recycled Illusions» bereits mehrere Audiowalks konzipiert und gestaltet hat. «Es handelt sich nicht um einen botanischen Rundgang. Man erfährt also nichts, was man einfach in einem Buch kurz nachlesen könnte», betont die Regisseurin.

Von Lungenkranken und Liebenden im Gebüsch

«Unter freiem Himmel» will die Vielschichtigkeit der Merian Gärten, ihre Geschichte und Schönheit aufnehmen und daraus ein Mosaik erschaffen. Dabei lassen sich Liebende im Gebüsch oder die Geister der Lungenkranken, die vor einem Jahrhundert in der Villa Merian untergebracht waren, erahnen und es werden Geschichten erzählt. Jene etwa, von der man erfährt, während der Blick über ein Irisfeld geleitet wird, handelt von der 1905 geborenen Helen von Stein-Zeppelin, die im Deutschland der 1920er-Jahre eine Gärtnerei gegründet und sich der Zucht von Iris-Pflanzen verschrieben hatte. Während des Zweiten Weltkriegs versteckte sie die einmalige Sammlung in Mauerritzen und ein Teil davon schenkte sie 1969 den Merian Gärten, damals noch Botanischer Garten Brüglingen.

Ergänzt werden die Geschichten mit dazu passenden poetischen Einschüben und in der kleinen Umhängetasche, die der Zuschauer mit auf den Weg bekommt, befinden sich Karten, die dem Erlebnis als weitere Ergänzung dienen.

Mit der Recherche für den Audiowalk hat Isabelle Stoffel im vergangenen Spätsommer angefangen. «Um auf die Geschichten zu kommen, habe ich mit den Menschen, die hier in den Merian Gärten arbeiten, gesprochen», erzählt sie. Ein grosser Teil der Arbeit bestehe darin, sich mit dem Gelände gut vertraut zu machen, den Weg festzulegen. «Dann geht es darum, im Skript die Informationen mit dem Weg zu verbinden.»

In einem weiteren Schritt würden Mitglieder des Teams den Ton entsprechend dem Verlauf des Weges gestalten, wofür man sich jeweils am Sonntagmorgen um 4 Uhr getroffen hat, um etwa in aller Ruhe das Geräusch der Schritte aufzunehmen. Und zudem: «Wenn um fünf Uhr morgens die Vögel aufwachen, ergibt sich daraus eine unglaublich reiche Soundkulisse.» Damit am Schluss alles stimmt, organisiert das Team mehrere Testdurchläufe – auch mit Personen, die nicht wissen, worum es geht. «Nur so können wir sicher sein, dass alles wie gewünscht ankommt.» Das Ganze setze sich am Schluss zu einem «unglaublich sinnlichen Erlebnis» zusammen, schwärmt Isabelle Stoffel. Der Audiowalk wurde durch die Christoph Merian Stiftung ermöglicht.

Erlebbar bis im September

Der rund 70-minütige Rundgang ist zum ersten Mal von morgen Freitag bis und mit Sonntag, jeweils zwischen 13 und 16 Uhr, zu erleben. Der Start befindet sich beim Treffpunkt Neue Scheune. Das Premierenwochenende ist zudem mit verschiedenen Aktionen gespickt.

Bis im September ist «Unter freiem Himmel» jeweils an Donnerstag- und Sonntagnachmittagen erlebbar. Es wird um Buchung und Reservation gebeten. Ein Ticket kostet zehn Franken.

www.meriangärten.ch/audiowalk

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