Neues Leben für ein altes Haus

Jahrzehntelang glich es einer Bauruine, nunerstrahlt das Gotikhaus an der Hauptstrasse 27 in neuem Glanz. Am Samstag konnten Interessierte einen Augenschein nehmen.

Nach umfangreicher Sanierung: Am Samstag stand das Gotikhaus für alle Interessierten offen. Foto: Caspar Reimer

Nach umfangreicher Sanierung: Am Samstag stand das Gotikhaus für alle Interessierten offen. Foto: Caspar Reimer

Historische Substanz: Die Balken stammen von Holz aus dem 16. Jahrhundert, auch die Mauern sind unverändert. Installationen wie die Küche entsprechen aber den heutigen Bedürfnissen. Foto: Caspar Reimer

Historische Substanz: Die Balken stammen von Holz aus dem 16. Jahrhundert, auch die Mauern sind unverändert. Installationen wie die Küche entsprechen aber den heutigen Bedürfnissen. Foto: Caspar Reimer

Verwinkelt: Steile Treppen und viele Winkel zeichnen das sanierte Haus aus. Foto: zvg/Daniel Scheidegger

Verwinkelt: Steile Treppen und viele Winkel zeichnen das sanierte Haus aus. Foto: zvg/Daniel Scheidegger

«Das Haus ist für Liebhaber alter Gebäude natürlich ein wahres Bijou», sagt der für das Ressort Bau zuständige Bürgerrat Daniel Spichty. Das im Jahr 1586 erbaute, im Auftrag der Bürgergemeinde Münchenstein nun vollständig renovierte Haus an der Hauptstrasse 27 in Münchenstein ist gewiss kein Zuhause für Menschen, denen das Hochsteigen schwerfällt. Die vier Etagen sind durch drei Treppen miteinander verbunden – diese fügen sich zwar harmonisch in die historische Essenz des Hauses ein, sind aber relativ steil. Und um in den schmucken Estrich zu gelangen, muss man eine Leiter hochsteigen – Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind dabei gute Ratgeber.

«Für jemanden mit zwei künstlichen Hüftgelenken ist das Gebäude definitiv nicht geeignet», sagt eine Frau, die am Samstag der Einladung der Bürgergemeinde, die Besitzerin des Hauses ist, zum Tag der offenen Tür im frisch renovierten Gotikhaus gefolgt war. Der gotische Baustil des Gebäudes, das für den Laien einfach nach Mittelalter aussieht, lässt sich etwa an den drei nahtlos miteinander verbundenen Fenstern über dem Eingang erkennen. Die 118 Quadratmeter Wohnfläche verteilen sich auf 4½ Zimmer, ein modernes Badezimmer befindet sich im dritten Stock, und im ersten Obergeschoss – dort, wo einst ein Kachelofen für Wärme gesorgt hatte – wurde eine Küche eingebaut, wie sie heutigen Bedürfnissen entspricht.

Gebälk stammt aus dem 16. Jahrhundert

«Das Haus steht schon seit 80 oder 100 Jahren leer. Zuletzt wurde es als Bäckerei mit Backstube genutzt», sagt der Basler Architekt Peter Abt, der mit seinem Geschäftspartner Francis Kapp von der Bürgergemeinde mit der vollständigen Sanierung des Gebäudes beauftragt worden war. «Das Holz, aus welchem das aus der Ursprungszeit stammende Gebälk besteht, wurde in den Wintern von 1567 bis 1569 gefällt.»

Das Büro Kapp Abt Architekten ist auf die Sanierung historischer Bauten spezialisiert. Kapp sagt: «Wir arbeiten mit der alten Substanz. Es wird also nichts unnötigerweise rausgerissen und neu gemacht. Wir wollen das Alte und dessen Qualität bewahren.» Die grösste Herausforderung sei der Umgang mit den tiefen Raumhöhen gewesen – vor 450 Jahren waren die Menschen kleiner als heute. «Es sind natürlich Räume, die in der Höhe nicht dem heutigen Standard entsprechen. Wir mussten überlegen, wie wir die Räumlichkeiten so gestalten, dass man nicht bei jedem zweiten Schritt den Kopf einziehen muss», so Abt. Die alte Treppe – ohne Handlauf und teilweise sehr schmal – sei für zukünftige Nutzerinnen und Nutzer nicht mehr zumutbar gewesen. «Man hätte nicht mal einen Stuhl in die oberen Stockwerke tragen können.»

3260 Franken Nettomiete

Bürgerrat Spichty hat das Projekt Gotikhaus von Anfang an begleitet: «Dieses Gebäude ist verbunden mit dem Nebengebäude, der Adresse Hauptstrasse 29. Nach deren Sanierung vor rund 20 Jahren wurde die Nummer 27 einfach als Abstellkammer genutzt. Es war eine Bauruine.» In der Bürgergemeinde wurde immer wieder diskutiert, was mit dem Haus anzufangen sei.

«Wir dachten auch daran, ein Museum einzurichten. Das wäre aber aus feuerpolizeilicher Sicht nicht möglich gewesen», erzählt der Bürgerrat. Für ihn, der seit mehr als fünf Jahren als Bürgerrat amtet, war die Situation aber kein auf Dauer haltbarer Zustand. So erwuchs die Idee, die Adresse wieder bewohnbar zu machen. «Mit Francis Kapp und Peter Abt haben wir Architekten gefunden, welche uns für diese Arbeit sehr geeignet schienen. Eine weitere Herausforderung war es, Handwerker zu finden, welche sich die Arbeit an einem solchen Haus zutrauten», so Spichty. Mit dem Resultat der Arbeit zeigen sich nun alle zufrieden. Seit ein paar Tagen ist das Haus auf den gängigen Portalen zur Miete ausgeschrieben. Nettomiete: 3260 Franken.

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