Schulunterricht am Lagerfeuer

Eine Schulklasse der Rudolf-Steiner-Schule Münchenstein hat ihren Unterricht nach draussen verlegt.

Gesünder und vitaler: Die Reaktionen auf den Open-Air-Unterricht sind bisher durchweg positiv.  Foto: zVg

Gesünder und vitaler: Die Reaktionen auf den Open-Air-Unterricht sind bisher durchweg positiv. Foto: zVg

Zieht ein positives Feedback: Lehrer Georg Walter. Foto: Caspar Reimer

Zieht ein positives Feedback: Lehrer Georg Walter. Foto: Caspar Reimer

In der Klasse von Georg Walter, Lehrer an der Rudolf-Steiner-Schule Münchenstein, sieht der Alltag derzeit etwas anders aus, als man ihn sich traditionellerweise in einer Schule vorstellt: Bevor der Unterricht beginnt, müssen Sitzkissen, warme Decken und Schaffelle angeschleppt werden, denn die Schulstunde steigt nicht im Klassenzimmer, sondern bei knisterndem Lagerfeuer auf einem Plätzchen neben dem Schulhaus unter freiem Himmel: «Wir hatten bisher wenig Regen, aber doch Temperaturen von sechs Grad minus», erzählt Georg Walter über das Projekt, das er bei Schulbeginn am 10. Januar mit seiner Klasse gestartet hatte.

Für die Kinder aber sei die Kälte bisher «kein Thema» gewesen, im Gegenteil, so auch das Feedback aus Kreisen der Eltern, wirkten diese vitaler, ausgeglichener und hätten mehr Appetit. «Schüler, die ansonsten Mühe haben, still zu sitzen, folgen dem Unterricht seit dem Start des Projekts viel konzentrierter.»

Tische und Tafeln selbst gemacht

Auf die Idee, den Unterricht nach draussen zu verlegen, kam Georg Walter über Thomas Stöckli, einen der anthroposophischen Lebensphilosophie nahestehenden Erziehungswissenschaftler, ­Autor und Leiter des Solothurner Instituts für Praxisforschung: «Er ermutigte mich während der Weihnachtsferien, dieses Projekt zu starten», erzählt Walter. Als Grundlage dafür dienten Forschungsprojekte zum Thema und die Erfahrungen «Ein Jahr Outdoor Education», die eine Waldorfschule in den USA gemacht und publik gemacht hatte. Es war also eine Inspiration, die den Klassenlehrer erfasste, und der Funke, der die Begeisterung für diese Idee bei ihm gezündet hatte, schien schnell auf seine 16 Schülerinnen und Schüler überzuspringen. Eine Mischung aus körperlicher Aktivität und Lernen scheint den jungen Menschen zu behagen: Die Buchstaben, die die Kinder zu lernen haben, wurden aus Laubholz selbst von ihnen angefertigt, Tafeln und Schultische waren gemeinsam und teilweise unter Mithilfe der Eltern gebaut worden.

Auch nach Ende der Maskenpflicht

«Es war für mich sehr eindrücklich, wie die Klassengemeinschaft durch diese Zeit spürbar zusammengewachsen ist. Es fühlt sich so an, wie wenn wir ein Klassenlager mit einer grösseren Bergtour hinter uns hätten», erzählt Walter. Die Idee sei gerade zur rechten Zeit gekommen, da in den Schulräumen noch die Maskenpflicht gilt: «Den Unterricht nach draussen zu verlegen, war wie ein Ausbruch aus der Beengung der Pandemie.» Mit solcherlei Ideen sei er oder auch die Rudolf-Steiner-Schule keineswegs allein auf weiter Flur: «Es gibt, gerade im Bereich des Kindergartens und der Primarschulstufe, viele Initiativen in diese Richtung. Das ist ein Trend.» Auch wenn die Maskenpflicht fällt, möchte Walter das Projekt weiterverfolgen: «Ich kann mir vorstellen, auch in Zukunft, wenn die Pandemie vorbei ist, einen Teil des Unterrichts nach draussen zu verlegen.»

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