«Nina Hagen der Schweiz»: Gelgia Caduff rockt das Orchester

Die Rocksängerin Gelgia Caduff und das Orchester Laufental-Thierstein präsentieren am Wochenende nach dem ESC mit «Wishful Thinking» ein aussergewöhnliches Konzert – Lasershow, Tanz und Video inklusive.

Stehen gemeinsam auf der Bühne: Rocksängerin Gelgia Caduff (vorne mit Geige) und das Orchester Laufental-Thierstein. Foto: zvg

Es ist ein Projekt, das Gewohntes durchbricht und Grenzen sprengt: Das Konzert «Wishful Thinking» aus der Feder der Sängerin Gelgia Caduff, das am Wochenende nach dem Eurovision Song Contest im Kuspo Münchenstein als ­Uraufführung zu sehen ist, vereint Texte von Gelgia Caduff und eine hochkarätige Rockband mit Musikerinnen und Musikern des Orchesters Laufental-Thierstein und einem eigens für die Produktion zusammengesetzten regionalen Chor. «Es stehen mehr als 60 Menschen auf der Bühne», erzählt die Sängerin. «Proben, proben, proben! Jetzt kommt langsam das Gänsehaut-Gefühl», schreibt sie auf ihrem Facebook-Account.

Eine Rockband und ein Laienorchester? Was im Affekt erst einmal nicht zusammenpassen will, vereint Caduff zu einem Ganzen, das sich aufregend, ja berauschend anhört. «Alles, was sich in feste Kategorien einordnet, interessiert mich nicht», erzählt sie, die in den Medien gelegentlich als die «Schweizer Nina Hagen» bezeichnet wird. Die unkonventionelle Künstlerin liebt experimentelle Kunst, wie sie bereits 2018 mit ihrer viel beachteten Rockoper «Heartstrings» gezeigt hat. Stile zu durchbrechen und so Grenzen zu überwinden – das ist es, was sie herausfordert und antreibt. Das Album «Wishful Thinking», welches Rockmusik mit Pop und etwas klassischen Klängen anreichert, gibt es schon digital zu streamen, bald erscheinen die CD und sogar eine LP. Eingespielt wurde das Album etappenweise seit 2023 in einem renommierten Tonstudio in Berlin. «Für die rund 40 Mitglieder des Orchesters und für den Chor war das eine komplett neue Erfahrung.»

Orchester-Partitur für 16 Songs

Seinen Ursprung hat das Projekt im Jahr 2021, als Gelgia Caduff den Versuch unternahm, im Orchester Laufental-Thier­stein nach Gehör mitzuspielen. «Was aber kläglich gescheitert ist. Ich musste mir das Notenlesen wieder beibringen», erzählt sie lachend. Zwar hatte sie das Geigenspielen nach Noten als Kind gelernt, doch in ihrer Zeit als Rockmusikerin wieder verlernt – sie spielte, wie das gerade im Rock und Pop üblich ist, nach Gefühl und Gehör. Eine Person aus dem Orchester hatte die Idee, gemeinsam ein Konzert zu geben – die Zusammenarbeit entstand. Heute steht Gelgia Herzog-­Caduff, wie sie mit bürgerlichem Namen heisst, dem Musikverein sogar als Präsidentin vor und spielt auf der Bratsche mit. Für die 16 Songs des Albums «Wishful Thinking» hat Caduff die Orchester-Partitur für alle Streich- und Blasinstrumente geschrieben. «Dabei haben mich mein Produzent aus Berlin und die Dirigenten von Orchester und Chor unterstützt. Das Projekt hat mir immer mehr den Ärmel reingezogen, obschon es ex­trem aufwendig ist», erzählt die in Nunningen lebende Musikerin. «Schon allein das Orchester deckt altersmässig eine riesige Spannweite ab. Das jüngste Mitglied ist 12, das älteste über 80 Jahre alt. Alle sind mit Herzblut dabei, obschon es vielleicht nicht ihre Musik ist.» Auch bei Installation und Bau der Bühnenelemente helfen alle tatkräftig mit.

«So verarbeite ich Erlebtes»

Für die Rockband konnte Caduff hochkarätige Musiker gewinnen, so den Bassisten Emmi Lichtenhahn, den Schlagzeuger Norman Lonhard, den Gitarristen Leon Albert und Thomas Baumgartner am Keyboard. «Es sind meine Lieblingsmusiker», sagt Caduff lachend. Auch Schauspielerinnen und Schauspieler sowie Tänzerinnen und Tänzer sind beim Spektakel auf der Bühne zu sehen. «Es wird keine zusammenhängende Geschichte erzählt. Stattdessen werden die einzelnen Songs in eine Rockshow mit Licht, Lasern und einem Video verpackt», verrät sie.

Gelgia Caduff hat sich während bald 30 Jahren bei ganz verschiedenen Gesangslehrern vom Gospel über Jazz bis Operngesang weitergebildet. Bei den Songs ist ihr der Text aber jeweils besonders wichtig: «So verarbeite ich Erlebtes. Ich schreibe die Texte meistens nachts, wenn die anderen schlafen.» Und ohne Frage erlebt die engagierte Frau so einiges.

«Wishful Thinking», Uraufführung, Sa, 24. Mai, 19 Uhr, So, 25. Mai, 17 Uhr, Kuspo Münchenstein. Informationen und Tickets: www.gelgiacaduff.ch

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