Neue Kabel, neuer Putz: «Beauty Days» für die Dorfkirche

Auch eine Kirche braucht Strom. Damit dieser fliesst, müssen die Kabel in der Bartholomäus-­Kirche nach 50 Jahren ­ausgewechselt werden. Um die Sanierung zu bezahlen, findet eine Benefiz­veranstaltung statt.

Verfolgt die Bauarbeiten: Hauswart Markus Eggimann.

Verfolgt die Bauarbeiten: Hauswart Markus Eggimann.

Gebäudehülle im Fokus: Seit Anfang April wird die Dorfkirche saniert – auch die Zeiger 
der Uhr werden restauriert. Fotos: Fabian Schwarzenbach

Gebäudehülle im Fokus: Seit Anfang April wird die Dorfkirche saniert – auch die Zeiger der Uhr werden restauriert. Fotos: Fabian Schwarzenbach

Die Dorfkirche ist seit Anfang April in ein Gerüst gekleidet: Die bereits über 1000 Jahre alte Bartholomäus-Kirche hat eine Sanierung nötig. Die letzte Gesamtsanierung des historischen Bauwerks, das erstmals 1195 urkundlich erwähnt wurde, fand von 1965 bis 1967 statt. Damals seien auch archäologische Grabungen getätigt worden, weiss Markus Eggimann, der als Hauswart der Kirche amtet. Aktuell ist er aber eine Art Baumanager.

Die laufende Sanierung ist eher eine sanfte, verglichen mit der letzten, die tiefe Eingriffe vornahm. Die jetzige Renovation gilt in erster Linie zwei Dingen: den elektrischen Leitungen, die alle 50 Jahre alt sind, und der Gebäudehülle. «Alle Kabel werden herausgezogen und durch neue ersetzt», erklärt Eggimann. Dazu würden auch Steuerungen, wie ­beispielsweise jene der Bodenheizung, ausgewechselt. «Wir haben vorsichtig kal­kuliert und bisher keine bösen Überraschungen erlebt», fasst er zusammen.

Eggimann trifft nach dem Gespräch mit dem Wochenblatt den leitenden Architekten Daniel Burckhardt und mit ihm diverse Handwerker. So auch Spezialisten für «Vergoldung». Er zeigt auf das Zifferblatt der Uhr am Kirchturm. «Wir wurden von Spezialisten darauf hingewiesen, dass die Rückseite der Zeiger schlecht aussehen könnte.» Tatsächlich müssen die Zeiger denn auch neu vergoldet werden. Durch eine gute Planung und Ex­pertenwissen konnten grössere Über­raschungen verhindert werden. Dabei konnte vom Erfahrungsschatz der Besitzerin der Kirche, der Stiftung Kirchengut, profitiert werden. Sie hat schon öfters Gotteshäuser saniert. Die reformierte Kirchgemeinde ist nur Betreiberin.

Kirchenglocken läuten nicht automatisch

Die Aussenfassade wird abgewaschen, das Holzwerk geschliffen, und kleinere Dinge wie der Schaukasten beim Eingang werden vorübergehend abmontiert. Dann machen sich die Arbeiterinnen und Arbeiter an den Aussenputz. Wo muss er noch ergänzt werden? Oder wo «reicht» ein neuer Anstrich?

Ein weiterer Sanierungspunkt sind die Kirchenglocken, zwar nicht die Glocken selber, sondern deren Steuerung. «Eine vollautomatische Steuerung wäre zu teuer gewesen», erklärt Eggimann, weshalb darauf verzichtet wurde. Nach der Sanierung werden die Glocken also wie vor der Renovation per Knopfdruck bimmeln, aber nicht via Automatik. Den Knopf muss jemand drücken.

185000 Franken fehlen noch

Die Kosten von rund einer halben Million Franken werden aufgeteilt, wobei die Stiftung 200000 Franken und die Kirchgemeinde 300000 Franken übernehmen. Dieses leicht ungleiche Verhältnis kommt daher zustande, weil die Audioanlagen und die Kirchenglocken voll zu Lasten der Betreiberin gehen. 115000 Franken sind bereits gesichert, 185000 Franken müssen noch via Spenden zusammengetrommelt werden.

Einerseits werden Stiftungen angeschrieben, die einen Teil decken werden. Andererseits wird am Mittwoch, 15. Mai, im Kirchgemeindesaal ein Benefizanlass zugunsten der Renovation der Dorfkirche durchgeführt. Dabei spielt auch ein Werkzeug eine tragende Rolle, nämlich der Hammer. An einer kleinen Gant versteigert der ehemalige Gemeindepräsident Giorgio Lüthi schöne, nützliche und auch witzige Dinge. Dazu gibt es Musik und einen Einblick in die Architekturgeschichte der Dorfkirche mit dem Architekten Daniel Burckhardt.

Die Arbeiten an der reformierten Dorfkirche sollen Ende August dieses Jahres abgeschlossen sein. «Wir sind auf Kurs», freut sich Eggimann. Trotzdem sei eine Reserve eingebaut worden. Dann macht er sich auf den Weg nach oben zum ­Zif­ferblatt, während ein Arbeiter die ­Schleifmaschine wieder anlässt und eine Malerin und ihr Kollege ebenfalls die ­Gerüsttreppe emporsteigen.

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