Money, Money, Money: Ein Frauen­verein widmet sich dem Geld

War der Frauenverein bei seiner Gründung vor 150 Jahren fürs Gemeinwohl tätig, muss er sich heute neu erfinden. Ein Anlass unter dem Titel «Geld ist auch weiblich» zeigt, wohin die Reise gehen könnte.

Stolz auf Geleistetes: Für sein Wirken wurde der Frauenverein Münchenstein schon mit einer Skulptur der Bürgergemeinde beschenkt – Doris Rentsch (links) und Peter Brodbeck. Foto: Caspar Reimer
Stolz auf Geleistetes: Für sein Wirken wurde der Frauenverein Münchenstein schon mit einer Skulptur der Bürgergemeinde beschenkt – Doris Rentsch (links) und Peter Brodbeck. Foto: Caspar Reimer

Der Frauenverein Münchenstein feiert heuer sein 150-jähriges Bestehen und lässt sich dabei nicht lumpen: Unter dem Titel «Geld ist auch weiblich» lädt der Verein am kommenden Montag ins Hotel Hofmatt ein, wo die Besucherinnen und Besucher ein Anlass erwartet, der – hört man den Verantwortlichen zu – seinesgleichen suche: «Das soll uns erst mal jemand nachmachen», sagt Peter Brodbeck lächelnd und stolz. Er ist Mitglied der «Arbeitsgruppe 150 Jahre Frauenverein», die über das ganze Jahr verteilt Anlässe organisiert. Diesmal erwartet die Besucherinnen und Besucher eine Mischung aus Referat und musikalischer Unterhaltung. Für den musikalischen Part konnte der Verein Nadia Maria Endrizzi – 2016 im Finale der SRF-Sendung «Die grössten Schweizer Talente», 2017 zweiter Platz in der Vorausscheidung zum «Eurovision Songcontest» – gewinnen. Sie wird den Abend thematisch passend mit Werken wie «Money, Money, Money» von Abba oder «Material Girl» von Madonna begleiten.

Jacqueline Schneeberger, Coach Finanz- und Vorsorgeplanung bei der BLKB, wird als Referentin auftreten und sagt auf Anfrage zum Wochenblatt, warum Geld nicht Männersache sei: «Meine Erfahrung und selbst Studien zeigen, dass sich Frauen zwar grosse Sorgen um ihre Finanzen machen, sich aber dennoch wenig damit befassen. Die Gründe sind vielschichtig, vielleicht hat es mit Stereotypen zu tun, vielleicht fehlt den Frauen auch schlichtweg das Bewusstsein über die Wichtigkeit – vor allem aber das Selbstvertrauen.» Sie möchte Frauen für das Thema sensibilisieren, zeigen, «dass jeder Schritt im Leben finanzielle Folgen hat». Schneeberger möchte den Frauen auch Mut machen: «Wir haben es zu einem grossen Teil selbst in der Hand. Der erste Schritt ist das Bewusstsein und das Interesse. Darauf folgt die Eigenverantwortung, die eigene Situation zu analysieren und falls nötig Verbesserungen anzustreben.»

Wohltätiger Ursprung

Mit Anlässen wie diesem hofft der Frauenverein Münchenstein, neue Mitglieder zu gewinnen. «Tatsächlich sind im Laufe unseres Jubiläumsjahres bereits einige dazugekommen», sagt Peter Brodbeck. Die Aufgabe eines Frauenvereins sei heute eine andere als früher, fügt Doris Rentsch, die seit 23 Jahren als dessen Präsidentin amtet, hinzu. «Brauchte der Staat vor 150 Jahren private Initiativen, um Kindergärten aufzubauen, oder Frauen, die für das Militär Socken strickten, werden solche Leistungen heute vom Staat übernommen.»

Damals füllte der Frauenverein Lücken aus, welche die staatliche Wohlfahrt nicht bieten konnte, verteilte etwa Grundnahrungsmittel an bedürftige Personen und sorgte sich auf vielfältige Weise um das Zusammenleben im Dorf – das in einer Zeit, in der es für Frauen nicht selbstverständlich war, alleine zu reisen oder ohne Begleitung unterwegs zu sein.

Zwischen Tradition und Aufbruch

Dass sich in den Reihen des Frauenvereins Münchenstein auch Männer bewegen, ja auch selbst Mitglied werden können, ist in Münchenstein längst Normalität: «Schon als ich als Präsidentin angefangen hatte, waren Männer dabei.» Um an den Ursprung des Frauenvereins zu erinnern, führt er im Jubiläumsjahr die Aktion «Finkli oder Käppli» durch. Den Eltern von Kindern, die im Jubiläumsjahr das Licht der Welt erblicken, schenkt der Verein ein in Handarbeit angefertigtes Paar Finken oder eine Wollmütze. Einerseits wolle man sich den Gegebenheiten der neuen Zeit anpassen, ein auch für jüngere Menschen attraktives Programm gestalten, andererseits seinen Wurzeln als Frauenverein treu bleiben. «Veranstaltungen wie etwa Tagesausflüge oder gemeinsame Wanderungen haben gezeigt, dass das Bedürfnis besteht, sich miteinander auszutauschen – nicht nur, aber gerade unter Frauen.» Der Frauenverein Münchenstein zählt aktuell 130 Mitglieder.

«Geld ist auch weiblich»: Montag, 4. Dezember, 19.30 Uhr, Hotel-Restaurant Hofmatt

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