Mehr Diversität im Kulturbetrieb – aber wie?

Am vergangenen Freitag lud das Haus der Elektronischen Künste in Münchenstein gemeinsam mit dem Lehrgang Kuverum Kulturvermittlung zum Round Table ein. Thema war die Förderung der kulturellen Teilhabe.

Angeregter Austausch: Was ein modernes Museum heute bieten soll und kann, wurde an den Tischen diskutiert. Foto: zVg/Kathrin Schulthess Fotografie
Angeregter Austausch: Was ein modernes Museum heute bieten soll und kann, wurde an den Tischen diskutiert. Foto: zVg/Kathrin Schulthess Fotografie

Der Kanton Basel-Stadt weist mit seinen rund vierzig verschiedenen Museen eine der höchsten Museumsdichten europaweit auf und gilt deshalb nicht umsonst als «Stadt der Museen». Mit diversen Spezialveranstaltungen wie gerade der Museumsnacht sollen Menschen unterschiedlichster Hintergründe und Interessen ins Museum geholt werden. Mit Erfolg: Im Jahr 2025 verzeichneten die Museen im Kanton Basel-Stadt rund 1,68 Millionen Besucherinnen und Besucher. Wie die BaZ am 19. März berichtete, trugen dazu insbesondere die Fondation Beyeler, das Museum Tinguely, das Cartoon-Museum Basel sowie das Historische Museum beider Basel bei.

Debatten zum inklusiven Kulturerleben

Doch da geht noch mehr, finden das Haus der Elektronischen Künste in Münchenstein sowie die Verantwortlichen der Kuverum Kulturvermittlung, einem CAS-Lehrgang, der in Zusammenarbeit zwischen dem Verein Kuverum und der Hochschule der Künste Bern ausgerichtet wird. Gemeinsam veranstalteten sie am vergangenen Freitag einen Workshop mit verschiedenen Round Tables, um der Frage nachzugehen, welche Massnahmen zur Förderung der Diversität in Schweizer Museen – und damit verbunden der kulturellen Teilhabe – ergriffen werden können.

Beleuchtet wurden dazu an verschiedenen Tischen insgesamt acht Schwerpunkte. Darunter die persönlichen Motivationen und Mehrwerte eines Museumsbesuchs, die verschiedenen Bedürfnisse nach Mitgestaltung und mögliche Ansätze zur Ansprache einer breiteren Zielgruppe. Nachdem eine Stunde lang in Rotation die Tische gewechselt und vielseitig debattiert worden war, wurden abschliessend im Plenum die Essenzen der vorangegangenen Diskussionen zusammengetragen.

Architektonische Gestaltung als Schlüsselelement

Ein Punkt, der dabei wiederholt thematisiert wurde, war die architektonische Gestaltung der Räume: Das Museum soll zum Verweilen einladen, eine gute Stimmung vermitteln und dazu den nötigen Komfort bieten. Viele der Anwesenden betonten, dass Museen anstelle von Galerien und Ausstellungen künftig insbesondere als sogenannte «third places» fungieren sollten: als öffentliche Orte – ohne Eintritte –, an denen nicht zwangsläufig Ausstellungen besucht werden, sondern auch einfach nur gemütlich die Zeit vertrieben wird, beispielsweise bei einem Kaffee.

Ein weiterer wichtiger Punkt war für die Debattierenden, dass Museen einen Bezug zur Lebenswelt haben und Raum für Dialoge schaffe sollen. Gleichzeitig wurde jedoch auch darauf verwiesen, dass das Bedürfnis nach Ruhe in einem Museum ebenso zu respektieren sei. Viele Menschen schätzten auch gerade jenen Aspekt des Museums, sich alleine in der Stille kontemplativ mit einem Werk oder einem Ausstellungsstück auseinandersetzen zu können – ohne Diskurs und ohne dabei von grossen Menschenmengen umgeben zu sein.

Schatzkammern des Kulturguts

Die Frage, warum es überhaupt wichtig sei, verschiedene Bevölkerungsgruppen für einen Museumsbesuch zu begeistern, beantwortet Franziska Dürr, Geschäftsleiterin Kuverum so: «Ich sehe Museen nicht nur als Ort der Wissensvermittlung, sondern als grosse Schatzkammern von Kulturgut. Über die Ausstellungen hinaus verwahren sie in ihren Archiven einen enorm grossen Teil unserer kulturellen Güter. Das ist eine grosse Bereicherung, von der ich überzeugt bin, dass es geradezu eine Verschwendung ist, wenn nicht alle Menschen davon profitieren.» Das sieht auch die Co-Leiterin des Lehrgangs Kuverum, Sarah Miebach, ähnlich.

Auf die Frage hin, was im Vordergrund stehe, der Austausch zwischen verschiedenen Lebenswelten oder vielleicht sogar aufklärerische Ideale, erwidert die studierte Architektin: «Ich denke, wenn wir Menschen dazu bewegen können, sich das Museum zuzutrauen – denn häufig scheitert der Besuch daran –, dann fördert das nicht nur den Austausch, sondern kann durchaus auch als eine Ermächtigung erachtet werden.»

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