Kollektiv fürs Kulturlokal

«Do it yourself!» ist das Motto des Kollektivs, das seit zwei Jahren ­ehrenamtlich das Münchensteiner Kulturlokal Erster Stock betreibt. Was dabei herauskommt, ist erfrischend divers.

Geben alles für den «Ersten Stock»: Das Kollektiv mit Emerita Siegfried (Mitte hinten) und Florian Eichenlaub (ganz rechts). Foto: Benedikt Kaiser
Geben alles für den «Ersten Stock»: Das Kollektiv mit Emerita Siegfried (Mitte hinten) und Florian Eichenlaub (ganz rechts). Foto: Benedikt Kaiser

Ausstellungsraum, Konzertsaal, Bar und Club: Der «Erste Stock» deckt so ziemlich alles an kulturellen Veranstaltungen ab. Möglich macht das ein Kollektiv, bestehend aus 15 Personen zwischen zwanzig und dreissig Jahren, das sich mit viel Herzblut für die lokale Kulturszene engagiert. «Ich mache so viel, wie ich Zeit habe», meint etwa Florian Eichenlaub, Teil des Kollektivs, und fügt lachend an, dass es immer mehr als genug zu tun gebe. «Schliesslich machen wir alles selbst!»

«Alles» meint im Fall des «Ersten Stocks» wirklich alles. Regelmässig hämmern und schrauben die Mitglieder des Kollektivs am Inventar herum, schleppen neue Möbel an, basteln an Licht und Ton oder überlegen sich neue Events. Der «Erste Stock» sei wie ein grosser Spielplatz, sagt Emerita Siegfried, ebenfalls Mitglied des Kollektivs «Erster Stock». «Hier können wir unserer Kreativität freien Lauf lassen.» Der Standort des «Ersten Stocks» mitten im Walzwerk-Areal kommt dabei der DIY-Philosophie des Kollektivs entgegen. Er habe einmal um drei Uhr nachts Hilfe beim Tragen gebraucht, erzählt Eichenlaub eine Anek­dote. «Natürlich habe ich nach einem kurzen Spaziergang übers Areal noch jemanden gefunden, der mir für ein Bier kurz zu Hilfe kam!»

Ein Sprung ins kalte Wasser

Bei all seinen Tätigkeiten operiert das Kollektiv «Erster Stock» nach einem Non-Profit-Gedanken. «Unsere Motivation ist nicht finanzieller Art, sonst könnten wir den halben Liter Bier nicht für drei Franken anbieten», sagt Siegfried augenzwinkernd. Ziel sei es, mit den Einnahmen durch Eintritte, Bar und Vermietungen des Lokals sowie dank Beiträgen von Gönnern die Ausgaben decken zu können. Dies habe bislang immer funktioniert, obwohl sie gerade in der ersten Zeit nach der Übernahme des «Ersten Stocks» schon Respekt vor dem finanziellen Aspekt gehabt hätten.

Überhaupt sei der Start ein Sprung ins kalte Wasser gewesen, ergänzt Eichenlaub lachend. «Niemand von uns hatte Erfahrung im Bar- oder Clubbetrieb.» Als Siegfried und er im Frühling 2021 davon gehörte hätten, dass die alten Betreiber des «Ersten Stocks» Nachfolger suchten, seien sie sofort Feuer und Flamme gewesen und hätten begonnen, in ihrem Freundeskreis nach Mitstreiterinnen und Mitstreitern zu suchen. «So entstand nach und nach unser bunt zusammengewürfeltes Kollektiv.»

Ü40-Party im Frühling

Aktuell ist der «Erste Stock» regelmässig nur an den geraden Freitagen des Monats geöffnet, das nächste Mal also am 10. Februar. Dazu kommt ein grösserer Event pro Monat wie ein Konzert oder eine Party. Im Frühling möchte das Kollektiv dann wieder richtig durchstarten, unter anderem mit seiner ersten Ü40-Party. «Auf die Idee sind wir dank der Eltern der Mitglieder des Kollektivs gekommen», erklären Eichenlaub und Siegfried. Diese seien oftmals auch auf irgendeine Art in die Tätigkeiten rund um den «Ersten Stock» involviert, beispielsweise durch das Zur-Verfügung-Stellen ihres Autos für den Materialtransport. «Wir finden das eine lustige Art, ihnen etwas zurückzugeben», sagen Eichenlaub und Siegfried. Zudem passe eine Ü40-Party zu der Diversität, die der «Erste Stock» leben möchte.

Als Werbespot macht Eichenlaub zum Abschluss ein gewagtes Statement: «Das wird die erste nicht-cringe Ü40-Party!» Wenn das keine Ansage ist ...

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