Im Spiel zeigt sich der wahre Charakter
Lernende der Berufsfachschule Gesundheit Baselland hatten in der letzten Schulwoche Gelegenheit, eine auf Computerspielen basierende Lernmethode auszutesten.

Sich selbst spielend kennenlernen: Wie das geht, konnten über 800 Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschule Gesundheit Baselland in Münchenstein letzte Woche erfahren. Beim Videospiel Pico Park mussten die Lernenden, dargestellt als katzenähnliche Figuren, im Team einen Schlüssel finden und als Ziel die Ausgangstüre erreichen. Was einfach klingt, erfordert extreme Koordination und Teamarbeit. Entsprechend gingen die Emotionen bei den Schülerinnen und Schülern hoch – es wurde viel gelacht in dieser letzten Schulwoche vor den Sommerferien.
Hinter der Idee steht Levelhub, eine gemeinnützige Bildungsinitiative des Netzwerks Grenchen, einer Organisation, die im Bereich der Arbeitsintegration tätig ist. «Viele sind überrascht, wenn sie hören, dass wir mit kommerziellen Videospielen arbeiten. Aber genau das ist der Kern unseres Ansatzes: Gaming schafft einen magischen Moment – man taucht ein, vergisst alles um sich herum, und genau in diesem Zustand werden Stärken und Verhalten sichtbar, die sonst verborgen bleiben», so Cristina Gerber, Leiterin von Levelhub.
Kommerzielle Videospiele für mehr Vertrauen und Interesse
Beim Spiel Pico Park müssen alle Teilnehmenden ins Ziel kommen, niemand bleibt auf der Strecke. «Hier ist es spannend zu sehen, wie die Gruppe funktioniert. Hilft man der Person, die im Rückstand ist, weiter? Hier lassen sich soziale Kompetenzen erkennen», so Gerber. Entstanden sei die Idee vor rund drei Jahren über einen Zeitungsartikel, in welchem berichtet wurde, dass Computerspiele helfen können, Kompetenzen zu erkennen und zu entwickeln. «Im Artikel stand zudem, dass die Wirtschaft diese positiven Eigenschaften des Videospiels für die Berufsentwicklung zu wenig nutze. Da dachten wir, dass wäre doch eine Lücke, in die wir einspringen könnten», sagt Gerber. Beim Spielen erkenne man rasch, ob jemand etwa eine Führungsnatur oder eher eine zurückhaltende Person sei. Im letzteren Fall ergebe sich die Chance, dies rechtzeitig zu erkennen und die Person zu ermuntern, sich mehr einzubringen und Strategien zu entwickeln.
Levelhub ist in der ganzen Schweiz in verschiedenen Bildungsbereichen tätig und arbeitet dabei mit rund 30 verschiedenen Spielen. Gerade der Umstand, dass es sich um kommerzielle Games und nicht um Lernspiele handle, stärke das Interesse und das Vertrauen der Jugendlichen. Die Workshops folgen einem klaren Dreischritt. Zuerst spielen die Lernenden, dann folgt die Reflexion: Mit speziell entwickelten Karten analysieren sie ihr eigenes Spielverhalten und benennen, was sie beobachtet haben. Im dritten Schritt wird der Transfer geleistet – die Brücke vom Gaming in den Berufsalltag.
Campus der Gesundheitsbranche
Der Computerspiel-Workshop fand im Rahmen der Lernissage statt, welche an der Berufsfachschule jeweils vor den Sommerferien und im Winter für Abwechslung im Schulalltag sorgt. «Die letzte Schulwoche vor den Sommerferien plätschert oftmals dahin. Deshalb findet dann bei uns jeweils die Lernissage statt», sagt der stellvertretende Rektor der Berufsfachschule, Gerhard Walthert. Dabei gehe es einerseits darum, über das im vergangenen Semester Gelernte zu reflektieren, andererseits an verschiedenen Posten kreativ tätig zu sein.
An der Berufsfachschule Gesundheit werden die Jugendlichen zur oder zum Fachangestellten Gesundheit (FAGE) oder zur Assistenz Gesundheit und Soziales (AGS) ausgebildet. «80 Prozent der Lernenden sind Frauen, wobei es bei den Männern eine Tendenz nach oben gibt», sagt Walthert. Die Schule ist Bestandteil des Campus Bildung Gesundheit, in welchem noch drei weitere Institutionen beheimatet sind.


