Im Roboterkurs werden Schüler und Schülerinnen zu Ingenieuren

Im Freifach Robotik bauen Schüler und Schülerinnen am Gymnasium Münchenstein Roboter und nehmen damit an den Weltmeisterschaften in Holland teil.

Greifroboter an der Arbeit: v. l. Martin Saladin, Philipp Neth, Michel Vögtli. Die drei bauten die Maschine, die den Linien entlang fährt und am Ende eine mit Alu eingepackte Colabüchse greift und hievt.  Foto: Tobias Gfeller
Greifroboter an der Arbeit: v. l. Martin Saladin, Philipp Neth, Michel Vögtli. Die drei bauten die Maschine, die den Linien entlang fährt und am Ende eine mit Alu eingepackte Colabüchse greift und hievt. Foto: Tobias Gfeller

Tobias Gfeller

Noch will er nicht wirklich, was seine Erbauer von ihm wollen. Der Greifroboter soll auf der weissen Platte den schwarzen Linien entlang fahren und am Ende die in Alufolie verpackte Büchse greifen und hochheben. Stunden haben Martin Saladin, Philipp Neth und Michel Vögtli in den Legoroboter investiert. Als er endlich umsetzt, was der Programmierer des Teams, Michel Vögtli, ihm vorgibt, bricht spontan Jubel aus. Denn mit dem Roboter haben sie in diesem Jahr noch viel vor. Im Juni gehts an den Robocup in Eindhoven. Dieser stellt jährlich für 2000 Studenten und Wissenschaftler aus aller Welt eine Art Roboter-Weltmeisterschaften dar.

Freude an der Technik
Zwei Teams des Gymnasiums Münchenstein nehmen am Robocup teil. Möglich macht dies das seit 2009 angebotene Freifach Robotik. Dort bauen Schüler zusammen mit zwei Lehrkräften Roboter mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten. Der Kurs ist freiwillig und gehört nicht zum offiziellen Lehrplan. Aktuell besuchen zwölf Schülerinnen und Schüler den Kurs. «Zum ersten Mal sind auch zwei Mädchen dabei», sagt Lehrer Sandro Schönborn erfreut. Vorkenntnisse, um am Kurs teilzunehmen, braucht es keine. «Wir beginnen quasi bei null», sagt Guido Tarrach, der zusammen mit Schönborn das Freifach leitet. Voraussetzung für eine Teilnahme sei lediglich die Freude an der Technik, am Programmieren und natürlich am Bauen der Roboter selbst. «Mit der Zeit ergeben sich in den Teams Aufgabenverteilungen, und jede und jeder macht das, was ihm am meisten zusagt.» Im Team des Greifroboters ist Martin Saladin der Techniker. «Am Anfang war das Interesse. Durch den Kurs hat sich dieses noch verstärkt. Immer wieder tauchen neue Probleme auf, die es zu lösen gilt. Gelingt dies, ergibt sich daraus eine Befriedigung», erklärt er die Faszination für den Roboterbau.

Chancen auf dem Arbeitsmarkt
Einen Schritt weiter sind Michael Plüss, Linus Arnold und Lukas Sägesser. Sie bauen an einem Fussballroboter weiter, mit dem ein Viererteam vergangenes Jahr an der WM in Mexiko teilnahm. Ihr Roboter ist fast komplett selber gebaut. Auf einem Miniaturfeld spielen Zweierteams gegeneinander. Mit Berührungs- und Ultraschallsensoren erkennen die Roboter Ball, Gegner und Spielfeld. Michael Plüss war schon als Kind an Mechanik interessiert. «Es ist super, dass hier ein solcher Kurs angeboten wird.» Wie die meisten, sieht er in der Thematik eine mögliche berufliche Zukunft. Dass sie damit grosse Chancen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt hätten, ist ihnen allen klar.

Dies bestätigt auch Sandro Schönborn. «Es ist durchaus auch die Idee des Kurses, die Begeisterung für Technik zu fördern.» Das Niveau sei teilweise sehr fortgeschritten. Der Physiklehrer ist überzeugt, dass mit einem Mehrangebot von solchen Kursen der aktuellen Problematik des Fachkräftemangels in Technikberufen entgegengewirkt werden könnte.

Spitzenplätze an Wettbewerb
Ein Roboter ist nie wirklich fertig. Seine Fähigkeiten können laufend ausgebaut und verbessert werden. Auch für Lehrer Guido Tarrach ist dies faszinierend. Er fragt sich, was die Jugendlichen früher mit den zehn bis zwölf Stunden Zeit anfingen, die sie heute wöchentlich im Internet verbringen. «Immer weniger haben in ihrer Kindheit mit Lego und Legotechnik zu tun. Wir wollen die Haltung fördern, selber mal etwas in Angriff zu nehmen und vorwärtszutreiben.» Beide Lehrkräfte sind damit auf gutem Weg. An einem Wettbewerb Mitte Januar in Chur erzielten die drei Münchensteiner Teams allesamt Spitzenplätze.

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