«Es ist wichtig, dass sich mehr junge Leute ihre eigene Meinung bilden»

Die 17-jährige Emilia Paganini kämpfte sich argumentierend bis in das nationale Finale von «Jugend debattiert». Im Gespräch mit dem Wochenblatt spricht die Schülerin des Gymnasiums Münchenstein über die Hintergründe.

Vertrat das Gymnasium Münchenstein am schweizweiten Finale von «Jugend debattiert»: die 17-jährige Schülerin Emilia Paganini aus Münchenstein.  Foto: Florin Bürgler
Vertrat das Gymnasium Münchenstein am schweizweiten Finale von «Jugend debattiert»: die 17-jährige Schülerin Emilia Paganini aus Münchenstein. Foto: Florin Bürgler

«Vor einem Jahr hatte ich noch Angst, für einen Vortrag vor der eigenen Klasse zu stehen», erzählt Emilia Paganini mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen. Dass sie wenige Monate später im schweizweiten Finale eines Debattierwettbewerbs vor Hunderten Leuten über verschiedene kontroverse Themen diskutieren wird, klingt mit dieser Einleitung durchaus erstaunlich. Doch wie kam es dazu? Paganini besucht die zweite Klasse des Gymnasiums Münchenstein – ihre Matura-Karriere startete sie mit dem Schwerpunkt «bildnerisches Gestalten», wechselte dann jedoch die Vertiefung hin zu «Wirtschaft und Recht».

Das zeigt schon, dass ihre Interessen durchaus breit gefächert sind, was sich auch in einer beachtlichen Anzahl an Hobbys und Aktivitäten niederschlägt: Von fast täglichen Balletttrainings bis hin zum Absolvieren diverser Tauchscheine bleibt vermeintlich nicht viel freie Zeit übrig – und doch jobbt Paganini neben dem Schulalltag noch aushilfsweise im Gastrobereich. Und dann war ja da noch die Sache, um die es in diesem Bericht gehen soll: die Teilnahme am nationalen Finale von «Jugend debattiert», der von der Organisation «Young Enterprise Switzerland», auch bekannt als YES, durchgeführt wurde. Darauf stiess Paganini im Rahmen des Pool-Unterrichts am Gymnasium, wo gezielt praxisnahe und alltagsbezogene Elemente im Unterricht gestärkt werden sollen. «Das Debattieren machte mir direkt Spass, vor allem das Recherchieren und das Sich-in-verschiedene-Perspektiven-Reindenken. Dann habe ich mich einfach voll darauf eingelassen», sagt Paganini über den Startschuss der Reise, die sie über die schulinterne Qualifikation in das Regionalfinale der Nordwestschweiz und von da direkt in das nationale Finale führte.

«Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung»

Das besagte Finale ging am 27. und 28. März in Bern über die Bühne. Einen Monat vorher erhielten alle Jugendlichen, die sich dafür qualifiziert hatten, die Themenliste: die neue Konzernverantwortungsinitiative, ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige und der EU-Beitritt der Schweiz. Nun hatte Paganini vier Wochen Zeit, sich darüber tiefgehend und möglichst vielseitig zu informieren, denn ob sie jeweils auf der Pro- oder der Kontraseite argumentieren wird, erfuhr sie erst zwei Tage vor den effektiven Finaldebatten.

«Am spannendsten fand ich das Thema zur Konzernverantwortung. Für die Recherche muss man dann Studien raussuchen, Berichte lesen und auch überblicken, welche Parteien und Verbände jeweils dafür oder dagegen sind.» Das habe sie dann während der Vorbereitungszeit, ähnlich wie bei einem Puzzle oder einem Lego-Set, Stück für Stück erarbeitet. Alle Teilnehmenden haben zwei Debatten, bei denen sich jeweils zwei Pros und zwei Kontras miteinander messen. Laut YES gehe es bei der Jury-Bewertung nicht nur um die Sachkenntnis, sondern auch um das Ausdrucksvermögen, die Gesprächsfähigkeit und die Überzeugungskraft. Aus den ersten zwei Debatten qualifizieren sich dann wiederum die besten Jugendlichen für die finale Schlussdebatte, in der es um den Gesamtsieg geht.

Für Paganini hat es dafür dann leider nicht ganz gereicht, doch davon falle ihr kein Zacken aus der Krone: «Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung, und insgesamt war es auch einfach eine tolle und intensive Zeit, aus der ich viele schöne Erfahrungen und Erinnerungen mitnehme.» Paganini, die in wenigen Wochen volljährig wird und sich schon aufs erste Mal Abstimmen freut, betont zum Ende des Gesprächs: «Es ist wichtig, dass sich mehr junge Leute ihre eigene Meinung bilden, vor allem in Bezug auf die Demokratie und die vielen Krisen, von denen wir täglich umgeben sind.»

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