Eine lebenslange Leidenschaft

Letzten Donnerstag ­wurde das Stück «Jana und Julia» von Jörg ­Jermann zum ersten Mal aufgeführt. Der Münchensteiner hat das Stück geschrieben und Regie dazu geführt.

Wohnt seit dreissig Jahren in Münchenstein: Regisseur Jörg Jermann. Foto: Tobias König
Wohnt seit dreissig Jahren in Münchenstein: Regisseur Jörg Jermann. Foto: Tobias König

Jörg Jermann war schon immer vom Theater fasziniert. «Das Theater lebt nur im Moment. Ein geschriebenes Stück hat erst Kraft, wenn es aufgeführt wird.» Diese Gegenwärtigkeit zeichne das Theater gegenüber anderen Medien aus. «Das Theater lebt aufgrund der Unmittelbarkeit», also der direkten Interaktion zwischen Schauspielern und Schauspielerinnen mit ihren Texten und dem Publikum.

Der Autor ist in Riehen aufgewachsen und hat einen Abschluss in Germanistik und Kunstgeschichte. Zuvor hat er in Graz Regie studiert. Dieses Studium habe er aber nach einem Jahr wieder abgebrochen. «Damals war die Ausübung des Berufes in der professionellen Theaterwelt hart.» Für ihn war das zu hektisch: «Ich wollte gerne noch selber schreiben und wollte dafür auch meine Ruhe.» So wurde er nach dem Studium hauptberuflich Lehrer und arbeitete in der Schulleitung. Seiner Leidenschaft, dem Theater, blieb er aber auch in dieser Zeit treu. Er verfasste weiter Theaterstücke, führte Regie und schrieb für die «Basellandschaftliche Zeitung» über zwanzig Jahre lang Theaterkritik.

Mittlerweile lebt Jermann seit 30 Jahren in Münchenstein, wo es ihm sehr gut gefällt. «Ich mag besonders den Raum in der alten Gemeinde, den sogenannten Mönchskeller.» Dort hat er schon einmal eine Aufführung veranstaltet. «Es hat immer auch Besucher aus Münchenstein, wenn wir dort spielen.» Auch heute Abend wird das von ihm geschriebene Stück «Julia und Jana» im Mönchskeller aufgeführt. Doch worum geht es bei der Aufführung?

Ein Einakter mit Tiefgang

Julia Zimmerli, die Protagonistin, ist eine Aussenseiterin. Obwohl sie in gewissen Gebieten hochbegabt ist, ist sie in anderen geistig benachteiligt. Zudem leidet sie an körperlichen Ticks. Sie hat Mühe damit, sich in die Gesellschaft einzufügen, und diese hat Mühe damit, sie aufzunehmen. «Auf Französisch würde man sie ‹un cœur simple› nennen», erklärt Jermann. «Die Frau hat aber grosse Qualitäten. Sie liebt Musik und Märchen.» Aufgrund ihrer Schwierigkeit, sich einzuordnen, zieht sie sich zusehends in eine Fantasiewelt zurück. Die Figur von Julia wurde von einer real lebenden Person inspiriert. Während des Schreibprozesses löste sich dieses reale Vorbild aber zusehends von der Impulsfigur ab und diese entwickelte ein Eigenleben.

Bei der Aufführung handelt es sich um einen Einakter, wobei Julias Monolog im Zentrum steht. «Es ist ein Monolog, der stark von Jana gestützt wird.» Jana ist Julias alter Ego und somit das komplette Gegenteil der Protagonistin. Sie ist jung, hübsch und äusserst beweglich. Sie bringt Julia sanft dazu, entscheidende, schmerzhafte Stationen in ihrem Leben nochmals durchzuarbeiten. Dabei muss sie Julia mit prägenden Personen konfrontieren, mit ihren Eltern, ihrem Lehrer oder ihrem Pfarrer.

Das Stück wird musikalisch von der Akkordeonspielerin Heidi Gürtler unterstützt. «Sie sitzt auf der Seite, den Schauspielerinnen zugewandt und lebt mit.» Sie untermalt also die Stimmung der gespielten Szenen musikalisch, dabei improvisiert sie auch. Zudem sind die Stücke von der Musikerin selbst geschrieben.

«John und Joe»

Ergänzend zu «Julia und Jana» bietet der Theaterabend nach der Pause «John und Joe» von Agota Kristof. Eine lockere und heitere Ergänzung über zwei ältere Männer in einem Bistro.

«Julia und Jana» ist das zweite von Jermann verfasste Stück, das vom Basalttheater aufgeführt wird. Er selbst hat das Theater vor acht Jahren gegründet. «Wir arbeiten mit einem Ensemble von guten Amateuren mit viel Erfahrung und jungen Profis», sagt Jermann. «Wir werden immer wieder von Stiftungen und den beiden Halbkantonen gefördert. In anderen Ländern gibt es das kaum. Ohne diese könnten wir nicht produzieren.»

«Jana und Julia» und «John und Joe»: Donnerstag, 8. Dezember, 19.30 Uhr, Mönchskeller, Alte Gemeinde im Dorfzentrum Münchenstein. Weitere Aufführungen: basalttheater.ch

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