Ein richtig spezielles Ferienlager mit allem, was dazugehört

Die Vereinigung Cerebral Basel bietet im Therapieschulzentrum Münchenstein TSM ein Ferienlager für Kinder mit einer zere-bralen Beeinträchtigung an. Auch Geschwister sind willkommen.

Vor dem Essen noch ein wenig chillen: Drei Knaben des Tageslagers mit Betreuerin.  Foto: Doris Vögeli
Vor dem Essen noch ein wenig chillen: Drei Knaben des Tageslagers mit Betreuerin. Foto: Doris Vögeli

Doris Vögeli

Schulferien sind für Eltern von Kindern mit einer zerebralen Beeinträchtigung eine grosse Herausforderung. Das dreiwöchige Ferientageslager der Vereinigung Cerebral Basel ist deshalb seit elf Jahren jeden Sommer ausgebucht. Die Eltern sind von diesem einmaligen Angebot in der Region begeistert und wünschen sich eine Ausweitung auf alle Schulferien.
«Das Angebot entspricht tatsächlich einem grossen Bedürfnis», sagt Beatrice Gafner, Leiterin Freiyzt & Entlastung bei der Vereinigung Cerebral Basel. Während der Schulferien bieten nämlich weder der Kanton noch die Gemeinden ein entsprechendes Betreuungsangebot an. Sie kennt Eltern, die wegen der anspruchsvollen Betreuung ihres Kindes seit 20 Jahren keine Nacht mehr durchgeschlafen haben. So können sich während des Ferienlagers die Eltern wirklich eine Auszeit nehmen. Der Auftrag für das Tages-
lager heisst daher neben integrativem Arbeiten und altersentsprechenden, bedürfnisgerechten Aktivitäten für die Kinder vor allem auch Entlastung der Eltern.

Jedes Kind erhält eine persönliche Betreuung. Dies ist nur dank einem motivierten Team möglich. Sechs Betreuungspersonen kümmern sich mit viel Liebe und Geduld um die Kinder im Alter von 5 bis 18 Jahren. Bereits seit zehn Jahren hilft Jonny Scuderi mit. «Es ist schön, die Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu sehen, wie sie sich verändern.» Er hat in der Öffentlichkeit viele positive Erfahrungen gemacht, gleichzeitig wünscht er sich von der Gesellschaft aber etwas mehr Hilfsbereitschaft und weniger Gleichgültigkeit gegenüber Menschen mit einer zerebralen Beeinträchtigung.

Unterstützt wird das Team von zwei Praktikantinnen der Fachhochschule für Ernährung und Diätetik Bern. Denn die Kinder sind auf eine ausgewogene Ernährung angewiesen. Das Tageslager ist somit auch Ausbildungsplatz für Hochschulabsolventen. Der Einsatz wird von den beiden Köchinnen denn auch als wertvolle Erfahrung beurteilt.

Finanzierungshilfe erwünscht
Finanziert wird das Lager durch Stiftungen sowie einen Grossverteiler der Region. Der Beitrag der Eltern ist bewusst niedrig gehalten. Der Versuch, Gemeinden in die Finanzierung einzubeziehen, endete mit sehr unterschiedlichen Resultaten.

«Die Gemeinden im oberen Baselbiet sind eher bereit, einen Anteil an die Kosten für unser Betreuungsangebot zu übernehmen. Die Gemeinden im unteren Baselbiet verweisen auf die inexistenten Leistungsvereinbarungen. Es fragt sich aber, ob die Betreuung für Kinder mit einer zerebralen Beeinträchtigung während der Schulferien von einem Verein übernommen werden soll», so Beatrice Gafner.

Der Transport für die Ausflüge muss ebenfalls selber bezahlt werden. «Schade, dass die BLT uns nicht entgegenkommen», meint Scuderi. Auch stünden sie oft lange an den Haltestellen, bis ein Niederflurtram kommt. Abhalten von ihren Ausflügen lässt sich die aufgestellte Truppe davon jedoch nicht. Besuche im Theater, in der Badi, im Zoo sowie bei der Kinderferienstadt in Basel stehen auf dem Programm. Und bei schlechtem Wetter wird gebastelt, gekocht und gespielt. Also alles, was zu einem richtigen Ferienlager dazugehört. Und so ist für das Team die Freude und das Lachen der Kinder Grund genug, auch im nächsten Ferien-tageslager wieder dabei zu sein.

tok. Dieser Artikel ist im Rahmen des Grundkurses «Bürgerjournalismus» entstanden. Der vierteilige Kurs fand im Mai und Juni 2014 statt und wurde von Thomas Kramer (Chefredaktor «Wochenblatt») und Frank Lorenz (dipl. Journalist und ref. Pfarrer Reinach) konzipiert und geleitet. In den nächsten Wochen lesen Sie weitere «Gesellenstücke» von Kursabsolventen im redaktionellen Teil dieser Zeitung und in der Reinacher Rubrik «Kirchenfenster». Freuen Sie sich drauf und achten Sie auf die nächste Kursausschreibung.

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