Ein munterer Seifensieder

Robert Trummer gehört zu den Menschen, die Seife selbst herstellen. Er ist auf der Herbstmesse, dem Basler Weihnachtsmarkt und neu auch in der Gartenstadt zu finden. Ein Augenschein in seinem Atelier.

Reinigung und Hautpflege: Seifensieder Robert Trummer mit einer Seifenstange.  Foto: Thomas Brunnschweiler
Reinigung und Hautpflege: Seifensieder Robert Trummer mit einer Seifenstange. Foto: Thomas Brunnschweiler

Thomas Brunnschweiler

Das Gedicht «Johann, der Seifensieder» von Friedrich von Hagedorn wird in der Literatur immer wieder zitiert. Hagedorns munterer Seifensieder singt «viele schöne Lieder». Tatsächlich entspricht Robert Trummer ganz dem Bild dieses musikalischen Seifensieders, denn in seiner Wohnung gibt es nicht nur Gitarren, sondern auch ein Klavier. Zuerst aber gilt das Interesse dem Raum, wo die Seifen gesiedet werden. Er gleicht einem Laboratorium. Man entdeckt Gläser mit ätherischen Ölen, Heizplatten, Behältnisse und ein Gestell mit fertigen geschnittenen Seifen. Die Seifenherstellung besteht – einfach gesagt – im Verseifen von Ölen durch Natronlauge, der Beigabe von ätherischen Ölen und einer Lagerzeit.

Mehr als Reinigung

Auf das Seifensieden kam Trummer vor etwa sieben Jahren. «Ich wollte etwas Kreatives machen, das auch Leute erfreut», sagt er, «und die ätherischen Öle duften fein.» Hauptberuflich betreut Trummer den Robi-Spielplatz. Aber zwanzig Prozent seiner Arbeitszeit betätigt er sich als Seifensieder. «Beim Seifensieden geht es um etwas Ganzheitliches, um einen Kreislauf, der vom Pflanzen eines Samens zum Einlegen der Pflanzen in Öl bis zum Gebrauch eines Pflegeprodukts führt.»

Im Laufe der Zeit hat sich der ausgebildete Sozialpädagoge eine Menge Wissen über Chemie und medizinische Zusammenhänge angeeignet. «Bei Pflanzenölseife geht es nicht nur um Sauberkeit, sondern um Pflege. Die Seifen wirken bei manchen Hautproblemen ‹humaner› als medizinische Mittel.» Trummers Seifen sind besonders geeignet für Menschen mit Neurodermitis, Psoriasis, Ekzemen, Akne oder trockener Haut. Oliven-, Raps-, Palm- und Kokosöl bilden die Basis der Seifen, die für den Rückfettungseffekt mit Mandel- und Jojobaöl oder Shea- und Kakaobutter angereichert werden. Unter den zugesetzten ätherischen Ölen finden sich unter anderem Lavendel, Ringelblume, Rosenholz, Geranium, Orange und Patchouli.

Beliebt sind ebenfalls die Ziegenmilch- und Meersalzseifen. Die Seifen sind mit einem pH-Wert von 8 bis 9 basisch, damit die körpereigene Säure neutralisiert und die Ausscheidung der sauren Schlacken gefördert wird.

Seifensieden im Trend

Bei seiner duftintensiven Leidenschaft steht dem munteren Seifensieder Bettina Lindenmann zur Seite, die dem «Atelier Muse» den Namen gegeben hat. «Das Seifensieden ist eine Leidenschaft und ein Zustupf zum Einkommen, davon zu leben ist fast unmöglich», erklärt Trummer, der mit www.seifentraum.ch auch einen Internet-Shop betreibt. Tatsächlich war es bereits im Mittelalter so, dass das Seifensieden wie auch das Kerzenziehen bloss eine Nebenbeschäftigung der Metzger war. Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich ein entsprechendes Kleingewerbe. Heute wird trotz der Vormacht industriell hergestellter Seifen das Seifensieden wieder von vielen Menschen entdeckt.

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