Ein Krimi jagt den nächsten

Die Yonex Swiss Open 2024 endeten am Sonntag mit einem denkwürdigen Finaltag. Die Schweizer Badmintonspieler nutzten den Heimvorteil im St.-­Jakob-Stadion jedoch nicht.

Trotz Verletzung am Knöchel: Sean Vendy (links) und Ben Lane aus England sind die Sieger im Herrendoppel an den Swiss Open 2024. Foto: Marco Kunz

Am Ende eines weiteren spektakulären Ballwechsels reisst sich Ben Lane sein Shirt vom Leib und wirft es ins Publikum. Sein Doppelpartner Sean Vendy kniet derweil leicht ungläubig auf dem Boden. Es ist vollbracht! Soeben haben die beiden Badmintonspieler aus England den finalen Ballwechsel des Doppelfinals der Swiss Open für sich entschieden.

Und dies nach einem Spiel, in dem sie so wie Muhammad Shohibul Fikri und Bagas Maulana, das topgesetzte Duo aus Indonesien, die Herzen der Badminton-Fans höherschlagen lassen: spektakuläre Rettungsaktionen, krachende Gewinnschläge und ein Vendy, der sich kurz vor Ende bei einem vergebenen Matchball leicht am Knöchel verletzt. Dennoch bodigen die Engländer mit 24:22 und 28:26 die favorisierten Indonesier. «Es war wichtig, den zweiten Satz zu gewinnen, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich in der Lage gewesen wäre, einen dritten zu spielen», gibt Vendy zu. Dieses erste Spiel leitet am Sonntag einen Finaltag ein, den auch ein Krimiautor nicht spannender hätte erfinden können.

Zur Spannung trägt bei, dass die diesjährigen Swiss Open im Zeichen der Qualifikation für die Olympischen Spiele im Sommer stehen. Denn um in Paris dabei zu sein, brauchen viele der besten Badmintonspieler noch entscheidende Weltranglistenpunkte. Illustrieren lässt sich dies am Final des Herreneinzels, in dem die beiden Taiwanesen Tien-chen Chou und Chun-Yi Lin aufeinandertreffen.

Taiwaner kämpfen um Olympiateilnahme

Die Startplätze für die Olympischen Spiele sind pro Land limitiert. Chou und Lin streiten sich um den einen Platz, der Taiwan zustehen wird. Momentan ist Chou berechtigt, in Paris für Taiwan zu starten, denn Lin hat knapp 4000 Punkte weniger auf dem Konto. Jeder Punkt ist entscheidend, denn die Qualifikationsphase für Paris läuft nur noch bis Ende April – und viele Turniere gibt es nicht mehr. Wenig überraschend deshalb, dass sich die beiden im Final in Basel nichts schenken. Beim Stand von 20:18 im Entscheidungssatz jubelt Lin erstmals über den Sieg.

Doch sein Jubel verstummt sogleich, denn zu seinem Unverständnis ist der Schiedsrichter der Ansicht, dass er beim Gewinnschlag über das Netz gegriffen hat. Kurz darauf macht Lin dann den entscheidenden Punkt zum 23:21 regelkonform. Bemerkenswert: Chou hat nach zwei Sätzen mit 21:7 und 20:16 geführt, dann aber gleich vier Matchbälle hintereinander vergeben.

Kein einziger Schweizer Sieg im Hauptfeld von Basel

Genauso dramatisch geht es bei den Frauen zu und her: Im Einzel besiegt die Weltranglistenfünfte Carolina Marin die um drei Plätze schlechter klassierte Indonesierin Gregoria Mariska Tunjung nach einem abgewehrten Matchball. Für die spanische Olympiasiegerin des Jahres 2016 ist es nach 2021 der zweite Sieg in Basel.

Im Doppel geht der Sieg derweil an das indonesische Duo, bestehend aus Lanny Tria Mayasari und Ribka Sugiarto. Auch sie brauchen, natürlich, drei Sätze. Weniger aufregend verlief das Turnier aus Schweizer Sicht. Jenjira Stadelmann, als Nummer 66 die momentan beste Schweizerin, musste sich bereits vor Turnierbeginn aufgrund von Handgelenkproblemen zurückziehen. Im Rennen um Olympia sieht es aber weiterhin gut aus.

Anders ist dies bei Tobias Künzi. Er verlor sein Startspiel gegen Kenta Nishimoto, forderte dabei die Weltranglistennummer 12 im zweiten Satz aber immerhin ordentlich heraus. Künzli belegt momentan keinen Olympiaplatz. Er muss vor allem an der Europameisterschaft liefern, die am 8. April in Saarbrücken beginnt. Im Frauendoppel blieben die Qualifikantinnen Jorina Jann und Leila Zarrouk chancenlos. Das Mixed-Duo, bestehend aus Minh Quang Pham und Aline Müller, musste derweil in der Startrunde verletzungsbedingt aufgeben.

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