Draisine-Derby: Kurbeln statt Kohle

Am vergangenen Sams-tag fuhren zum zehnten Mal lauter bunte Gefährte über die Schienen am Dreispitz. Von Familien mit Kindern bis hin zu erfahrenen Künstlernpräsentierten dort alle ihre selbst gebautenKunstwerke.

«Funky Gleis Glitter»: Das Gefährt der Familie Reift war ein echter Blickfang.

«Funky Gleis Glitter»: Das Gefährt der Familie Reift war ein echter Blickfang.

Publikumsmagnet: Das Draisine-Derby auf dem Dreispitz lockt jeweils zahlreiche Schaulustige an.Fotos: Désirée Bellwald

Publikumsmagnet: Das Draisine-Derby auf dem Dreispitz lockt jeweils zahlreiche Schaulustige an.Fotos: Désirée Bellwald

Mit Musik, lauter bunter Dekoration und aufgeregten Lautsprecherdurchsagen wurde am Gleisbogen Dreispitz wieder eifrig um die Wette gefahren – und das ganz ohne Konkurrenzkampf. Denn im Zentrum der Veranstaltung standen die Begegnungen und das gemeinsame Erfahren von Kunst. So wurde nicht nur das schnellste Fahrzeug gekürt, sondern auch ein Preis für das «schönste Scheitern» verliehen.

Dass nicht das Endprodukt, sondern das gemeinsame Erlebnis im Fokus stand, berichtete auch die teilnehmende Familie Reift. Zum zweiten Mal sind Ellen und David Reift zusammen mit ihren Kindern Sophia und Jano mit dabei am Basler Draisine-Derby, und beide Male sei es relativ spontan dazu gekommen. «Im ersten Jahr ist unsere Tochter für ein anderes Kind eingesprungen, das mit seinem Wagen krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte. In diesem Jahr sind unsere Kinder dann erneut auf uns zugekommen, dass sie gerne teilnehmen möchten, und nun: Hier sind wir!», berichten die Eltern lachend.

Ein «funky» Familienprojekt

An nur zwei Nachmittagen hätten sie so ihre Draisine mit dem Namen «Funky Gleis Glitter» gebaut. Von altem Kinderspielzeug über Mini-Discokugel und Einrad fand bei dieser Draisine alles Verwendung – und auch die Besatzung war kreativ in den passenden Farbtönen zu ihrem Gefährt gekleidet. Auf die Frage hin, was ihnen am Draisine-Derby am besten gefalle, erklärten sie, sie schätzten vor allem das Ambiente: «Die Menschen sind sehr offen, und die Stimmung ist einfach gut – und einige Gefährte sind wirklich beeindruckend anzusehen.»

Mit etwas ernsterem Hintergrund waren die Draisinen des Künstlers David Gilly behaftet. Bereits zum vierten Mal nahm er am Draisinenrennen Teil. Kinetische Kunstwerke sind dabei das Spezialgebiet Gillys. Wie er auf seinem Instagram-Profil schreibt, möge er es, «nutzlose Dinge» («useless stuff») zu bauen.

Naturschutz und kinetische Kunst

Nicht ganz so nutzlos mutet dabei die Motivation hinter Gillys diesjähriger Draisine «Co-Existence» an. Der Name äussert einen Herzenswunsch des Soundtechnikers und ist als Appell für eine friedliche Co-Existenz zwischen Mensch und Tier zu verstehen. Passend zum Namen ist die Draisine mit einem auffallenden Hai aus Metall und der schwarzen Flagge von Sea Shepherd versehen. Die zweite Draisine, mit der der Techniker in diesem Jahr angetreten ist, ist dagegen schlichter gehalten: eine simple Metallplattform, angetrieben mit Gummiseilen – sie trägt den Namen «Running Home».

Auf die Frage hin, weshalb er teilgenommen habe, erklärt der Kinetikkünstler: «Solche Veranstaltungen eignen sich besonders, um auf diese wichtigen Themen aufmerksam zu machen und damit meiner Herzensangelegenheit nachzugehen. Aber natürlich sind sie auch immer eine Gelegenheit, um den Menschen meine Kunst näherzubringen.» Ob Laie oder Künstler und ob planmässig durchdacht oder kreatives Chaos: Fest steht, dass das Basler Draisine-Derby mit seiner ausgelassenen Feststimmung und der bunten Aufmachung zwischen den Gleisen am Dreispitz viel Raum für kreatives Schaffen bot, der von den Teilnehmenden auf unterschiedliche Art genutzt wurde.

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