Der Zufall wollte Münchenstein

Seit 1972 leben Ruth und Kurt Kaufmann in Münchenstein. Aktiv haben sie sich in das Gemeindeleben integriert. Anlässlich des Jubilaren-Anlasses erzählen sie dem Wochenblatt ihre Geschichte.

Partner fürs Leben: Im Jahr 2019 feierten Ruth und Kurt Kaufmann ihre goldene Hochzeit.Foto: Caspar Reimer
Partner fürs Leben: Im Jahr 2019 feierten Ruth und Kurt Kaufmann ihre goldene Hochzeit.Foto: Caspar Reimer

Am vergangenen Samstag fand im Kultur- und Sportzentrum Kuspo der von der Gemeinde organisierte und mit Unterstützung des Frauenvereins durchgeführte «Jubilaren- und 80Plus-Anlass» statt. Unter den Gästen befanden sich Frauen und Männer ab dem Alter von 80 Jahren oder Ehepaare, die in diesem Jahr ein rundes Hochzeitsjubiläum feiern. Der Einladung gefolgt waren Ruth und Kurt Kaufmann. Erstmals war das Ehepaar 2019 zum Jubilaren-Anlass eingeladen worden – die beiden feierten in jenem Jahr ihre goldene Hochzeit. Weil er 82 Jahre zählt, ist er nun jedes Jahr dabei und darf seine Lebensgefährtin mitnehmen.

Wer Ruth und Kurt Kaufmann in der Genossenschaftsüberbauung an der Lärchenstrasse besucht, trifft auf zwei Menschen, die harmonisch aufeinander abgestimmt scheinen. Da sie durch eine MS-Erkrankung in ihrer Mobilität eingeschränkt ist, übernimmt er mit einer rührenden Fürsorge all die Dinge, bei denen angepackt werden muss. «Kurt ist meine Spitex, mein Butler. Er macht alles im Haushalt. Und er kann gut kochen», sagt Ruth Kaufmann schmunzelnd.

Reinach passte nicht

Das Ehepaar ist 1972 aus dem Freiburgischen nach Münchenstein gezogen. Er hatte in Fribourg eine Ausbildung zum Lehrer absolviert, doch dann suchte das noch frisch verheiratete Paar eine Luftveränderung. «Ich wollte ein Sabbatjahr machen», erinnert er sich. Dass es die beiden gerade nach Münchenstein verschlagen hat, sei aber ein reiner Zufall gewesen: «In der Lehrerzeitung hatte es verschiedene Angebote zur Wahl.» Auch im benachbarten Reinach bewarb er sich, wurde zum Vorsprechen eingeladen. «Ich begleitete Kurt, wartete im Café auf ihn. Als er vom Gespräch zurückkehrte, schlug ich ihm vor, lieber noch einen anderen Ort zu versuchen. Irgendwie hat es mir nicht gepasst», sagt sie lachend. Also sprach Kurt Kaufmann in Münchenstein vor: «Der Schulpflegepräsident war dort Obmaa einer Überbauung an der Baselstrasse. Es war gerade eine 3-Zimmer-Wohnung frei. So haben wir uns für Münchenstein entschieden», erzählt er.

Reisen im Rollstuhl

Ruth und Kurt Kaufmann integrierten sich rasch im Münchenstein, neben seiner Arbeit als Lehrer im Lärchenschulhaus war er unter anderem im Kirchenrat und in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv. Sie arbeitete 15 Jahre als Sekretärin in einer Treuhandfirma in Basel, bis sie vor knapp 30 Jahren die Diagnose Multiple Sklerose bekam: «Es war schon ein Hammer. Aber ich musste mich dreinschicken», erinnert sie sich. Seither tut Kurt Kaufmann alles, um seiner Ehefrau ein gutes Leben zu bieten: Ausgestattet mit einem Reiserollstuhl besuchten die beiden Moskau, Mexiko, China oder die Pyramiden. Solch aufwendige Reisen seien heute nicht mehr möglich, aber: «Gerade im vergangenen Jahr waren wir noch auf einer Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer.»

Im Herzen Freiburger

Auf die Frage, wie sich das Münchenstein von 1972 von jenem von heute unterscheide, sagt Kurt Kaufmann: «Es ist natürlich multikultureller geworden. Als Lehrer hatte ich Schüler aus neun verschiedenen Ländern. Das war sicher bereichernd.» Ob 1972 oder heute – die beiden fühlen sich in Münchenstein pudelwohl. «Münchenstein hat viel zu bieten, etwa die Grün 80 als Ausflugsziel. Auch sorgen verschiedene Institutionen für ein menschenwürdiges Älterwerden», sagt sie. Auch wenn Ruth und Kurt Kaufmann fest in Münchenstein verankert sind, möchte Kurt Kaufmann eines nicht unerwähnt lassen: «Der Wohnort Münchenstein war ein Zufall, wurde rational gewählt. Das Freiburgische aber ist unsere Heimat, die Herzensangelegenheit.» Immer wieder pilgert das Ehepaar in die Heimat, um Verwandte zu besuchen. Ihre beiden Töchter indes leben wiederum weiter verstreut – die eine in Zürich, die andere sogar in Prag.

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