Birseckerin wohl bald in Bundesbern

Die Münchensteiner Landrätin Miriam Locher ist Erstnachrückende auf der Liste der SP und dürfte während der kommenden Legislatur für Eric Nussbaumer in den Nationalrat nachrücken.

Drittbestes Resultat: Miriam Locher kam auf 17000 Stimmen. Foto: Tobias Gfeller
Drittbestes Resultat: Miriam Locher kam auf 17000 Stimmen. Foto: Tobias Gfeller

Offiziell ist es zwar noch nicht, aber es ist mehr als ein offenes Geheimnis: Der im Baselbiet mit den meisten Stimmen wiedergewählte SP-Nationalrat Eric Nussbaumer wird wohl während der kommenden Legislatur zurücktreten. Deshalb war Platz drei auf der Liste der ­Baselbieter Sozialdemokraten hinter Samira Marti und eben Nussbaumer besonders begehrt. Er ermöglicht mit ziemlicher Sicherheit in den kommenden zweieinhalb Jahren den Einzug in den Nationalrat. Mit knapp 17000 Stimmen holte diesen die Münchensteiner Landrätin und SP-Kantonalpräsidentin Miriam Locher und liess Thomas Noack mit ­einem Abstand von über 2500 Stimmen klar hinter sich. Die Erleichterung ist bei Locher gross: «Ich verspüre grosse Freude über dieses wirklich sehr gute persönliche Resultat. Es zeigt mir, dass meine Arbeit der letzten Jahre Rückhalt gefunden hat.»

Für sie sei der mögliche Einzug in den Nationalrat eine Weichenstellung – Locher kann 2027 wegen der Amtszeitbeschränkung nicht wieder für den Landrat kandidieren. Als definitiv will die 41-Jährige das Nachrücken in den Nationalrat aber noch nicht bezeichnen. «Ich würde mich freuen, das ist klar.»

Weil die Wahrscheinlichkeit für das Nationalratsmandat gross ist, intensiviert sie die Arbeit zu den nationalen Themen. «Dabei hilft mir, dass ich als Co-Präsidentin des Parteirats der SP Schweiz schon sehr viel mitbekommen habe.»

Enttäuschende Resultate

Miriam Locher wäre die erste Nationalrätin aus dem Birseck seit dem Reinacher Paul Kurrus, der für die FDP zwischen 1999 und 2003 im Nationalrat politi­sierte. Vor ihm war Heinrich Ott (SP) zwischen 1979 und 1990 Nationalrat. Er wohnte aber nur kurze Zeit in Münchenstein. Der Reinacher Hans-Rudolf Feigenwinter vertrat die frühere CVP zwischen 1975 und 1991 in der grossen Kammer in Bundesbern.

Dieser kurze historische Abriss zeigt, dass Baselbieter Bundesparlamentarier aus dem Birseck eine Rarität sind. Ein Blick auf die detaillierten Resultate vom Wahlsonntag zeigt, dass es die Kandidierenden aus den Wochenblatt-Gemeinden noch heute schwer haben, sich gegen ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus den anderen Kantonsteilen durchzusetzen. Betrachtet man die Listenplatzie­rungen, muss man nicht zum ersten Mal von einer enttäuschenden Wahl für das ­Birseck sprechen. Bei der FDP belegte der Reinacher Gemeinderat und Kantonalpräsident Ferdinand Pulver den fünften Platz. Der Reinacher Einwohnerrat Lucio Sansano wurde Sechster, die Arlesheimer Gemeinderätin Brigitte Treyer Siebte und damit Letzte. Auf der Liste der SVP wurde der Aescher Gemeinderat Andreas Spindler Siebter und Letzter. Gleiches widerfuhr dem Pfeffinger Landrat Marco Agostini auf der Liste der ­Grünen und der Reinacher Landrätin Christina Wicker-Hägeli bei den Grün­liberalen. Bei der Mitte schaffte es die Reinacher Gemeinderätin und Landrätin Béatrix von Sury immerhin auf den ­vierten Platz. Schon jetzt ist klar, dass die Wiederwahl 2027 für Miriam Locher eine Herausforderung würde, da der Kanton Baselland voraussichtlich einen seiner sieben Nationalratssitze verlieren wird.

Bei den Baselbieter Ständeratswahlen obsiegte Maya Graf (Grüne) gegen Herausforderer Sven Inäbnit (FDP) in allen Birsecker Gemeinden – bis auf Pfeffingen. In der liberalen Hochburg distanzierte Inäbnit die Amtsinhaberin mit fast 58 Prozent Wähleranteil deutlich. In Arlesheim erreichte Maya Graf über 60 Prozent, in Münchenstein knapp 60 Prozent. Gerade für Arlesheim mag dieses deutliche Verdikt überraschen.

Imark und Ankli nahe beisammen

Bei den Solothurner Ständeratswahlen wählte Dornach Amtsinhaber Pirmin ­Bischof (Die Mitte) vor Franziska Roth (SP) auf den ersten Platz. Dahinter folgen mit einem gehörigen Abstand, dafür Kopf an Kopf, Remo Ankli (FDP) und Christian Imark (SVP). Gempen wählte Roth vor Bischof auf den ersten Rang. Ankli und Imark sind auch in Gempen nah beisammen. In Hochwald distanzierte Bischof die Konkurrenz deutlich: Christian Imark landete auf Platz zwei. Remo Ankli wurde vor Franziska Roth Dritter. In allen drei Solothurner Wochenblatt-Gemeinden wurde der Breitenbacher Gemeindepräsident Dieter Künzli (GLP) hinter dem Oltner Felix Wettstein (Grüne) abgeschlagen Letzter. Weil neben Bischof niemand das absolute Mehr erreichte, kommt es zum zweiten Wahlgang am 19. November. Sollte Christian Imark dann den Sprung in den Ständerat schafft, würde für ihn Sibylle Jeker in den Nationalrat nachrücken. Die Büsseracherin präsidierte einst die Dornacher SVP-Sektion ad interim. Die Kantonsrätin landete auf der Liste der SVP mit 16427 Stimmen auf dem dritten Platz.

Auffallend ist das gute Abschneiden der Corona-Massnahmen-Kritiker von Mass-Voll, die im Bezirk Dorneck auf 4.1 Prozent kommen. Im ganzen Kanton erzielte die Bewegung von Nicolas A. Rimoldi nur gerade 2,03 Prozent.

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