Ab ans Steuer: Fahrdienst für Betagte sucht Freiwillige

Der Verein Fahrdienst für Senioren Münchenstein gibt älteren Menschen ein Stück Mobilität zurück. Präsident Willy Toggenburger erzählt, was ihn antreibt und was freiwillige Fahrer erwartet.

Soziale Komponente: Vereinspräsident Willy Toggenburger betont, dass es neben dem reinen Fahrdienst auch um den persönlichen Austausch gehe. Foto: Caspar Reimer

Ganze zwei Monate hatte die betagte Frau mit keinem Menschen gesprochen. Sie wohnt allein in einem Haus, ist nicht mehr mobil, Freundschaften und enge Kontakte pflegt sie kaum. Solche Geschichten hört, wer mit Willy Toggenburger, Präsident des Vereins Fahrdienst für Senioren Münchenstein, spricht. «Unserer Dienstleistung kommt eine hohe soziale Komponente zu. Viele Betagte sind froh, wenn sie sich mit einem unserer Fahrer unterhalten können.» Anderen Menschen einen guten Dienst erweisen und eine Freude machen – für ihn der Hauptantrieb, sich im Verein einzusetzen. Hinzu kommt: «Ich bin 78 Jahre alt und habe Zeit. Warum soll ich die nicht für etwas Sinnvolles nutzen?»

Der Verein wurde 2013 von Toggenburger selbst gegründet: «Meine Frau und ich waren im Jahr 2009 von Reinach nach Münchenstein gezogen. Nach meiner Pensionierung kam mir die Idee, hier einen Fahrdienst für Senioren, wie ihn Reinach schon lange kennt, einzurichten.» Er wandte sich an die Gemeinde, die ihn bei seinem Vorhaben unterstützte.

Mehr als 1500 Fahrten pro Jahr

Der Verein zählt rund 300 Mitglieder und wird von einem vierköpfigen Vorstand geführt. 17 Fahrerinnen und Fahrer sind aktuell im Dienst. Der Verein verfügt über eine sechsköpfige Vermittlungsstelle, die bei Anfragen einen Transport organisiert. Dabei steht es den Fahrenden frei zu entscheiden, wann und wie viele Einsätze sie leisten möchten. Die Arbeit ist ehrenamtlich, wobei die Spesen mit 70 Rappen pro Kilometer vergütet werden. «Der Altersdurchschnitt unserer Fahrer liegt bei über 75 Jahren. Deshalb suchen wir jetzt jüngere Freiwillige», sagt Toggenburger. Was eine Fahrerin oder ein Fahrer mitbringen müsse? «Man muss einen Fahrausweis haben und sollte in Münchenstein wohnen oder eng mit dem Ort verbunden sein.»

1554 Transporte hat der Fahrdienst im vergangenen Jahr verzeichnet und dabei insgesamt 10379 Kilometer zurückgelegt. «Es handelt sich in der Regel um kurze Fahrten.» Einen grossen Teil machen medizinische Transporte, wie etwa zur Augenklinik, zur Physiotherapie oder zum Zahnarzt, aus. Aber auch Fahrten zum Einkaufen oder sozialen Treffen kommen vor. Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Dienstleistung ist eine Mitgliedschaft im Verein. Diese kostet für Einzelmitglieder 25, für Paare 30 Franken. Und: «Auch unsere Fahrerinnen und Fahrer müssen im Verein Mitglied sein. Das hat versicherungstechnische Gründe.» Keinesfalls sieht sich der Fahrdienst als Konkurrenz zum Taxi: «Wir sind nicht für kurzfristige Anfragen zuständig. Es gilt eine Vorlaufzeit von 48 Stunden.»

Informationsanlass im Juni

Wie er, der neben seiner Arbeit für den Fahrdienst zudem dem Seniorenrat Münchenstein als Präsident vorsteht, grundsätzlich die Situation von älteren Menschen in der Gemeinde beurteile? «Das ist sehr unterschiedlich. Solche, die wir etwa zu Aktivitäten in der Hofmatt fahren, sind sehr zufrieden. Andere, die allein in grossen Häusern wohnen und nicht mehr mobil sind, haben das Problem der Einsamkeit.» Die Wohnsituation sei für das Befinden älterer Menschen oft entscheidend. «Hier stellt sich die Frage nach bezahlbaren Alterswohnungen.» Hinzukomme der Charakter des einzelnen Menschen: Einige bleiben trotz Einschränkungen aktiv, andere ziehen sich zurück. Toggenburger selbst stahlt mit seinen 78 Lenzen eine Frische aus, die ansteckend wirkt. Man kann sich ihn gut als Fahrer vorstellen.

Sein Verein lädt am Dienstag, 3. Juni, um 15 Uhr zu einem Informationsanlass in die Stiftung Hofmatt ein. «Wir freuen uns auch über Fahrerinnen und Fahrer, die das Pensionsalter noch nicht erreicht haben», so Toggenburger.

www.fahrdienst-muenchenstein.ch

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