Münchenstein
18.03.2020

Sitzen – scannen– hören und auch sehen

Idee findet grossen Anklang: Hansueli Rolli demonstriert das neue attraktive Angebot.  Foto: Tobias Gfeller

Idee findet grossen Anklang: Hansueli Rolli demonstriert das neue attraktive Angebot. Foto: Tobias Gfeller

Mit QR-Codes macht der Verschönerungs-Verein Sitzbänke auf fünf speziellen Rundwegen durch Münchenstein zu digitalen Informations- und Lernstationen.

Von: Tobias Gfeller

Sich einfach mal hinsetzen, die Seele baumeln lassen und ins Grüne sinnieren. Wer das heute noch kann, sei gelobt. Doch für viele ist der Griff beim Hinsetzen auf eine Sitzbank gleichbedeutend mit dem Griff in die Hosentasche zum Handy. Gerade Jüngere schaffen es immer weniger, einfach mal nichts zu tun.

Der Verschönerungs-Verein Münchenstein (VVM) macht sich diese eigentlich negative Angewohnheit zunutze und versah 26 Sitzbänke auf fünf verschiedenen Rundwegen mit QRCodes. Scannt man diese über die dafür notwendige App ins Handy ein, sind Informationen, Geschichten und teilweise sogar kurze Videos zu hören und sehen. Sämtliche Inhalte drehen sich um die Themen Lebensräume, Umwelt und Natur und passen jeweils zur Örtlichkeit der jeweiligen Sitzbank, verrät Projektleiter Hansueli Rolli. «Wir als Verschönerungs-Verein wollen auf die Bedeutung der Umwelt aufmerksam machen.»

Für die Aufnahmen der Beiträge fuhr Hansueli Rolli mit einem Kollegen «mit einer guten Stimme» extra in ein professionelles Tonstudio. Die Texte dafür schrieb Hansueli Rolli selber. Beim Kinderbuchweg verstecken sich hinter den QR-Codes sogar auch Kurzgeschichten auf Youtube, die regelmässig erneuert werden und stets zur aktuellen Jahreszeit passen. Wo sich genau die Sitzbänke mit den QR-Codes befinden, will Hansueli Rolli aber nicht verraten. «Das soll jede und jeder selber herausfinden. Das soll ja auch eine kleine Überraschung sein.»


Neues Leitbild
Das Projekt möglich machten neben dem Verein die Gemeinde, der Kanton und Sponsoren mit finanziellen Hilfen. Die 26 Sitzbänke mit QR-Codes sind eine Weiterentwicklung der kürzlich lancierten fünf Rundwegen durch Münchenstein. Beim Studieren der Örtlichkeiten der insgesamt rund 150 Sitzbänken auf dem Gemeindegebiet fiel Hansueli Rolli auf, dass einzelne davon einen schönen Rundweg ergeben. Jeder Rundweg – ob «Natur und sehenswerte Orte», «Bauernhof und Nachbarluft», «Fernsicht am Höhenweg», der Rentnerweg oder eben der Kinderbuchweg – ist jeweils mit einer Farbe und mit weissen Wegweisern gekennzeichnet. Der Kinderbuchweg wurde zusätzlich mit Boxen ausgestattet, die in Zusammenarbeit mit der Gemeindebibliothek monatlich mit neuen Büchern ausgestattet werden.

Die Rundwege stossen bei der Bevölkerung bisher auf grossen Anklang, freut sich Hansueli Rolli. Sie sind das erste grosse Projekt des Verschönerungs-Vereins seit dessen Neuorientierung und dem daraus entstandenen Leitbild vor vier Jahren. Der VVM ist mittlerweile 113 Jahre alt und klagt wie viele andere Vereine auch über Nachwuchssorgen. Nun möchte der VVM vermehrt Jüngere ansprechen. Dies soll auch mit der Digitalisierung der Rundwege gelingen.

Im Leitbild steht unter anderem, dass der VVM künftig mehr junge Menschen dazu animieren will, am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilzunehmen und dass ganz allgemein Menschen zur Heimat Sorge tragen sollen. Der Verein selber möchte einen Beitrag zur Schönheit von und der Lebensqualität in Münchenstein leisten. Mit den fünf Rundwegen und den QR-Codes ist ihm dabei beides gelungen. Nur noch finden muss man die Sitzbänke selber. Die Prospekte darüber können beim VVM bestellt oder auf der Gemeinde abgeholt werden.