Münchenstein
04.12.2019

Neue Ausstellung im HeK verwischt Grenzen von analog und digital

Zehn Kunstwerke:  Jedes Ausstellungsobjekt beleuchtet das Thema «Avatare, Doppelgänger und allegorische Landschaften» auf seine ganz eigene Art.  FOTO: ZVG

Zehn Kunstwerke: Jedes Ausstellungsobjekt beleuchtet das Thema «Avatare, Doppelgänger und allegorische Landschaften» auf seine ganz eigene Art. FOTO: ZVG

Im Rahmen der Regionale 20 widmet sich das Haus der elektronischen Künste Basel (HeK) dem Thema «Avatare, Doppelgänger und allegorische Landschaften». Eine lohnenswerte Ausstellung voller Überraschungen.

Thomas Brunnschweiler

Spätestens seit dem Film «Avatar» von 2009 ist der Begriff omnipräsent: Avatare sind Kunstfiguren in der virtuellen Welt. Das Wort stammt ursprünglich aus dem Sanskrit und meint den «Abstieg» eines Gottes in menschliche Gestalt. Der Doppelgänger wiederum ist ein häufiges und beliebtes Motiv der Weltliteratur und des Films. Das Motiv kommt bereits in der Antike vor, taucht oft in der Romantik auf und reicht bis zu Stanilaw Lems «Sterntagebüchern». Im Film wird das Motiv vor allem im deutschen Expressionismus, im Film noir und bei Alfred Hitchcock durchgespielt. Eine allegorische Landschaft schliesslich meint «Umgebungen, die den menschlichen Körper über seine biologische Begrenzung hinaus erweitern, sie stellen eine Allegorie menschlicher Gier dar, die Welt zu besetzen und zu beherrschen», wie es im Einführungstext heisst.


Auseinandersetzung erwünscht

Von vielen angebotenen Werken hat der Kurator Boris Magrini zehn Arbeiten ausgewählt, was sich für das Publikum als Vorteil erweist, weil die Ausstellung luftig und leicht daherkommt. Magrini hat die drei Begriffe des Themas nicht zu eng gefasst, sodass die Betrachtenden sich mit den einzelnen Werken auseinandersetzen müssen. Die erste Position von Alessia Conidi (CH) ist dreiteilig und von der Farbe Blau dominiert. Kurze Videoanimationen zeigen Körperteile in surrealem Zusammenhang, die mit ruhigen Atembewegungen rhythmisiert werden. Die grosse Skulptur «Noosphärentrümmer III» von Till Langschied (D/CH), die aus verbrannten Holzlatten besteht, ist eine Installation, die durch ein Tablet ergänzt wird. Die «Augmented reality»-Anwendung, eine computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung, erlaubt es dem Publikum, einer Repräsentation des Roboters CIMON zu lauschen. Das Werk veranschaulicht Langschieds Kritik an der positivistischen Ideologie der Raumforschung. Dirk Koy (CH) hat seine Arbeit «ground» mittels Photogrammetrie erstellt, eine Methode dreidimensionalen Scannings. Ein sich drehender Baumstamm verwandelt sich langsam in riesige geometrische Figuren. Es geht um die Gegenüberstellung von Natur und Kultur sowie um die Verwischung von deren Grenzen.


Einfluss von Le Corbusier

Andreas Lutz (D) beschreibt seine Arbeit «Offset XYZ» als eine physische künstliche Intelligenz. Die Proportionen der pulsierenden Skulptur sind dem Modulor-Menschen von Le Corbusier entlehnt. Es ist ein mechanischer Avatar, der zu uns zu sprechen scheint. Ebenso einfach wie wirkungsvoll ist die Arbeit «Box» von Christine Camenisch und Johannes Vetsch: eine akustisch verstärkte allegorische Landschaft. Das Werk «reality island is elsewhere, game II» von Katrin Niedermeier ist eine faszinierende Arbeit. Sie zeigt die Wanderung eines weiblichen Avatars durch verschiedene imaginäre Räume, die auch analoge Bildelemente zeigen.

Regionale 20 – Avatare, Doppelgänger und allegorische Landschaften, HeK, Freilager-Platz 9, Münchenstein; bis 29. Dezember; Mi–So, 12 bis 18 Uhr. Infos unter ww.hek.ch