Münchenstein
09.06.2021

Eine Herzensangelegenheit

Mit Gesprächen helfen: Kurt Brüderlin (r.) hat das Herz Bistro ins Leben gerufen, Sandra Flury (Mitte) stellte ihm den benötigten Raum zur Verfügung. Foto: Fabia Maieroni
Ausatmen durchs «Röhrli»: Kurt Brüderlin hat einen ganzen Koffer voller Übungsmittel. Foto: ZVG

Mit Gesprächen helfen: Kurt Brüderlin (r.) hat das Herz Bistro ins Leben gerufen, Sandra Flury (Mitte) stellte ihm den benötigten Raum zur Verfügung. Foto: Fabia Maieroni

Mit Gesprächen helfen: Kurt Brüderlin (r.) hat das Herz Bistro ins Leben gerufen, Sandra Flury (Mitte) stellte ihm den benötigten Raum zur Verfügung. Foto: Fabia Maieroni
Ausatmen durchs «Röhrli»: Kurt Brüderlin hat einen ganzen Koffer voller Übungsmittel. Foto: ZVG

Ausatmen durchs «Röhrli»: Kurt Brüderlin hat einen ganzen Koffer voller Übungsmittel. Foto: ZVG

Nach einer Herzoperation fühlte sich Kurt Brüderlin mit seinen Problemen allein gelassen. Er entschied, seine Erfahrungen mit anderen zu teilen – und gründete das «Herz Bistro».

Von: Fabia Maieroni

Nach seiner Entlassung aus der Reha im aargauischen Jura fühlte sich Kurt Brüderlin aus Reinach hilflos: Er stand in seinem Haus ohne Lift mit einem Rollator da und hatte keine Ahnung, wie er in den 4. Stock kommen sollte. «Ich fühlte mich in diesem Moment alleingelassen. Da kam mir die Idee, mich mit anderen über Hindernisse, Probleme und Beschwerden nach einer so grossen Herzoperation auszutauschen. Ein Jahr lang war Kurt Brüderlin unterwegs, suchte jemanden, der ihm für sein «Herz Bistro» eine Plattform bieten möge. Doch die Frage sei immer die gleiche gewesen: «Was springt für uns dabei raus?» Brüderlin konnte jedoch keinen finanziellen Nutzen zusichern – und wollte das auch gar nicht. «Alle wollten Profit aus der Sache schlagen. Das Herz Bistro soll aber freiwillig sein und auch nichts kosten.»

Anfang 2020 fand Kurt Brüderlin im Dy-Fit Gesundheitszentrum in Münchenstein endlich jemanden, der für seine Idee offen war. Überzeugt vom Konzept des Initianten stellte Geschäftsführerin Sandra Flury diesem kurzerhand einen ganzen Loungebereich mit gemütlichen Sofas, Sesseln, Tischen und einem grossen Monitor zur Verfügung. «Für uns ist das im wahrsten Sinne des Wortes eine Herzensangelegenheit», erklärt Sandra Flury. Passenderweise bietet das Gesundheitszentrum bereits Kurse für Herzpatienten an. So können Teilnehmende des Herz Bistros auch mal in das wöchentliche Herztraining reinschauen, wenn sie möchten.

Angebot für alle Betroffenen

Im Herz Bistro können sich Menschen, die an einer Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankung leiden, austauschen und praktische Tipps von Betroffenen und Experten für den Alltag erhalten. Auch Empfehlungen für den Wiedereinstieg in den Alltag nach einem Spitalaufenthalt kann Kurt Brüderlin den Teilnehmenden bieten. Das Angebot ist bewusst niederschwellig angelegt: Es braucht keine Anmeldung und es gibt keine fixen Themen, über die gesprochen wird. Brüderlin will durch seine eigenen Erfahrungen anderen helfen. «Ich bin schon von oben bis unten durchoperiert und habe vieles selbst durchgemacht. «Vielleicht kann ich dem einen oder der anderen mit meinen Tipps dabei helfen, den Alltag besser zu bestreiten», erklärt Brüderlin sein Engagement. Jeweils am Montagmorgen und am Mittwochnachmittag ist er in seinem Herz Bistro anzutreffen. Wer kommt, weiss er im Voraus nie. Während des Lockdowns sei das Angebot nur wenig genutzt werden. Das stimmt Brüderlin aber nicht weniger optimistisch. Im Gegenteil – er hat bereis weitere Pläne: Künftig sollen die Mittwochnachmittage von einer Frau geleitet werden, denn, so ist Brüderlin überzeugt, Frauen würden untereinander über andere Themen sprechen als Männer. Mit seinem ehemaligen Rehazentrum sei er bereits im Gespräch, um eine Patientin zu finden, die Lust auf die Aufgabe habe.

Unterstützt wird das Herz Bistro von der Schweizer Herzstiftung und Viollier, die das Fachwissen mitbringen und begeistert sind vom Format. Bereits wurde Interesse bekundet, das Angebot auch in anderen Städten aufzubauen. Und künftig soll, wenn es nach Brüderlin geht, auch die Lungenliga miteinbezogen werden. Das Wichtigste sei jedoch, dass Ärztinnen und Ärzte auf das Angebot aufmerksam werden und es ihren Patientinnen und Patienten empfehlen. «Nur so werden wir bekannter und können Betroffenen helfen», ist Brüderlin überzeugt.