Münchenstein
14.04.2021

Es regt sich Widerstand gegen das neue Stadtquartier

Neues Zuhause für rund 1000 Menschen: «Übertrieben» und «viel zu dicht verbaut», findet das Referendumskomitee. Foto: BZ Archiv

Neues Zuhause für rund 1000 Menschen: «Übertrieben» und «viel zu dicht verbaut», findet das Referendumskomitee. Foto: BZ Archiv

Ein überparteiliches Komitee hat das Referendum gegen den Quartierplan van Baerle ergriffen. Gemeinderat Daniel Altermatt sieht einer möglichen Abstimmung gelassen entgegen.

Von: Tobias Gfeller

«Ich finde Hochhäuser nicht grundsätzlich schlecht. Aber hier hat man eindeutig übertrieben.» Isabelle Viva von den Grünen ist für verdichtetes Bauen. Aber die Pläne für das Van-Baerle-Areal mit 415 Wohnungen auf 22000 Quadratmetern sind ihr zu viel. Viva ist Präsidentin des überparteilichen Komitees, das das Referendum gegen den an der Gemeindeversammlung mit grosser Mehrheit gutgeheissenen Quartierplan ergriffen hat. Es ist ein «zusammengewürfelter Haufen», der sich dafür zusammengetan hat, beschreibt Viva. Keine Partei steht selber für das Referendum hin. Nicht mal die Grünen, die an der Gemeindeversammlung mit Kritik nicht gespart haben. Die Grünen hätten mit den höheren Energiestandards schon viel erreicht. Dies wollen sie nicht gefährden, erklärt die Komitee-Präsidentin das Fernbleiben ihrer Partei. Es sind jeweils einzelne Parteiexponenten von links bis rechts, die sich gegen das neue Stadtquartier im Gstad zur Wehr setzen. Die Argumente dieser «unheiligen Allianz» sind allesamt die gleichen: «Es ist viel zu dicht verbaut. Es werden zu viele Einwohner pro ­Quadratmeter», kritisiert SVP-Präsident Stefan Haydn. Er habe Angst vor einer Gettobildung und befürchtet, dass die Verkehrsinfrastruktur – sowohl der motorisierte Individualverkehr wie auch der öffentliche Verkehr – die über 900 zusätzlichen Einwohnerinnen und Einwohner nicht «schlucken» könnte. Für Haydn ist klar: Ein solch dicht verbautes Quartier habe auf dem Land nichts verloren. Wer so wohnen möchte, könne ja in die Stadt ziehen.

Isabelle Viva ist noch immer verärgert, wie die «chaotische» Gemeinde­versammlung abgelaufen ist. Dass der Vertreter der Halter AG, die das Areal entwickelt und somit Eigeninteressen verfolgt, auf dem Podium beim Gemeinderat sitzen durfte und ausführlich Auskunft gab, hätte zu Beginn der Versammlung zur Abstimmung gebracht werden müssen.

Verdichtung für Ökologie

Der zuständige Gemeinderat Daniel Altermatt (GLP) nimmt das Referendumsbegehren betont gelassen. Er ist überzeugt, dass der Quartierplan auch eine allfällige Volksabstimmung übersteht. Die Kritik an der Verdichtung kann ­Altermatt nicht nachvollziehen. «Wir hätten diesen Quartierplan nicht gebracht, wenn wir nicht überzeugt wären, dass diese Verdichtung an diesem Ort funktioniert.» Das Van-Baerle-Areal sei der einzige Ort in Münchenstein, an dem eine derartige Verdichtung möglich ist. Bei einer Ablehnung durch die Stimmbevölkerung könnte die Eigentümerschaft das Areal brachliegen lassen, warnt Altermatt. Diese Drohung lassen Isabelle Viva und Stefan Haydn nicht gelten. Für beide ist klar: Das Areal ist zu wertvoll, als dass es von der Eigentümerschaft nicht entwickelt werden will. Daniel Altermatt erinnert an die hohen ökologischen Auflagen, die die Gemeinde an die Halter AG gemacht hat und von der Versammlung zusätzlich verschärft wurden. «All diese ökologischen Standards haben ihren Preis, und der heisst Verdichtung.»

Einfluss durch die Fussballer?

Dass die Gemeindeversammlung dem Quartierplan für viele überraschend klar zugestimmt hat, habe auch damit zu tun, dass anschliessend über die Spiel- und Fussballplätze abgestimmt wurde und zahlreiche Mitglieder des FC Münchenstein anwesend waren, der von der Halter AG gesponsert wird, sagen Kritiker hinter vorgehaltener Hand. FCM-Präsident Tobias Hofer verneint, dass seine Mitglieder dadurch beeinflusst waren. «Wir haben für den Quartierplan keine Parole herausgegeben. In unseren Statuten steht, dass wir nicht politisch aktiv sind.»

Bis zum 21. April bleibt dem Referendumskomitee Zeit, um die benötigten 500 Unterschriften zu sammeln.