Münchenstein
21.10.2020

Wenn Spuren menschlicher Figuren im Holz sichtbar werden

Parallelen: Shirley Müller und Peter Riedwyl haben sich künstlerisch aufgrund stilistischer Ähnlichkeiten gefunden.   Foto: Thomas Brunnschweiler

Parallelen: Shirley Müller und Peter Riedwyl haben sich künstlerisch aufgrund stilistischer Ähnlichkeiten gefunden. Foto: Thomas Brunnschweiler

Der Foto- und Lichtkünstler sowie Skulpteur Peter Riedwyl zeigt in seiner Atelier-Galerie eigene Werke und Bilder von Shirley Müller. Die Ausstellung «Traces – Spuren» setzt ganz auf formale Parallelen.

Von: Thomas Brunnschweiler

Wahrscheinlich haben Sie auch schon in Laminatböden, Marmor- oder Parkettflächen Figuren oder Gesichter entdeckt. Sobald etwas maseriert ist, nehmen wir intuitiv und assoziativ Formen darin wahr. Dies bedeutet, dass wir allem Sinn zu geben versuchen. «Der Mensch und die menschliche Figur stehen seit über 20 Jahren im Zentrum meines künstlerischen Schaffens», sagt die in London geborene Shirley Müller, deren Vater aus Holland stammte.

Eines Tages entdeckte sie in der Maserung von Holzabschnitten Spuren menschlicher Figuren. «So ergab sich das Thema ‹Traces – Spuren› für diese Ausstellung», so Shirley Müller, «ich beginne entlang der Maserung mit dem V-Messer zu schneiden, ohne mich zu sehr auf ein Resultat zu konzentrieren. Der Rest des Bildes entsteht mit dem fortschreitenden Betrachtungs- und Gestaltungsprozess.» Neben diesen Holzbildern finden sich auch attraktive filigrane Tuschzeichnungen.


Naturmythische Assoziationen
«Ich habe schon in der Schule gerne gezeichnet und liebe Holz seit jeher», sagt Müller. Seit vier Jahren integriert sie die Strukturen des Naturprodukts in ihr Werk. «Ich achte nur auf die Maserung. Ausser Tanne eignen sich alle Holzarten für diese Technik.» In einer ersten Phase waren die so gestalteten Holzplatten monochrom. Immer stärker wagte sich Shirley Müller in die Mehrfarbigkeit. In einigen Bildern sind auch Gesichtsprofile zu sehen. Diese Werke der Künstlerin tragen stark einen naturmythischen Charakter. Schon in der griechischen Mythologie gibt es das diesbezügliche Verwandlungsmotiv. Als die Nymphe Daphne vom liebestollen Apollon gestalkt wurde, verwandelte sie ihr Vater Peneios, ein Flussgott, in einen Lorbeerbaum. Auch in Märchen kommt das Motiv der Verwandlung in einen Baum oft vor.

Shirley Müller ist promovierte Chemikerin, jahrelang arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Biozentrum der Universität Basel. Zudem nahm sie über zehn Jahre an der Schule für Gestaltung Freizeitkurse und bei Susanne Hubbuch Kunstunterricht. Bereits mit fünfzehn Jahren bestand sie das Mittelschulexamen in Kunst. Ein Bild aus dieser Zeit wurde von der Royal Drawing Society als erstklassig bewertet.


Malen mit Fotografie
Peter Riedwyl, der schon sehr lange Doppelausstellungen mit künstlerisch wahlverwandten Kunstschaffenden organisiert, malt mit den Mitteln der Fotografie. In der Ausstellung findet sich eine dunkelblaue Hügellandschaft mit einem Vollmond. Wer näher hinschaut, entdeckt zusammengeknautschten Jeansstoff und einen abgesprungenen Knopf. Ein Foto von Rinde passt ausgezeichnet zu einem der Holzmaserbilder von Shirley Müller. Ein Besuch der Ausstellung lohnt sich. Aufgrund der Corona-Welle ist die Besucherzahl pro Zeitfenster limitiert. Es gilt Maskenpflicht.

«Traces – Spuren», artriedwyl, Amselstrasse 6, Münchenstein. Öffnungszeiten: Mi–Fr, 16–20.30 Uhr; So, 11–17 Uhr; täglich ab 11 Uhr nach Vereinbarung. Anmeldung erwünscht: Telefon 079 597 76 07 oder per E-Mail an
peter.riedwyl[at]sunrise.ch. Weitere Infos unter www.artriedwyl.ch.