«Für Oskar mache ich es» — Tierische Helfer im Alters- und Pflegeheim

In der Stiftung Hofmatt bringen neue Hausbewohner viel Abwechslung in den Alltag und wecken die Lebensgeister.

Mensch und Tier: Minischwein Oskar fühlt sich in der «Hofmatt» sauwohl.  Foto: Bea Asper
Mensch und Tier: Minischwein Oskar fühlt sich in der «Hofmatt» sauwohl. Foto: Bea Asper

Die Szene könnte aus einem Film stammen: Im modernen Glasbau geht die Türe auf und nach den Passagieren steigt ein Schwein aus dem Fahrstuhl. Minischwein Oskar würde wahrscheinlich für seine Trainerin Gaby Zbinden auch das Treppenlaufen lernen. Auf jeden Fall ist Oskar gehorsamer als mancher Hund. Geduldig begleitet er die Bewohner der Stiftung Hofmatt auf ihrem Spaziergang vom Garten in die Wohnbereiche.

«Zuchtschweine sind stubenrein», erklärt Zbinden. Deswegen darf Oskar auch mit auf die Zimmer. Oskar weckt Erinnerungen, ist Teil des Gedächnistrainings, regt zu Gesprächen an, sorgt für Schmunzeln und zaubert den Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Die Bewohner erinnern sich an frühere Emotionen und sprechen darüber. Gaby Zbinden leitet den tiergestützten Bereich der Stiftung Hofmatt und weiss aus ihrer langjährigen Erfahrung, dass die Liebe der Tiere den Menschen noch einmal eine ganz besondere Motivation verleiht. So heisst es dann nicht selten aus den Zimmern: «Ich mag jetzt nicht aufstehen, aber wenn Oskar mich braucht, dann komme ich natürlich mit, um ihm sein Futter zu geben.»


«Bewohner sind in ihrem Element»
Die Arbeit mit den Tieren ist in der Stiftung Hofmatt nicht neu. Katzen gehören hier schon lange dazu und auch Hunde von Mitarbeitenden bringen die Bewohner auf andere Gedanken. Da vor 80 Jahren auch Nutztiere eine wichtige Rolle spielten im Leben der Menschen, die heute in der Stiftung Hofmatt leben und teilweise an Demenz leiden, stiess Gaby Zbinden mit ihren Vorschlägen für die Anschaffung von Hühnern und Schweinen auf offene Ohren. Heimleiter Marc Boutellier erklärt warum: «Mit der Fütterung und dem Saubermachen der Ställe kommen bei der Mobilisierung und Aktivierung für die Bewohner Tätigkeiten ins Spiel, die ihnen von früher her bekannt vorkommen und in ihren Augen Sinn machen.» Die Bewohner sind dann wie in ihrem Element und man hört sie sagen: «Das habe ich schon immer so gemacht.» Dass die vier Minischweine, die seit diesem Sommer im Heim leben, hier alt und schwach werden dürfen, gehöre zu den neuen Erfahrungen, welche die Bewohner nun machen dürfen, führt Boutellier aus. Mit den Zeiten hat sich auch das Bewusstsein verändert. Die Hühner haben in der Hofmatt ein Recht auf ein lebenslanges Dasein. «Ihre Eier verwerten wir aber», hält Boutellier fest.

Begonnen hatte alles mit Schafen im Garten der Hofmatt. Diese gehören Gaby Zbinden; sie kommen auch heute noch einmal pro Woche zu Besuch und erfreuen die Bewohnerinnen und Bewohner. Von den Zimmern aus kann man jetzt den Minischweinen beim genüsslichen Suhlen zuschauen. Mit den liebevoll gestalteten Stalltrakten im Innenbereich des Heims wurde nun für alle einen Mehrwert geschaffen. Und wenn Oskar dann wieder in den Lift steigt, ist es die Szene aus dem Alltag in der Hofmatt.

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