Dornach
04.12.2019

«Demokratie macht glücklich»

Politisches Aushängeschild für Dornach:  Daniel Urech will sein neues Amt nutzen, um die Wahrnehmung des

Politisches Aushängeschild für Dornach: Daniel Urech will sein neues Amt nutzen, um die Wahrnehmung des Schwarzbubenlandes in Solothurn zu stärken. Foto: Fabia Maieroni

Der Dornacher Daniel Urech wird der erste grüne Kantonsratspräsident im Kanton Solothurn. Das Wochenblatt hat mit ihm über seine Ziele, die Bedeutung seiner Wahl für Dornach sowie über die geplante Feier am 11. Dezember gesprochen.

Fabia Maieroni

Es ist gut, wenn man in Solothurn auch mal hört, dass nicht alle im Kanton ‹Müuch› sagen, wenn sie von der Milch reden», witzelt Daniel Urech. Der Dornacher wird nächstes Jahr als erster Vertreter der Grünen Partei den Kantonsrat präsidieren. In dieser Funktion leitet Urech die Kantonsratssitzungen und repräsentiert den Kanton an diversen Anlässen. Wichtig ist ihm dabei, Dornach und das ganze Schwarzbubenland in Solothurn zu vertreten. Der «Basler Einschlag», der sich besonders eben auch im Dialekt manifestiert, soll in Solothurn wahrgenommen werden. Denn während die beiden Städte Solothurn und Olten im Kantonsrat stark vertreten sind, wird das Dorneck und das ganze Schwarzbubenland in der Hauptstadt weniger wahrgenommen. «Das Schwarzbubenland hat teilweise andere Perspektiven als die Städte. Diese möchte ich sichtbarer machen.» Dazu möchte Urech auch den Kantonsratsausflug nutzen, der im August nächsten Jahres stattfinden wird. Die Reise ins Schwarzbubenland soll seinen Ratskolleginnen und -kollegen die Region vertrauter machen. Urechs Herkunftsort Dornach werden die Kolleginnen und Kollegen bereits früher kennen lernen: Am 11. Dezember wird hier die Kantonsratspräsidentenfeier stattfinden – erwartet werden zwi-
schen 200 und 250 Besucherinnen und Besucher, darunter der Solothurner Regierungsrat, Urechs Kantonsratskolleginnen und -kollegen sowie weitere politische Prominenz. «Das ist einer der seltenen Anlässe, bei dem der ganze politische Kanton Solothurn zusammenkommt», resümiert Urech. Natürlich schwingt bei dieser Veranstaltung der grüne Gedanke mit: «Wir haben darauf geachtet, möglichst regional und lokal einzukaufen. Den Apéro bringt deshalb das Milchhüsli, serviert wird Dornacher Wein und das Fleisch beim Nachtessen hat Bioqualität.» Als Kantonsratspräsident wird Urech den grünen Gedanken jedoch nur indirekt einbringen können. «Als erster Grüner in dieser Position möchte ich natürlich zeigen, dass die Grünen einen ‹guten Job› machen – Parteipolitik soll man als Kantonsratspräsident aber nicht betreiben. Und das ist auch ganz wichtig, weil man die Institution ‹Kantonsrat› vertritt und nicht die Partei.» Damit verbunden ist auch, dass Urech während seines Präsidialjahres im Parlament keine inhaltlichen Voten zu Geschäften haben wird.


Jeden dritten Tag eine Veranstaltung

Als Kantonsratspräsident kann Urech zwar keine eigenen Voten mehr abgeben, dafür repräsentiert er gegen aussen nun für ein Jahr den gesamten Kanton. Zwischen 100 und 150 Termine wird der Grüne in dieser Funktion im nächsten Jahr abdecken müssen. «Davon habe ich schon etwas Respekt. Aber ich freue mich auch sehr darauf, da ich unseren Kanton so kennen lernen werde, wie ihn nur wenige andere kennen lernen durften», erzählt Urech. Der Gemeinderat und Notar hat bereits auf beruflicher wie auch auf politischer Ebene für die kommende strenge Zeit vorgesorgt: «Bei der Arbeit habe ich zum Glück Angestellte und einen neuen Büropartner, die mich unterstützen. Und für den Gemeinderat werden wir sehen, wie es geht. Wir haben im Kanton Solothurn die Suppleanten, die einen vertreten können, sollten sich Terminkollisionen ergeben.»


Politisches Interesse fördern

Auf seine neue Aufgabe konnte sich Urech bereits vor zwei Jahren einstellen, als er zum zweiten Vizekantonsrat gewählt wurde. Seit dieser Wahl steht Urech auch mit seiner Amtsvorgängerin, Verena Meyer-Burkhard (FDP), in regel-
mässigem Austausch. «Es gibt Sachen, die ich sicher anders machen werde, aber ich kann von meinen Vorgängern auch einiges mitnehmen», sagt Urech. Was er damit meint, das will der Grüne noch nicht verraten: «Ich überlasse es dann meinen Kolleginnen und Kollegen, zu merken – oder auch nicht zu merken –, was anders ist», lacht er. Im Kantonsrat kann grundsätzlich jeder und jede sagen, was er will. In seiner Funktion kann Urech ermahnen oder die Einhaltung der Redezeit durchsetzen und so die Sitzung etwas ordnen. «Ich möchte jedoch nur wenig intervenieren oder nur dann, wenn es wirklich nötig ist», sagt der Grüne. Der Einfluss des Präsidenten auf die Dauer der Debatten sei ohnehin eher gering, lacht er.

Einer seiner persönlichen Wünsche ist es, dass die politische Partizipation auf Kantonsebene wieder grösser wird. «Die Beteiligung und das Interesse an kantonaler Politik ist eher gering heute. Ich bin ein Anhänger der Erkenntnis von Wirtschaftswissenschafter und Glücksforscher Bruno Frey, dass Demokratie glücklich macht. Es trägt zur Lebenszufriedenheit bei, dass wir die Möglichkeit haben, politisch mitzugestalten.» Urech möchte den Menschen den Wert der institutionellen Pfeiler des Staatswesens wie z. B. der Rechtsstaatlichkeit bewusst machen.

Nach seinem Jahr als Kantonsratspräsident will Urech weiter als Mitglied des Kantonsrats wirken. «Ich hoffe natürlich, dass ich 2021 wieder gewählt werde.» Was seine weiteren Pläne angeht, lässt sich der Anwalt und Notar aber nicht auf die Äste hinaus. Regierungsrat möchte er jedenfalls nicht werden: «Wir haben eine äusserst kompetente Regierungsrätin mit Brigit Wyss. Ich hoffe sehr, dass sie in zwei Jahren wieder zur Wahl antritt. Für die fernere Zukunft stellt sich die Frage für mich heute nicht.»


Öffentlicher Apéro für die Bevölkerung

Die Kantonsratspräsidentenfeier am 11. Dezember ist ein grosses Fest für Dornach. Vor dem Nachtessen für die geladenen Gäste wird es ab 17.15 Uhr für die Bevölkerung Uhr einen öffentlichen Apéro vor dem Kloster Dornach beim Schlachtdenkmal geben. Die Ansprachen werden Gemeindepräsident Christian Schlatter, Landammann Roland Fürst und der künftige Kantonsratspräsident Daniel Urech halten. Umrahmt wird der festliche Apéro von kulturellen Beiträgen. Eine Anmeldung ist nicht nötig.