Dornach
07.04.2021

«Es muss dringend interveniert werden»

Blumen am Unfallort: Auf der Gempenstrasse starben zwei junge Männer. Foto: BZ Archiv / Nicole Nars-Zimmer

Blumen am Unfallort: Auf der Gempenstrasse starben zwei junge Männer. Foto: BZ Archiv / Nicole Nars-Zimmer

Auf der Gempenstrasse in Dornach ist es am Mittwoch vor einer ­Woche zu einem tödlichen Unfall gekommen.

Von: Kelly Spielmann

Es war gegen 22.30 Uhr, als bei Wolfgang Müller das Telefon klingelte. Der Dornacher Seelsorger und Mitarbeiter des Care Teams Solothurn wurde am Mittwochabend zur Gempenstrasse gerufen. Gemeinsam mit seiner Frau Fabiana Müller, die Psychologin ist, musste er sich dort um die Feuerwehrangehörigen kümmern, die kurz zuvor drei verunfallte Männer aus einem schrottreifen Auto bergen mussten.

Der Unfall hatte sich rund eine Stunde zuvor ereignet. Drei Männer im Alter von 22 bis 27 Jahren waren von Dornach her kommend auf der Gempenstrasse unterwegs, als der Fahrer aus noch ungeklärten Gründen in einer Linkskurve die Kontrolle über sein Auto verlor. Er prallte auf der rechten Strassenseite in einen Baum, bevor das Fahrzeug seitlich liegend zum Stillstand kam.

Fahrer und Beifahrer verstarben noch auf der Unfallstelle, der dritte Insasse wurde schwer verletzt mit der Rega in ein Spital geflogen. Das komplett beschädigte Auto musste mit einem Kran geborgen werden, der Durchgangsverkehr auf der Gempenstrasse war bis in die frühen Morgenstunden gesperrt.

Massnahmen ergreifen

Wolfgang Müller sei nicht überrascht gewesen, als er gehört habe, wo sich der Unfall ereignet hatte. «Die Strasse ist bekannt dafür, dass besonders jüngere Personen dort gerne zu schnell unterwegs sind», sagt er. «Das sage ich in meiner Rolle als Seelsorger: Es muss jetzt dringend interveniert werden, damit die Attraktivität der Strecke zum Rasen abnimmt.» Wie, spiele keine Rolle: «Es gibt so viele Möglichkeiten», so Müller. Und nennt beispielsweise mehr Radarkontrollen, Bodenschwellen oder eine Reduktion der erlaubten Höchstgeschwin­digkeit.

Letzteres wird schon länger gefordert. Denn es ist nicht das erste Mal, dass sich auf der Gempenstrasse ein schwerer Unfall ereignet hat – sie ist tatsächlich als Unfallstrecke bekannt. Im Juni 2019 beispielsweise wurde ein Velofahrer lebensgefährlich verletzt, nachdem ein damals 23-Jähriger auf einer Probefahrt mit einem McLaren in einer Kurve frontal mit ihm zusammenprallte.

Nach dem Unfall vom Sommer 2019 stellte der Solothurner Kantonsrat Daniel Urech (Grüne) in einem Vorstoss an den Solothurner Regierungsrat die Forderung nach einer Temporeduktion – ­jedoch erfolglos. Es gab zwar zusätzliche Randleitpfosten und Kurvenleitpfeile auf der Strecke, ausserdem wurden die Markierungen punktuell erneuert. Lang­samer fahren muss man jedoch noch immer nicht. Man könne auf der Gempenstrasse fast nirgends die erlaubten 80 Kilometer pro Stunde fahren, argumentierte die Regierung damals. «Darum geht es auch nicht», meint Urech. Würde die Höchstgeschwindigkeit gesenkt, wären härtere Strafen für Raser möglich. Er werde nun zwar nicht unmittelbar wegen des Unfalls vom Mittwoch versuchen, sich erneut politisch für mehr Sicherheit auf der Gempenstrasse einzusetzen. Aber: «Der aktuelle Fall zeigt, dass es auf dieser Strasse wirklich ein Problem gibt. Auch viele Menschen in Gempen leiden unter dem Verkehr.»

Peter Heiniger, Kantonsingenieur und Leiter des Amts für Verkehr und Tiefbau, erklärt, dass man sich derzeit mit der Gempenstrasse beschäftige. Man verfüge über aktuelle Sicherheitsaudits, aufgrund derer bereits Massnahmen umgesetzt wurden – bei diesen handle es sich unter anderem darum, die Sichtbarkeit des Strassenverlaufs zu optimieren und damit die Aufmerksamkeit der Lenker zu erhöhen.

Tempolimit bleibt bei 80 km/h

Bodenschwellen, wie sie Seelsorger Müller vorschlägt, seien für die Gempenstrasse keine zweckmässige Lösung, so Heiniger. Eine Reduktion der Höchstgeschwindigkeit sei im Rahmen des Audits geprüft, jedoch nicht empfohlen worden. «Dies auch aufgrund von Geschwindigkeitsmessungen, die aufzeigen, dass die grosse Mehrheit der Fahrzeuge mit deutlich tieferer Geschwindigkeit als den zulässigen 80 km/h verkehrt», sagt Heiniger. Generell bestehe für die Gempenstrasse ein laufendes Monitoring, auf welchem allfällige Massnahmen basieren. Zum Monitoring gehört auch die polizeiliche Auswertung von Unfallereignissen.