Gempen
22.07.2020

«Hunde haben Rehe gehetzt»

Schluss mit Ruhe: Freilaufende Hunde sind für kleine Rehe in Gempen zu einer Plage, ja sogar zu einer Gefahr geworden. Foto: Pixabay.com

Schluss mit Ruhe: Freilaufende Hunde sind für kleine Rehe in Gempen zu einer Plage, ja sogar zu einer Gefahr geworden. Foto: Pixabay.com

Der Hunde- und Bikertourismus veranlasst Gempen, Massnahmen zu ergreifen. Zur Diskussion stehen die Ausdehnung der Leinenpflicht für Hunde und Durchgangsverbote.

Von: Bea Asper

Den Entscheid, ob die Leinenpflicht für Hunde ausgedehnt werden soll, wird letztlich die Gemeindeversammlung fällen, sagt Joëlle Neuhaus-Ehrsam gegenüber dieser Zeitung. Sie hat als zuständige Gemeinderätin für den Bereich Umwelt und Gesundheit seit den Corona-Schutzmassnahmen eine an Beschwerden reiche Zeit hinter sich. Wegen Missachtung von Fahrverboten und der Parkregelung musste regelmässig die Polizei gerufen werden, bestätigt Neuhaus.

Vor allem an den Wochenenden sei Gempen vom Ausflugsverkehr regelrecht überrannt worden und litt unter dessen Folgen. Denn mit der gestiegenen Besucherzahl seien die Auswüchse unerträglich geworden. Abbekommen hätten dies vor allem auch die schwächsten Bewohner vom Gempener Plateau, nämlich die Tiere — insbesondere die brütenden Vögel und die Rehe mit ihren Bambis. Gleich mehrmals hätten sich schreckliche Vorfälle ereignet. «Hunde haben Rehe gehetzt und im Gras liegende Rehkitze tödlich verletzt», berichtet Neuhaus. Bei einigen Hundehaltern fehle es an Vernunft und Einsicht oder es komme zu einer Fehleinschätzung. «Plötzlich ist der Hund doch nicht mehr abrufbar — und dann ist es bereits zu spät», gibt Neuhaus zu bedenken. Auf jeden Fall sei die Umweltkommission zum Entschluss gekommen, dem Gemeinderat die Ausdehnung der Leinenpflicht für Hunde vorzuschlagen. Die bisherige Regelung, dass Hunde von April bis und mit Juli im Wald und bereits 100 Meter davor an die Leine gehören, soll in Gempen zum nächsten Frühjahr hin auf das ganze Gemeindegebiet ausgedehnt werden, lautet der jetzige Kompromissvorschlag.


Weitere Massnahmen gefordert
Aus Forst- und Jagdkreisen war die Forderung gekommen, die Hundehalter sollten verpflichtet werden, in Gempen nicht nur überall, sondern auch immer, also ganzjährig, ihre Hunde an der Leine auszuführen, anstatt sie frei laufen zu lassen. «Zum Schutz für die Natur und ihre Bewohner», erklärt Roger Zimmermann, Revierförster und Jäger. Er verweist auf die laufenden Projekte zur Förderung der Artenvielfalt, insbesondere auch der Feldlerche. Für Zimmermann ist klar, dass es weitere Massnahmen braucht. Selbst vor Abschrankungen hätten manche Radfahrer nicht haltgemacht und seien mitten durch den Wald gefahren. Es gehe aber nicht nur darum, Bussen zu verteilen, sondern mit Naturreservaten den Waldbewohnern ihre nötige Ruhe zu sichern. Auch dies sei in Abklärung, bestätigt Joëlle Neuhaus-Ehrsam. Man hat eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit den Problemen des Wildschutzes intensiv auseinandersetzt.

Betroffen sei auch die Landwirtschaft. Manche Besucher hatten dem Hund das Stöckchen ins Feld geworfen. Andere hatten es sich mitsamt dem Picknicktisch im Heugras gemütlich gemacht, berichtet Zimmermann. Dies beeinträchtigt das Futter für Kühe. Zudem stellen Abfallreste im Futter eine tödliche Gefahr dar für Kühe — bekannt auch aus den nationalen Plakatkampagnen.


Hotspot Gempen
Auf jeden Fall lösen die Vorkommnisse in Gempen nun Diskussionen aus, wie man in Zukunft dem Besucherstrom begegnen will. «Für die Gemeinde ist es mit einem grösseren Aufwand verbunden bei null Ertrag», gibt Neuhaus zu bedenken. «Fährt man zum Beispiel in die Stadt, bezahlt man für alles, insbesondere für den Parkplatz.» Offenbar ist man in Gempen härter betroffen als in der Nachbargemeinde. Gemeindepräsident Georg Schwabegger sagt auf Anfrage, dass man in Hochwald zwar ebenfalls eine Zunahme an auswärtigen Besuchern – mit Hunden oder auf dem Bike – wahrgenommen habe, doch daraus keine Notwendigkeit ableite, Massnahmen zu ergreifen. «Das Naherholungsgebiet steht grundsätzlich allen zur Verfügung. Eine Regelverschärfung wie zum Beispiel strengere Leinenpflicht für Hundehalter trifft immer auch die Bewohner des Dorfes. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies in unserer Gemeinde erwünscht wäre.»