Wild West am Bruggweg
Mit Melodien aus dem Wilden Westen und dem amüsanten Zweiakter «Hans Müller from Amerika» unterhielt der Musikverein Concordia Dornach das zahlreich erschienene Publikum einmal mehr bestens.

Thomas Brunnschweiler
Trotz Schnee und einsetzender Eisglätte strömten die Menschen am letzten Samstagabend in die Turnhalle am Bruggweg. Mit dem schmissigen Marsch «Custer’s Cavalry», dessen Namensgeber General Custer durch die Niederlage am Little Bighorn gegen das vereinigte Indianerheer legendär geworden ist, begann das Programm. Nicole Kuriger führte im Westernlook sympathisch durch den Abend. Die energiegeladene «Appalachian Overture» von James Barnes beschreibt den nordamerikanischen Bergzug der Appalchen. Winnetou-Melodien durften ebenso wenig fehlen wie die Titelmelodie von «Bonanza», die Bestandteil der Populärkultur geworden ist.
Gleich zweimal waren Melodien des genialen Komponisten Ennio Morricone zu hören. Das Mundharmonika-Klagemotiv aus «Spiel mir das Lied vom Tod» interpretierte Michael Rath, der sein Instrument zum unheimlichen Flirren brachte, perfekt. Sehr stimmig war die Aufführung des modernen Stücks «Snakes», in dem verschiedene Schlangenarten und auch eine indische Schlangenbeschwörung in Klänge umgesetzt werden.
Mit Melodien aus «Die glorreichen Sieben» und zwei Zugaben endete das Konzert. Die Musiker, die auf Strohballen sassen, zeigten unter dem Dirigenten Christoph Moor eine beachtliche Leistung. Der Gesamtklang war homogen, die teilweise schwierige Rhythmik wurde gut gemeistert, und dazu gab es einige schöne Soli. Die Concordia war wahrhaft «in the mood».
Durcheinander mit kleiner Besetzung
Mit dem Lustspiel «Hans Müller from Amerika» hatte sich Regisseurin Dorli Herzog für ein Stück mit kleiner Besetzung entschieden. Die unsterblich ineinander verliebten Anna und Reto haben ein Problem, denn Annas Mutter, die eingebildete Frida von Eckstein, akzeptiert nur einen reichen Schwiegersohn aus gutem Hause. Da Reto aber das uneheliche Kind von Rita Müller ist, muss er eine neue Biografie erfinden.
Der Onkel, köstlich gespielt von Theo Götz, gibt sich als der in Amerika wohnende Vater aus und fällt bei der Witwe von Eckstein buchstäblich mit Westernklamotten und Revolver ins Haus. Dann folgt die viril wirkende Mutter Retos, gespielt von Bruno Müller, die auf High Heels durch die Stube schwankt. Als die echte Mutter aufkreuzt, fliegt der Schwindel auf und der Schlussspurt zum Happy End kann beginnen.
Carmen Hurni gab Frau von Eckstein mit resoluter Arroganz, Silvana Boder zeigte hilfreiche Seiten als Dienstmädchen Sandra, die von Anfang an auf die Seite des verliebten Paars tritt. Anja Werdenberg spielte Anna von Eckstein mit einer Mischung aus Cleverness und Vernünftigkeit. Marius Bueb, sonst an der Trompete zu finden, überzeugte als Reto Müller und Bruno Müller, der für seinen Auftritt als vermeintliche Mutter am Samstag sogar seinen Schnurrbart opferte, wurde per Akklamation zum Publikumsliebling gekürt. Schliesslich bildete Salomé Derrer als echte Rita Müller einen ruhigen Gegenpol zum ganzen Durcheinander.


